Stromausfall: Wegners Tennis-Trip sorgt für Kritik
Sport statt Krisenmanagement: Wegner spielte während des Stromausfalls Tennis
Während eines großflächigen Stromausfalls im Südwesten Berlins hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner am Samstagmittag Tennis gespielt. Die Information, zunächst vom rbb berichtet, wurde von der Senatskanzlei bestätigt und löste scharfe Reaktionen der Opposition aus.
Was bekannt ist: Stromausfall, Anschlag, politische Verantwortung
Nach einem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren am Samstagmorgen rund 45.000 Haushalte sowie etwa 2.200 Unternehmen zeitweise ohne Strom. Zu dem Anschlag bekannte sich eine mutmaßlich linksextremistische Gruppierung. Polizei und Sicherheitsbehörden ermitteln, die Infrastruktur wurde über Stunden hinweg notdürftig stabilisiert.
In dieser Situation betonte Kai Wegner öffentlich, er sei vom ersten Moment an eng in das Krisenmanagement eingebunden gewesen. Er habe „den ganzen Tag am Telefon“ verbracht, um zu koordinieren und sich zu informieren. Zudem erklärte er auf einer Pressekonferenz, er habe sich „zu Hause in seinem Büro eingeschlossen“ und sei weder verreist noch abwesend gewesen.
Diese Darstellung wurde nun relativiert. Auf Nachfrage bestätigte die Senatskanzlei, dass Wegner am Samstagmittag Tennis gespielt habe. Man erklärte, der Bürgermeister habe sich damit „den Kopf freigemacht“, sei jedoch jederzeit erreichbar gewesen. Vormittags habe er zahlreiche Telefonate geführt.
Kritik der Opposition: Glaubwürdigkeit und Symbolik
Die Reaktionen aus der Opposition fielen deutlich aus. Der Vorsitzende der Berliner Grünen, Werner Graf, erklärte gegenüber dem Der Spiegel, er sei „fassungslos“. Ein Regierender Bürgermeister müsse in einer solchen Lage vor Ort präsent sein oder zumindest maximale politische Sichtbarkeit zeigen.
Auch von der SPD kam scharfe Kritik. Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte, es sei inakzeptabel, dass Wegner während der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten Zeit für eine private Sporteinheit gefunden habe. Kritisiert wurde dabei weniger die Erreichbarkeit als vielmehr das Signal, das von diesem Verhalten ausgehe.
Verteidigung aus der Senatskanzlei
Die Senatskanzlei verweist darauf, dass modernes Krisenmanagement nicht zwingend physische Anwesenheit an einem Ort erfordere. Wegner sei informiert gewesen, habe telefoniert und Entscheidungen begleitet. Das Tennisspiel sei eine kurze private Unterbrechung gewesen, keine Abkehr von seinen Pflichten.
Tatsächlich ist es in politischen Spitzenämtern nicht unüblich, dass Termine außerhalb offizieller Auftritte stattfinden, solange Erreichbarkeit gewährleistet ist. Die Frage, die sich nun stellt, ist jedoch eine andere: War die öffentliche Darstellung des eigenen Einsatzes vollständig und präzise oder zumindest missverständlich?
Analyse: Warum der Vorgang politisch brisant ist
Der Fall ist weniger eine Debatte über ein Tennismatch als über politische Kommunikation in Krisenzeiten. Wegners Aussage, „den ganzen Tag am Telefon“ gewesen zu sein, steht im Widerspruch zu der nun bestätigten privaten Aktivität. Auch wenn beides formal vereinbar sein mag, entsteht ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Hinzu kommt der Zeitpunkt. Berlin befindet sich im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl, Infrastruktur-Sicherheit und staatliche Handlungsfähigkeit sind zentrale Themen. In einer Stadt, die in den vergangenen Jahren wiederholt mit Verwaltungs- und Krisenproblemen zu kämpfen hatte, wird das Verhalten politischer Führung besonders aufmerksam bewertet.
Für viele Bürger zählt in solchen Momenten nicht nur faktische Erreichbarkeit, sondern auch sichtbare Verantwortung. Das erklärt, warum die Diskussion über politische Symbolik derzeit lauter ist als die über konkrete Fehler im Krisenmanagement.
Fazit:
Der Stromausfall im Südwesten Berlins wird technisch aufgearbeitet, politisch jedoch bleibt er ein Thema. Kai Wegner sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, seine Rolle beschönigt zu haben. Ob daraus langfristige politische Konsequenzen entstehen, hängt weniger vom Tennisspiel selbst als von der weiteren Kommunikation und dem Umgang mit Kritik ab.
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FAQ
Warum spielte Kai Wegner während des Stromausfalls Tennis?
Laut Senatskanzlei wollte er „den Kopf freibekommen“ und blieb dabei erreichbar.
War der Regierende Bürgermeister offiziell im Krisenmanagement eingebunden?
Ja. Wegner erklärte, er habe telefoniert und Informationen koordiniert.
Wie viele Menschen waren vom Stromausfall betroffen?
Nach bisherigen Angaben rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen.
Warum reagiert die Opposition so scharf?
Sie kritisiert vor allem die öffentliche Darstellung von Wegners Einsatz und die politische Symbolik seines Handelns.
Hat der Vorfall rechtliche Konsequenzen?
Derzeit nicht. Die Debatte ist politischer und kommunikativer Natur.
Quellen:
-
Berichte des rbb zum Stromausfall und zu Wegners Aufenthalt
-
Bestätigungen der Berliner Senatskanzlei
-
Aussagen und Zitate gegenüber Der Spiegel
-
Offizielle Angaben von Polizei und Netzbetreibern zum Stromausfall
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