EU gibt grünes Licht für Mercosur-Abkommen
EU-Mercosur-Abkommen: Einigung nach 25 Jahren Verhandlungen
Nach 25 Jahren zäher Gespräche haben die EU-Staaten den Weg für das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern freigemacht. Betroffen sind Wirtschaft, Landwirtschaft und Handelspolitik auf beiden Seiten des Atlantiks mit spürbaren Folgen für Arbeitsplätze und Preise.
Politische Zustimmung nach langem Ringen
Bei einem Treffen der Vertreter der 27 Mitgliedstaaten in Brüssel stimmte eine ausreichende Mehrheit der geplanten Unterzeichnung des Abkommens zu, wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Diplomaten berichtet. Damit kann die Europäische Union das Abkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay formell auf den Weg bringen.
Die neue Freihandelszone würde mehr als 700 Millionen Menschen umfassen und wäre nach Angaben der EU-Kommission die größte ihrer Art weltweit. Kern des Deals ist der weitgehende Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen zwischen den beiden Wirtschaftsräumen.
Zugeständnisse an Europas Landwirtschaft
Der Durchbruch gelang erst, nachdem zusätzliche Zusicherungen für europäische Landwirte vereinbart wurden. In mehreren Mitgliedstaaten gilt der Wettbewerb aus Südamerika etwa bei Rindfleisch als existenzielle Herausforderung. Produkte können dort oft günstiger hergestellt werden als in Europa. Italien hatte seine Zustimmung zuletzt an weitergehende Unterstützungszusagen geknüpft; sie war entscheidend, weil Frankreich und Polen das Abkommen in der aktuellen Form weiterhin ablehnen.
Wirtschaftliche Chancen strategische Dimension
Aus Sicht der Industrie überwiegen die Vorteile. Die EU-Kommission rechnet damit, dass die EU-Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent steigen könnten ein Plus von rund 49 Milliarden Euro jährlich. Davon könnten laut Brüssel mehr als 440.000 Arbeitsplätze in Europa abhängen. Besonders profitieren dürften Autoindustrie, Maschinenbau und Pharma: Auf Fahrzeuge etwa erheben Mercosur-Länder bislang Zölle von bis zu 35 Prozent.
Zugleich hat das Abkommen eine geopolitische Komponente. Es gilt als Signal gegen protektionistische Tendenzen und die Zollpolitik von Donald Trump. Viele Regierungen wollen zeigen, dass regelbasierter, offener Handel weiterhin möglich ist Deutschland gehört zu den stärksten Befürwortern.
Kritik: Umwelt, Standards, Preisdruck
Kritiker warnen vor einem Preiskampf zulasten europäischer Bauern und vor negativen Umweltfolgen in Südamerika, insbesondere für den Regenwald. Außerdem gibt es Sorgen, dass europäische Standards für Lebensmittelsicherheit sowie Tier- und Pflanzenschutz verwässert werden könnten. Die EU-Kommission weist das zurück und betont, dass nur Waren in die EU gelangen dürften, die den geltenden EU-Vorschriften entsprechen.
Analyse: Warum das Abkommen jetzt zählt
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Handelskonflikte, fragile Lieferketten und geopolitische Spannungen erhöhen den Druck, Märkte zu diversifizieren. Für die EU ist Mercosur ein Hebel, um Abhängigkeiten zu verringern und neue Absatzmärkte zu erschließen. Realistisch ist kurzfristig ein Schub für exportorientierte Branchen; mittelfristig werden Ausgleichs- und Kontrollmechanismen entscheidend, um soziale und ökologische Risiken zu begrenzen. Für Verbraucher könnten Preise in einzelnen Segmenten sinken, während die Politik gefordert bleibt, betroffene Landwirte gezielt zu unterstützen.
Fazit:
Die politische Zustimmung markiert einen Wendepunkt nach 25 Jahren Verhandlungen. Ob das Abkommen seine wirtschaftlichen Versprechen einlöst und zugleich Umwelt- und Sozialstandards wahrt, wird die Umsetzung zeigen. In den kommenden Monaten rücken Ratifizierung, Detailregeln und Kontrollinstrumente in den Fokus.
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FAQ
Was ist das EU-Mercosur-Abkommen?
Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten zur Senkung von Zöllen und Handelshemmnissen.
Welche Länder gehören zum Mercosur?
Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay.
Warum hat die Einigung so lange gedauert?
Wegen Streitpunkten zu Landwirtschaft, Umweltauflagen und Marktzugängen auf beiden Seiten.
Welche Branchen profitieren besonders?
Autoindustrie, Maschinenbau und Pharma durch sinkende Zölle und bessere Marktzugänge.
Gelten EU-Standards weiter?
Ja. Nach Angaben der EU-Kommission dürfen nur Produkte importiert werden, die EU-Vorschriften erfüllen.
Quellen
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Deutsche Presse-Agentur (dpa): Berichte zur Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten und zu den Verhandlungen
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Europäische Kommission: Angaben zu Umfang, wirtschaftlichen Effekten und Standards des EU-Mercosur-Abkommens
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Rat der Europäischen Union: Informationen zu Abstimmungsverfahren und Mehrheitsverhältnissen
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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Einschätzungen zur Bedeutung für die deutsche Industrie
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Stellungnahmen europäischer Agrarverbände zur Wettbewerbssituation und zu Marktfolgen
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Öffentliche Erklärungen der Regierungen Frankreichs, Polens und Italiens zum Abkommen
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Hintergrunddokumente der EU zur Handelspolitik und zu Nachhaltigkeitsklauseln
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Fachanalysen internationaler Wirtschaftsinstitute zur Handelszone EU–Mercosur