China kämpft gegen Bevölkerungsschwund

China kämpft gegen Bevölkerungsschwund
Geburtenkrise: China besteuert Verhütungsmittel © Presse.Online

Chinas Bevölkerung schrumpft: Regierung setzt auf Steuer gegen Verhütung

China ringt um seine demografische Zukunft. Sinkende Geburtenzahlen setzen Politik und Wirtschaft unter Druck nun soll eine Steuer auf Verhütungsmittel den Kinderwunsch ankurbeln.

Steuer auf Verhütung: Ein neuer Ansatz mit Signalwirkung

Drei Jahrzehnte lang waren Kondome und Antibabypillen in China von der Mehrwertsteuer befreit. Das ändert sich nun. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen empfängnisverhütende Mittel künftig mit 13 Prozent besteuert werden dem regulären Mehrwertsteuersatz des Landes.

Die Maßnahme ist Teil eines breiteren Maßnahmenpakets, mit dem Peking versucht, dem anhaltenden Bevölkerungsschwund entgegenzuwirken. Offiziell geht es darum, „geburtenfreundliche Rahmenbedingungen“ zu schaffen. Kritiker sehen jedoch vor allem symbolische Politik.

Eine schrumpfende Nation

2024 ist Chinas Bevölkerung bereits zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. Bereits 2022 lag die Geburtenrate bei geschätzten 1,09 Kindern pro Frau weit unter dem für den Bevölkerungserhalt notwendigen Wert von 2,1.

Zum Vergleich: Ähnliche Werte finden sich in Japan oder Südkorea. Für China, dessen Wirtschaftsmodell lange auf einer großen, jungen Erwerbsbevölkerung beruhte, hat diese Entwicklung weitreichende Folgen vom Arbeitsmarkt bis zur Rentenfinanzierung.

Von Steuererleichterungen bis „Liebeserziehung“

Die Besteuerung von Verhütungsmitteln steht nicht isoliert. In den vergangenen Jahren hat Peking eine Vielzahl von Anreizen eingeführt:

  • Kinderbetreuungszuschüsse wurden von der Einkommensteuer befreit

  • Ein jährlicher staatlicher Betreuungszuschuss wurde eingeführt

  • Hochschulen und Universitäten wurden angewiesen, sogenannte „Liebeserziehung“ anzubieten

Diese Programme sollen Ehe, Familie und Elternschaft wieder positiver darstellen. Ziel sei es, junge Menschen frühzeitig für stabile Partnerschaften und Kinder zu sensibilisieren, so Reuters.

Das schwere Erbe der Ein-Kind-Politik

Die Ursachen für die niedrige Geburtenrate reichen tief. Die Ein-Kind-Politik, die erst 2015 offiziell beendet wurde, wirkt bis heute nach. Laut dem Mercator Institut für China-Studien ist dieses Erbe „nur schwer umkehrbar“.

Neben kulturellen Prägungen spielen systemische Faktoren eine entscheidende Rolle: hohe Wohn- und Bildungskosten, unsichere Arbeitsmärkte und eine weiterhin verbreitete Diskriminierung von Frauen im gebärfähigen Alter. Selbst staatliche Unterstützungen von umgerechnet bis zu 430 Euro monatlich reichen offenbar nicht aus, um diese Hürden auszugleichen.

Politische Linie von Xi Jinping

Auf der Zentralen Wirtschaftsarbeitskonferenz im Dezember erneuerten Regierungsvertreter unter Präsident Xi Jinping das Ziel, „eine positive Einstellung zu Ehe und Kinderkriegen“ zu fördern. Die demografische Stabilisierung gilt inzwischen als strategische Kernfrage für Chinas langfristige Entwicklung.

Analyse: Warum die Steuer kaum reicht

Die Steuer auf Verhütungsmittel ist vor allem ein politisches Signal. Ökonomisch dürfte sie nur geringe Wirkung entfalten. Entscheidend sind nicht die Kosten für Kondome oder Pillen, sondern strukturelle Unsicherheiten: Karriereängste, fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie hohe Lebenshaltungskosten.

Realistisch ist daher: Ohne tiefgreifende Reformen im Arbeits- und Sozialsystem wird auch diese Maßnahme kaum zu einer Trendwende führen. Für Wirtschaft und Politik bleibt der demografische Druck hoch und zeitkritisch.

Fazit:

China verschärft seinen Kurs gegen den Bevölkerungsschwund nun auch über fiskalische Mittel. Ob die Besteuerung von Verhütungsmitteln mehr ist als ein symbolischer Schritt, bleibt fraglich. Klar ist: Die demografische Herausforderung wird Peking noch über Jahrzehnte beschäftigen.

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FAQ:

Warum besteuert China jetzt Verhütungsmittel?
Die Regierung will Anreize für höhere Geburtenzahlen schaffen und den demografischen Rückgang bremsen.

Wie hoch ist die neue Steuer?
13 Prozent entsprechend dem regulären Mehrwertsteuersatz in China.

Seit wann schrumpft Chinas Bevölkerung?
Seit 2022, inzwischen drei Jahre in Folge.

Warum bekommen junge Chinesen weniger Kinder?
Hauptgründe sind hohe Kosten, Jobunsicherheit und strukturelle Benachteiligung von Familien.

Reicht die Maßnahme für eine Trendwende?
Experten halten das für unwahrscheinlich ohne umfassendere soziale Reformen.

Quellen:

  • Reuters: Berichte zur chinesischen Bevölkerungsentwicklung, Steuerpolitik und geburtenpolitischen Maßnahmen (2023–2024)

  • Nationales Statistikamt der Volksrepublik China: Bevölkerungs- und Geburtenstatistiken

  • Zentrale Wirtschaftsarbeitskonferenz der Volksrepublik China:  Beschlüsse und Redebeiträge (Dezember 2023)

  • Mercator Institut für China-Studien (MERICS): Analysen zur demografischen Entwicklung und zu Folgen der Ein-Kind-Politik

  • Weltbank: Vergleichsdaten zu Geburtenraten und demografischen Trends in Ostasien

  • OECD: Studien zu Fertilität, Arbeitsmarkt und Familienpolitik in Industrienationen

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