STI breiten sich rasant in Europa aus

STI breiten sich rasant in Europa aus
STI-Fälle steigen europaweit rasant © Presse.Online

Sexuell übertragbare Infektionen in Europa nehmen drastisch zu

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) nehmen in Europa deutlich zu und das trotz nationaler Präventionsprogramme. Ein neuer Bericht der Europäische Gesundheitsbehörde ECDC zeigt, dass insbesondere Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis wieder auf dem Vormarsch sind.

Gonorrhö auf dem Vormarsch vor allem bei jungen Menschen

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Gonorrhö, auch bekannt als Tripper. Laut ECDC sind die Melderaten bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), zwischen 2014 und 2023 um fast 300 Prozent gestiegen. In den vergangenen zwei Jahren hat sich zudem die Zahl der gemeldeten Fälle bei jungen Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren nahezu verdreifacht. Die Infektion breitet sich damit zunehmend über klassische Risikogruppen hinaus aus.

Medizinisch ist Gonorrhö eine bakterielle Infektion, die sich häufig durch Brennen beim Wasserlassen oder Ausfluss äußert. Unbehandelt kann sie schwerwiegende Folgen haben, darunter Unfruchtbarkeit. Hinzu kommt ein wachsendes Problem: Immer mehr Erreger sind resistent gegen gängige Antibiotika, was die Therapie erschwert.

Veraltete Strategien und hohe Zugangshürden

Der ECDC-Bericht zeigt strukturelle Defizite in vielen EU-Staaten. Zwar verfügen 18 von 29 befragten Ländern über nationale STI-Strategien, doch nur etwa ein Drittel hat diese in den vergangenen fünf Jahren aktualisiert. Verändertes Sexualverhalten nach der Pandemie, neue Risikogruppen und moderne Präventionsansätze werden oft nicht ausreichend berücksichtigt.

In Deutschland ist die STI-Prävention Teil einer übergeordneten Strategie, die zuletzt 2016 überarbeitet wurde. Eine eigenständige nationale Teststrategie existiert nicht. Getestet wird überwiegend nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. In 13 europäischen Ländern müssen Betroffene STI-Tests grundsätzlich selbst bezahlen ein erhebliches Hindernis für frühzeitige Diagnosen.

Auch hierzulande sind Tests nicht generell kostenfrei. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nur bei konkretem Verdacht, bei Symptomen, in der Schwangerschaft oder für bestimmte Risikogruppen wie MSM. Vorsorgliche Tests ohne Anlass sind oft privat zu zahlen.

Jugendliche und Schwangere besonders betroffen

Rechtliche Hürden verschärfen die Lage zusätzlich. Während sich Jugendliche in Deutschland bereits ab 14 Jahren ohne elterliche Zustimmung testen lassen dürfen, liegt die Altersgrenze in sieben EU-Staaten bei 18 Jahren. Für viele sexuell aktive Minderjährige bleibt ein Test damit faktisch unerreichbar.

Auch die Datenlage in der Schwangerschaftsvorsorge ist lückenhaft. Zwar empfehlen nahezu alle Länder ein Syphilis-Screening, doch nur vier darunter Deutschland können belastbare Daten zur Testabdeckung vorlegen. Deutschland erreicht hier eine Quote von über 95 Prozent und empfiehlt bei erhöhtem Risiko eine Wiederholung des Tests im letzten Schwangerschaftsdrittel.

Impfprävention bleibt hinter den Möglichkeiten zurück

Defizite zeigen sich auch bei der Impfprävention. Zwar empfehlen viele Länder Impfungen gegen Mpox für MSM, die durchschnittliche Impfquote liegt jedoch EU-weit bei nur 13,2 Prozent. Deutschland schneidet vergleichsweise besser ab: Rund 62 Prozent der MSM sind gegen Hepatitis A geimpft. Zudem existieren Empfehlungen zur Postexpositionsprophylaxe mit Doxycyclin, die nach sexuellem Kontakt das Infektionsrisiko senken kann.

Analyse:

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass STI in Europa längst kein Randthema mehr sind. Steigende Fallzahlen treffen auf Gesundheitssysteme, die vielerorts mit veralteten Strategien arbeiten. Für Politik und Gesundheitsbehörden bedeutet das Handlungsdruck: Ohne niedrigschwellige Testangebote, aktuelle Präventionskonzepte und eine verlässliche Datenerfassung drohen langfristig höhere Gesundheitskosten und steigende Folgeschäden.

Fazit:

Das ECDC fordert die EU-Mitgliedstaaten auf, ihre Strategien dringend zu aktualisieren, Testhürden abzubauen und Daten systematisch zu erfassen. Nur mit zeitgemäßen Präventionsansätzen und verlässlicher Überwachung lässt sich die Ausbreitung sexuell übertragbarer Infektionen nachhaltig eindämmen.

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FAQ

Warum nehmen STI in Europa wieder zu?
Laut ECDC spielen veraltete Präventionsstrategien, eingeschränkter Zugang zu Tests und verändertes Sexualverhalten eine zentrale Rolle.

Welche Infektionen sind besonders betroffen?
Vor allem Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis verzeichnen stark steigende Fallzahlen.

Sind STI-Tests in Deutschland kostenlos?
Nur bei konkretem Verdacht, Symptomen oder bestimmten Risikogruppen. Vorsorgliche Tests müssen oft selbst bezahlt werden.

Warum ist Gonorrhö besonders problematisch?
Die Infektion wird zunehmend antibiotikaresistent und kann unbehandelt zu schweren Folgeschäden führen.

Was empfiehlt das ECDC?
Aktualisierte nationale Strategien, niedrigschwellige Testangebote und eine bessere Datenerfassung in allen EU-Staaten.

Quellen:

  • Europäische Gesundheitsbehörde ECDC: Aktueller Bericht zu STI in Europa

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Leitlinien zu STI-Prävention und Teststrategien

  • Nationale Gesundheitsberichte und Empfehlungen aus Deutschland

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