Tennis-Affäre: CDU nimmt Wegner ins Visier
Tennis-Affäre des Regierenden: CDU-Fraktion setzt Wegner unter Druck
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner muss sich am Donnerstagmorgen einer außerplanmäßigen Sondersitzung der CDU-Fraktion stellen. Anlass ist sein Verhalten am ersten Tag des massiven Stromausfalls nach einem mutmaßlichen Terroranschlag.
Was bekannt ist: Ablauf und Aussagen
Die Einladung zur Sondersitzung ging am Mittwochabend gegen 19.45 Uhr ein. Einziger Tagesordnungspunkt: Wegners Krisenmanagement am Samstag, als zehntausende Berliner Haushalte zeitweise ohne Strom, Wärme und Licht waren.
Am Montagnachmittag bestätigte Wegner bei WELT TV, er habe am Samstag zwischen 13 und 14 Uhr eine Stunde Tennis gespielt. Er habe „den Kopf freikriegen“ müssen, nachdem er seit 8.07 Uhr telefonisch mit Behörden im Austausch gewesen sei. Während des Tennisspiels sei er erreichbar geblieben, so Wegner.
Zugleich räumte der Regierende Bürgermeister ein, seine Kommunikation sei fehlerhaft gewesen. „Rückblickend hätte ich das am Sonntag sagen sollen“, erklärte er dem RBB. Auf einer Pressekonferenz am Sonntag hatte Wegner auf Nachfrage erklärt, er sei zu Hause gewesen und habe aus seinem privaten Büro gearbeitet.
Kritik von Opposition und Öffentlichkeit
Die Opposition reagierte scharf. Der Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, Werner Graf, schrieb auf X, der Regierende Bürgermeister habe Tennis gespielt, obwohl er von der Notlage gewusst habe, in der sich viele Menschen befanden. Aus der Opposition wurden Rücktrittsforderungen laut.
Wegner weist den Vorwurf zurück, er habe sich der Verantwortung entzogen. Er betonte, er habe den ganzen Tag über mit dem Kanzleramt, dem Bundesinnenministerium, Senatsverwaltungen, Polizei, Feuerwehr, Stromnetz Berlin und Krisenstäben in Kontakt gestanden. Ein persönlicher Auftritt im betroffenen Gebiet sei kein Selbstzweck, erklärte er.
Innerparteiliche Lage: Erklärung statt Rücktritt
Innerhalb der CDU-Fraktion wird nach Angaben aus Parteikreisen eine offene, aber sachliche Diskussion erwartet. Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen gelten als unwahrscheinlich auch, weil es derzeit keinen klaren parteiinternen Nachfolger für Wegner gibt. Die nächste Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin steht im September an.
Im Zentrum der Sitzung dürfte weniger die Tenniseinheit selbst stehen als die Frage der Glaubwürdigkeit: Warum wurde der Termin zunächst nicht offen benannt? Und welche Maßstäbe gelten für politische Führung in akuten Krisenlagen?
Analyse & Einordnung: Warum der Fall politisch relevant ist
Der Fall berührt einen sensiblen Kern politischer Führung: Erwartet wird in Ausnahmesituationen nicht nur organisatorische Steuerung, sondern auch sichtbare Präsenz und transparente Kommunikation. Wegners Argument, Verantwortung bedeute vor allem Koordination, findet in Teilen der Verwaltung Unterstützung. Gleichzeitig zeigt die Debatte, wie schnell Vertrauensverluste entstehen können, wenn Aussagen nachträglich korrigiert werden müssen.
Kurzfristig drohen Wegner keine formalen Konsequenzen. Mittel- und langfristig könnte der Vorfall jedoch seine Autorität in der Krise schwächen insbesondere, wenn weitere Unklarheiten über Entscheidungswege oder Informationsflüsse bekannt würden. Für Bürger ist der Fall vor allem ein Gradmesser dafür, wie politische Verantwortung in Extremsituationen wahrgenommen wird.
Fazit & Ausblick
Die Sondersitzung der CDU-Fraktion markiert einen kritischen Moment für Kai Wegner. Entscheidend wird sein, ob seine Erklärung die offenen Fragen zur Kommunikation überzeugend klärt. Politisch dürfte der Regierende Bürgermeister im Amt bleiben die Erwartungen an Transparenz und Krisenführung sind jedoch spürbar gestiegen.
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FAQ
Warum gibt es eine Sondersitzung der CDU-Fraktion?
Die Fraktion will Wegners Verhalten und Kommunikation während des Stromausfalls aufarbeiten.
Was genau wirft die Opposition Wegner vor?
Kritisiert wird, dass er während der Krise Tennis spielte und dies zunächst nicht offenlegte.
Hat Wegner gegen rechtliche Pflichten verstoßen?
Nach bisherigem Kenntnisstand gibt es keine Hinweise auf rechtliche Verstöße.
Droht Kai Wegner der Rücktritt?
Innerhalb der CDU gelten Rücktrittsforderungen derzeit als unwahrscheinlich.
Warum ist der Fall für die Öffentlichkeit relevant?
Er betrifft die Frage, wie politische Führung in Krisensituationen wahrgenommen und bewertet wird.
Quellen:
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Öffentliche Statements von Kai Wegner gegenüber WELT TV und RBB
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Stellungnahmen der Berliner CDU-Fraktion
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Äußerungen der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin