Zweites Bekennerschreiben nach Berliner Blackout
„Vulkangruppe“ veröffentlicht Richtigstellung: Neues Bekennerschreiben nach Berliner Stromanschlag
Nach dem Blackout im Berliner Südwesten infolge eines gezielten Angriffs auf die Stromversorgung hat die sogenannte „Vulkangruppe“ eine „Richtigstellung“ veröffentlicht. Polizei und Bundeskriminalamt sehen das Schreiben als echt an Hinweise auf eine russische Steuerung gibt es laut Behörden nicht.
Faktenlage: Was im Bekennerschreiben steht
Die anonym auftretende „Vulkangruppe“ reklamiert in ihrem zweiten Schreiben erneut die Verantwortung für den Anschlag auf die Berliner Strominfrastruktur. Darin betonen die Verfasser, ihre Aktion richte sich „nicht gegen Menschen“, sondern gegen eine Infrastruktur, die Umweltzerstörung verursache. Zugleich räumen sie ein, dass die Folgen des Angriffs Stromausfälle für Haushalte, Einrichtungen und Betriebe bewusst in Kauf genommen worden seien. Wörtlich heißt es, diese „Härte“ sei nicht zufällig.
Die Gruppe weist zudem Spekulationen zurück, wonach Russland hinter dem Anschlag stehen könnte. Solche Vermutungen seien der Versuch, „die eigene Ohnmacht zu kaschieren“ und ein „Sicherheitsnarrativ“ aufrechtzuerhalten, das lokale Täter unterschätze.
Ermittlungen: Polizei sieht linksextremistischen Hintergrund
Nach Angaben der Berliner Polizei gibt es bislang keine Anhaltspunkte für eine ausländische Steuerung. Der Berliner Polizeivizepräsident Marco Langner erklärte, die bisherigen Prüfungen in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt wiesen „sehr deutlich“ auf die Vulkangruppe hin. Das Bekennerschreiben werde als authentisch bewertet und dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet.
Langner verwies auf umfassende Ermittlungen: Tatortanalysen, Untersuchungen von Brandbeschleunigern, der Einsatz von Spürhunden sowie die Auswertung von Videoaufnahmen aus Bahnhöfen. Auch Polizeikreise betonen, Sprache und Zielauswahl entsprächen bekannten Mustern der linksextremen Szene.
Kontroverse Einschätzungen: Sprache, Russland und offene Fragen
Gleichzeitig gibt es öffentliche Stimmen, die vor vorschnellen Festlegungen warnen. Der CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter äußerte gegenüber der WELT Zweifel an der sprachlichen Herkunft des Textes. Eine Rückübersetzung ins Russische ergebe eine deutlich stimmigere Fassung, sagte er. Man müsse daher „alles bewerten und dürfe nichts ausschließen“.
Ähnlich äußerte sich der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz, der auf X fragte, ob Kontakte der Gruppe zu russischen Geheimdiensten geprüft würden. Ergänzend wies die KI-Expertin Andrea Schlüter auf Bluesky darauf hin, dass einzelne Formulierungen für sie nicht originär deutsch wirkten. Diese Einschätzungen sind Teil der öffentlichen Debatte, werden von den Ermittlungsbehörden jedoch bislang nicht geteilt.
Analyse & Einordnung: Warum der Fall über Berlin hinausreicht
Der Anschlag und das erneute Bekennerschreiben berühren mehrere Ebenen zugleich: innere Sicherheit, Schutz kritischer Infrastruktur und die Sensibilität für Desinformations- oder Einflussnarrative. Für Bürgerinnen und Bürger wird sichtbar, wie verwundbar zentrale Versorgungsnetze sind selbst dann, wenn kein internationaler Akteur nachweisbar beteiligt ist.
Politisch verstärkt der Fall den Druck, Prävention und Schutz kritischer Infrastruktur auszubauen, ohne voreilige Schuldzuweisungen zu treffen. Gesellschaftlich zeigt sich eine wachsende Radikalisierungsbereitschaft einzelner Akteure, die trotz erklärter Distanz zu Gewalt die Gefährdung Unbeteiligter in Kauf nehmen.
Fazit & Ausblick
Die Ermittlungen zum Berliner Stromanschlag laufen auf Hochtouren. Nach aktuellem Stand sehen Polizei und BKA keine Hinweise auf eine russische Steuerung und ordnen das Bekennerschreiben klar dem linksextremistischen Milieu zu. Weitere Auswertungen sollen folgen. Die Ergebnisse dürften maßgeblich für die sicherheitspolitische Debatte um den Schutz kritischer Infrastruktur sein.
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FAQ
Wer ist die „Vulkangruppe“?
Eine anonym agierende, mutmaßlich linksextremistische Gruppierung, die sich zu dem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung bekannt hat.
Was sagen die Ermittlungsbehörden zur Echtheit des Schreibens?
Die Berliner Polizei und das Bundeskriminalamt bewerten das zweite Bekennerschreiben als authentisch.
Gibt es Hinweise auf eine Beteiligung Russlands?
Nach Angaben der Polizei gibt es dafür bislang keine Hinweise.
Warum ist der Anschlag gesellschaftlich relevant?
Er zeigt die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur und die realen Folgen extremistischer Gewalt für die Bevölkerung.
Welche Konsequenzen sind zu erwarten?
Kurzfristig weitere Ermittlungen, langfristig eine Intensivierung von Schutz- und Präventionsmaßnahmen.
Quellen:
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Berliner Polizei: Presseäußerungen und Statements zum Ermittlungsstand
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Bundeskriminalamt: Zusammenarbeit bei der Auswertung des Tatorts
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WELT (Axel Springer SE): Interviewaussagen politischer Akteure
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Öffentliche Stellungnahmen von Politikern und Fachleuten (kontextualisiert)