Bundeswehr hilft Berlin nach Stromanschlag
Nach Anschlag auf Stromnetz: Bundeswehr unterstützt Berlin im Kriseneinsatz
Nach einem schweren Brandanschlag auf zentrale Starkstromleitungen sind im Südwesten Berlins weiterhin rund 30.000 Haushalte ohne Strom. Bund, Land und Hilfsorganisationen haben ihre Maßnahmen ausgeweitet erstmals unterstützt auch die Bundeswehr bei Logistik und Notstrom.
Stromausfall nach Brandanschlag: Lage im Berliner Südwesten
Der Stromausfall betrifft seit mehreren Tagen weite Teile des Berliner Südwestens. Nach Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin waren ursprünglich rund 45.000 Haushalte ohne Versorgung. Bis Sonntagabend konnten etwa 15.000 Haushalte wieder angeschlossen werden. Die vollständige Reparatur der durch den mutmaßlichen Brandanschlag zerstörten Leitungen ist nach aktuellem Stand bis Donnerstag angekündigt.
Die Ermittler gehen derzeit von einem politisch motivierten Anschlag aus. In einem Bekennerschreiben wird eine sogenannte „Vulkangruppe“ genannt. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen der „besonderen Bedeutung des Einzelfalls“ übernommen.
Auswirkungen auf Schulen, Gesundheit und Alltag
Der Stromausfall hatte spürbare Folgen für den öffentlichen Alltag. Zahlreiche Schulen blieben nach den Weihnachtsferien zunächst geschlossen. Die Senatsverwaltung für Bildung veröffentlichte eine Übersicht betroffener Einrichtungen und organisierte für 20 Schulen Notbetreuungen an Ausweichstandorten.
Seit Montag verfügen die Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule (Grundschulbereich Am Rohrgarten) und die Süd-Grundschule wieder über Strom. Laut Bildungsstadträtin Malgorzata Sijbrandij hängt die Wiederaufnahme des Unterrichts jedoch davon ab, „wie schnell sich die Gebäude wieder ausreichend aufheizen lassen und wie stabil die Stromversorgung ist“. Ab Dienstag gelten unter anderem die Käthe-Kruse-Grundschule, die Johanna-Gerdes- und die Emil-Molt-Grundschule sowie die Krankenhausschule (Standort Zehlendorf) als unterrichtsbereit.
Auch die medizinische Versorgung wurde angepasst. Die Kassenärztliche Vereinigung öffnet ihre Notdienstpraxis am Benjamin-Franklin-Klinikum der Charité zusätzlich an mehreren Tagen ab 12 Uhr. Laut KV liegen 136 Arzt- und rund 70 Psychotherapiepraxen im betroffenen Gebiet. Drei Krankenhäuser bleiben vorerst geschlossen, während der Großteil der Pflegeeinrichtungen wieder mit Strom versorgt ist.
Notunterkünfte, Versorgung und Sicherheitslage
Bezirk, Feuerwehr und Hilfsorganisationen richteten bislang sechs Notunterkünfte in Sporthallen und Verwaltungsgebäuden ein. Ergänzend bieten zahlreiche Kirchengemeinden Möglichkeiten zum Aufwärmen, Waschen und Laden von Geräten.
Die Polizei ist mit rund 300 Kräften sowie Unterstützung der Bundespolizei präsent. Zusätzlich informieren 30 Lautsprecherwagen über aktuelle Angebote. Viele Supermärkte haben den Betrieb wieder aufgenommen, weitere werden über Notstrom versorgt.
Bundeswehr unterstützt bei Logistik und Notstrom
Erstmals ist auch die Bundeswehr in die Bewältigung der Lage eingebunden. Sie unterstützt bei Logistik, Transport und dem Betrieb von Notstromaggregaten. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner betonte, die Bundesregierung und andere Bundesländer leisteten umfassende Hilfe: „Wir werden sämtliche Unterstützung brauchen.“
Parallel rief Visit Berlin rund 200 Partnerhotels auf, Zimmer zu Sonderkonditionen für Betroffene bereitzustellen. Der Senat prüft nach Angaben Wegners, ob eine vollständige Kostenübernahme möglich ist.
Analyse: Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur
Der Vorfall rückt erneut die Verletzlichkeit kritischer Infrastruktur in den Fokus. Stromnetze gelten als zentrale Lebensadern moderner Städte. Der Ausfall zeigt, wie schnell Versorgung, Bildung, Gesundheit und Sicherheit gleichzeitig unter Druck geraten. Politisch verstärkt der Anschlag die Debatte über Schutzmaßnahmen, Prävention und die Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden.
Innensenatorin Iris Spranger sprach öffentlich von „Linksterroristen“. Der CDU-Abgeordnete Christopher Förster forderte intensivere Ermittlungen gegen die mutmaßliche Tätergruppe.
Fazit:
Die Reparaturarbeiten laufen unter Hochdruck, doch viele Berliner müssen weiter mit Einschränkungen rechnen. Die kommenden Tage werden zeigen, wie belastbar die Übergangslösungen sind und welche Lehren Politik und Behörden für den Schutz kritischer Infrastruktur ziehen.
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FAQ
Was ist die Ursache des Stromausfalls in Berlin?
Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Ausfall durch einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen ausgelöst.
Wie viele Haushalte sind noch betroffen?
Rund 30.000 Haushalte hatten zuletzt weiterhin keinen Strom.
Wann soll der Schaden vollständig behoben sein?
Der Netzbetreiber strebt eine vollständige Reparatur bis Donnerstag an.
Welche Unterstützung gibt es für Betroffene?
Es wurden Notunterkünfte eingerichtet, medizinische Zusatzangebote geschaffen und Hotelzimmer zu Sonderkonditionen bereitgestellt.
Warum ist die Bundeswehr im Einsatz?
Sie unterstützt bei Logistik, Transport und dem Betrieb von Notstromaggregaten.
Quellen:
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Stromnetz Berlin (Lage- und Reparaturangaben)
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Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin
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Kassenärztliche Vereinigung Berlin
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Senatskanzlei Berlin / Aussagen des Regierenden Bürgermeisters
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Generalstaatsanwaltschaft Berlin