Crans-Montana: 20 der 40 Brandopfer minderjährig

Crans-Montana: 20 der 40 Brandopfer minderjährig
Der Brand in Crans-Montana offenbart gravierende Sicherheitsfragen © Presse.Online

Brandinferno von Crans-Montana: Hälfte der Todesopfer minderjährig

Nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana ist die Identifizierung aller 40 Todesopfer abgeschlossen. Besonders erschütternd: 20 der Opfer waren minderjährig, das jüngste ein 14-jähriges Mädchen. Die Ermittlungen richten sich zunehmend auf mögliche Verstöße gegen Brandschutzauflagen.

Was bisher bekannt ist

Das Feuer brach während einer Feier in der Nacht aus und breitete sich binnen Sekunden aus. Nach bisherigen Erkenntnissen der Kantonspolizei Kanton Wallis wurde der Brand durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst, die Schaumstoff an der Decke entzündete. Der verwendete Deckenbelag könnte laut Ermittlern eine zentrale Rolle für die rasante Brandausbreitung gespielt haben.

Unter den Todesopfern befinden sich vor allem junge Menschen. Neben Schweizer Staatsangehörigen starben auch Italiener und Franzosen; deutsche Opfer wurden nach Angaben der Behörden nicht registriert. Insgesamt wurden 119 Menschen verletzt, viele davon schwer.

Ermittlungen gegen die Betreiber

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die beiden französischen Betreiber der Bar aufgenommen. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung. Untersucht wird unter anderem,

  • ob die verwendeten Materialien den geltenden Brandschutzvorschriften entsprachen,

  • ob ausreichend und zugängliche Notausgänge vorhanden waren,

  • und ob pyrotechnische Effekte in geschlossenen Räumen zulässig eingesetzt wurden.

Bis zum Abschluss der Untersuchungen gilt die Unschuldsvermutung.

Kritische Phase für die Überlebenden

Für zahlreiche Verletzte bleibt die Lage ernst. Mediziner weisen darauf hin, dass bei schweren Verbrennungen lebensbedrohliche Komplikationen etwa Organversagen infolge der sogenannten Verbrennungskrankheit häufig erst nach 24 bis 48 Stunden auftreten. Hinzu kommt ein stark erhöhtes Infektionsrisiko durch das geschwächte Immunsystem.

Mehrere Schwerverletzte wurden inzwischen in spezialisierte Brandverletztenzentren nach Deutschland verlegt, darunter Kliniken in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Bochum und Köln-Merheim. Die Schweiz hatte aufgrund begrenzter Kapazitäten Unterstützung aus dem Ausland angefordert.

Gesellschaftliche und politische Einordnung

Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Sicherheit von Veranstaltungsorten auf insbesondere dort, wo sich viele junge Menschen auf engem Raum aufhalten. Experten verweisen darauf, dass brennbare Dekorationsmaterialien und Pyrotechnik in Innenräumen seit Jahren als erhebliches Risiko gelten.

Politisch dürfte der Druck steigen, bestehende Vorschriften zu verschärfen oder Kontrollen zu intensivieren. Auch für Betreiber von Bars, Clubs und Eventlocations in ganz Europa könnte das Unglück weitreichende Folgen haben etwa strengere Genehmigungsverfahren oder höhere Haftungsrisiken.

Gedenken und nationale Trauer

Die Schweiz hat für den 9. Januar einen nationalen Trauertag angekündigt. In Crans-Montana soll eine zentrale Gedenkfeier stattfinden. Bundespräsident Guy Parmelin erklärte im Kondolenzbuch der Gemeinde:
„Allen trauernden Familien sage ich mit Aufrichtigkeit: Ihr Leid ist auch unser Leid.“

Zu Beginn der Trauerfeier sollen landesweit die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer Schweigeminute.

Fazit:

Das Brandinferno von Crans-Montana zählt zu den schwersten Unglücken dieser Art in der jüngeren Schweizer Geschichte. Während die medizinische Versorgung der Verletzten weiterläuft, stehen Justiz und Politik vor der Aufgabe, Lehren aus der Katastrophe zu ziehen damit sich ein solches Ereignis nicht wiederholt.

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FAQ

Wie viele Menschen kamen bei dem Brand ums Leben?
Insgesamt starben 40 Menschen, davon 20 Minderjährige.

Was war die mutmaßliche Brandursache?
Nach bisherigen Ermittlungen entzündete eine Partyfontäne den brennbaren Schaumstoff an der Decke.

Gibt es deutsche Opfer?
Nein. Nach Angaben der Behörden wurden keine deutschen Todesopfer gemeldet.

Warum wurden Verletzte nach Deutschland verlegt?
Die Schweiz verfügt nicht über genügend spezialisierte Kapazitäten für eine so große Zahl schwerer Brandverletzungen.

Gibt es rechtliche Konsequenzen für die Betreiber?
Gegen die Betreiber wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Untersuchungen laufen.

Quellen:

  • Kantonspolizei Wallis (offizielle Mitteilungen)

  • Schweizer Bundesrat / Präsidialamt (Statements zum nationalen Trauertag)

  • Angaben behandelnder Kliniken und medizinischer Fachgesellschaften

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