Erbschaftsteuer: SPD fordert Reform

Erbschaftsteuer: SPD fordert Reform
Lars Klingbeil, SPD © Lichtblick/Achim Melde / Deutscher Bundestag

Erbschaftsteuer-Reform: SPD drängt, Union bremst – Streit um Timing und Signalwirkung

Die SPD bringt eine Reform der Erbschaftsteuer ins Spiel, doch die Union blockt ab. CDU und CSU warnen vor wirtschaftlichen Schäden und wollen zunächst eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten.

SPD-Vorschlag: Entlastung für kleine Erbschaften, höhere Last für große Vermögen

Die SPD hat zu Jahresbeginn einen Reformvorschlag zur Erbschaftsteuer vorgelegt. Ziel ist es, große Vermögen stärker zu belasten und kleine sowie mittlere Erbschaften spürbar zu entlasten. Kernpunkt ist ein einheitlicher Freibetrag von rund einer Million Euro pro Erbe, der die bislang komplexen und kleinteiligen Regelungen ersetzen soll.

Das Vererben selbstgenutzter Immobilien etwa des Elternhauses soll steuerfrei bleiben, sofern die Erben dort weiter wohnen. Für Unternehmensnachfolgen sieht die SPD Freibeträge von bis zu fünf Millionen Euro vor, um Familienbetriebe zu schützen. Größere Unternehmensvermögen müssten hingegen mit höheren Steuerzahlungen rechnen.

Union warnt vor falschem Zeitpunkt

Die CDU/CSU lehnt eine Diskussion über Steuererhöhungen derzeit ab. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, betonte, das Signal zu Jahresbeginn müsse klar auf wirtschaftliche Stärkung ausgerichtet sein. Steuererhöhungen seien aus Sicht der Union „schlecht für Wachstum und Investitionen“.

Zwar zeigte Bilger grundsätzlich Verständnis dafür, dass Parteien zu Beginn des Jahres programmatische Akzente setzen. Es handle sich jedoch ausdrücklich um einen SPD-Vorschlag, nicht um eine gemeinsame Linie der Koalition. Die Priorität müsse auf Wirtschaftswachstum liegen.

Kritik aus der Finanzpolitik

Deutlich schärfer äußerte sich der finanzpolitische Sprecher der Union im Bundestag, Fritz Güntzler. Der SPD-Vorschlag komme „zum völlig falschen Zeitpunkt“ und verunsichere Unternehmerinnen und Unternehmer in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Güntzler warnte insbesondere vor negativen Effekten für familiengeführte Betriebe und Arbeitsplätze.

Aus Sicht der Union sollten Reformen „mit Augenmaß“ erfolgen und den verfassungsrechtlich gebotenen Schutz von Unternehmensnachfolgen berücksichtigen. Zudem verweist die Union auf eine noch ausstehende Entscheidung aus Karlsruhe.

Rolle des Bundesverfassungsgerichts

Das Bundesverfassungsgericht prüft derzeit, ob die bestehenden Privilegien für Firmenerben mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes vereinbar sind. Betriebsvermögen werden bislang deutlich günstiger besteuert als privates Vermögen.

Bilger räumte ein, dass es im aktuellen System „Schlupflöcher“ gebe, die den Eindruck von Ungerechtigkeit erzeugten. Sollten die Richter grundlegende Änderungen verlangen, sei eine umfassende Reformdiskussion unausweichlich. Bis dahin wolle die Union jedoch keine Vorfestlegungen treffen.

Analyse

Die Debatte um die Erbschaftsteuer ist politisch heikel und wirtschaftlich sensibel. In einer Phase schwachen Wachstums und hoher Unsicherheit sendet jede Steuerdiskussion Signale an Investoren und Unternehmen. Zugleich steht der Gesetzgeber unter Druck, das Steuersystem gerechter und verfassungskonform auszugestalten.

Der SPD-Vorschlag zielt auf soziale Ausgewogenheit und eine stärkere Besteuerung großer Vermögen. Die Union hingegen priorisiert Planungssicherheit für Unternehmen und verweist auf die rechtliche Klärung durch Karlsruhe. Realistisch ist, dass eine grundlegende Reform erst nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf die politische Agenda rückt.

Fazit:

Kurzfristig zeichnet sich kein Konsens ab. Die SPD setzt auf Reformdruck, die Union auf Abwarten. Maßgeblich für den weiteren Kurs dürfte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sein es könnte die Spielräume für eine Neugestaltung der Erbschaftsteuer deutlich verändern.

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FAQ

Was will die SPD bei der Erbschaftsteuer ändern?
Die SPD schlägt höhere Freibeträge für kleine Erbschaften und stärkere Belastungen großer Vermögen vor, inklusive klarer Regeln für Unternehmensnachfolgen.

Warum lehnt die Union die Debatte derzeit ab?
CDU und CSU befürchten negative Signale für die Wirtschaft in einer Krisenphase und wollen Steuererhöhungen vermeiden.

Welche Rolle spielt das Bundesverfassungsgericht?
Das Gericht prüft, ob die bisherigen Steuerprivilegien für Firmenerben mit dem Grundgesetz vereinbar sind.

Sind Familienunternehmen betroffen?
Ja. Die SPD plant Freibeträge zum Schutz von Familienbetrieben, die Union warnt dennoch vor Unsicherheit für Unternehmer.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?
Das Bundesverfassungsgericht will im Laufe des Jahres entscheiden. Erst danach dürfte die Reformdebatte konkret werden.

Quellen & Fact-Checking

  • Deutscher Bundestag: Aussagen der CDU/CSU-Fraktion zur Steuerpolitik

  • Bundesverfassungsgericht: Anhängige Verfahren zur Erbschaftsteuer

  • Offizielle Verlautbarungen der SPD zur Steuerreform

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