Arktis-Streit: Pistorius warnt Trump
USA und Grönland: Pistorius warnt Trump vor Alleingängen in der Arktis
Die Zukunft Grönlands rückt erneut in den Fokus internationaler Politik: In Washington beraten hochrangige Vertreter der USA, Dänemarks und Grönlands über Sicherheit und Einfluss in der Arktis. Zugleich warnt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius vor einseitigen Schritten Washingtons und vor möglichen Folgen für die Nato.
Strategische Arktis: Sicherheit, Einfluss, Bündnistreue
Grönland gilt als geopolitischer Schlüsselraum. Schmelzende Eiskappen öffnen neue Seewege, Rohstoffvorkommen rücken näher, militärische Präsenz gewinnt an Bedeutung. Pistorius teilt die Einschätzung, dass Russland seine Rolle in der Arktis ausbaut und China seine maritime Reichweite verstärkt. In einem Gastbeitrag für die Zeit betont er jedoch, dass daraus kein Recht auf Annexion oder politische Übernahme abzuleiten sei.
„Eine nachhaltige Antwort kann nicht darin bestehen, Grönland unter gravierender Verletzung der Grundprinzipien des internationalen Miteinanders zu annektieren“, schreibt der SPD-Politiker. Sicherheit lasse sich nur gemeinsam gewährleisten – innerhalb bestehender Bündnisse.
Washingtons Vorstoß und europäische Reaktionen
US-Präsident Donald Trump hatte seine früheren Überlegungen, Grönland unter US-Einfluss zu bringen, zuletzt erneut bekräftigt. Am Mittwoch beraten US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio mit Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen sowie Grönlands Außenbeauftragter Vivian Motzfeldt.
In Europa stößt das auf deutliche Kritik. Sieben europäische Staaten, darunter Deutschland, verurteilten ein solches Vorgehen. Pistorius schloss sich dieser Haltung an und verwies auf bestehende Nato-Planungen zur Sicherung des Nordatlantiks und der Arktis.
Nato als Stabilitätsanker im Nordatlantik
Aus Sicht des deutschen Verteidigungsministers dient die „bündnisgemeinsame Verteidigung“ den legitimen Sicherheitsinteressen der USA am besten. „Gerade hier zeigt sich der Mehrwert eines seit Jahrzehnten eingespielten transatlantischen Verteidigungsbündnisses“, so Pistorius. Alleingänge seien „die schlechtere Alternative“ und gefährdeten den Fortbestand der NATO.
Der Nato-Gipfel im Juli in Ankara müsse daher ein klares Signal der Geschlossenheit senden auch mit Blick auf die Arktis.
Deutsche Rolle und militärische Präsenz
Konkrete Zusagen zur Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Grönland machte Pistorius nicht. Der Bundeswehrverband hatte dies zuletzt gefordert. Bereits im vergangenen Sommer verstärkte Deutschland jedoch seine Präsenz: Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ lief den Hafen von Nuuk an, direkt neben einem Patrouillenschiff der dänischen Marine. Das Verteidigungsministerium sprach von einem symbolischen Schritt für mehr Verantwortung Deutschlands in der Arktis.
Parallel wird in der Nato über eine Ausweitung der Mission „Arctic Sentry“ diskutiert, die Überwachung und Abschreckung im Nordatlantik stärken soll.
Rutte zwischen Vermittlung und Zurückhaltung
Der neue Nato-Generalsekretär Mark Rutte, seit Oktober 2024 im Amt, hält sich öffentlich auffallend zurück. Beim Neujahrsempfang im Europäischen Parlament reagierte er gelassen auf Spekulationen über die Zukunft der Nato selbst für den Fall einer US-Übernahme Grönlands.
Rutte setzt auf stille Diplomatie und bilaterale Gespräche, insbesondere mit Washington. Bereits beim Nato-Gipfel in Den Haag hatte der frühere niederländische Premier Spannungen über Verteidigungsausgaben moderiert.
Warum die Arktis jetzt zum Prüfstein wird
Die Debatte um Grönland ist mehr als ein diplomatischer Konflikt. Sie berührt Grundfragen internationaler Ordnung, Bündnistreue und Machtverschiebungen im hohen Norden. Ein US-Alleingang würde nicht nur Dänemark und Grönland, sondern die gesamte Nato vor eine Zerreißprobe stellen.
Gleichzeitig zeigt sich, wie sehr sicherheitspolitische Fragen mit Klima, Handel und Rohstoffen verknüpft sind. Für Europa und auch für Deutschland wächst der Druck, Verantwortung zu übernehmen, ohne bestehende Bündnisse zu schwächen.
Fazit
Die Beratungen in Washington markieren einen sensiblen Moment für die transatlantischen Beziehungen. Ob die Arktis zum Raum gemeinsamer Sicherheit oder neuer Konflikte wird, hängt maßgeblich vom Umgang der Bündnispartner miteinander ab. Der Nato-Gipfel im Sommer dürfte dabei richtungsweisend sein.
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FAQ
Warum ist Grönland strategisch so wichtig?
Die Insel liegt zwischen Nordamerika und Europa, kontrolliert wichtige See- und Luftwege und gewinnt durch den Klimawandel an wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung.
Was kritisiert Boris Pistorius konkret?
Er warnt vor einseitigen US-Schritten und einer möglichen Annexion Grönlands, die internationales Recht und Nato-Prinzipien verletzen würden.
Welche Rolle spielt die Nato in der Arktis?
Die Nato koordiniert Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen im Nordatlantik, etwa durch gemeinsame Einsatzpläne und Missionen wie „Arctic Sentry“.
Ist ein Bundeswehr-Einsatz in Grönland geplant?
Eine dauerhafte Entsendung ist nicht beschlossen. Deutschland hat jedoch seine militärische Präsenz und Kooperation in der Region verstärkt.
Quellen:
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Bundesministerium der Verteidigung: Stellungnahmen und Veröffentlichungen zur Arktis-Strategie
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Gastbeitrag von Boris Pistorius in Die Zeit
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Offizielle Erklärungen der Nato und des dänischen Außenministeriums
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Berichte internationaler Nachrichtenagenturen