Vier Haiangriffe in 48 Stunden vor Sydney

Vier Haiangriffe in 48 Stunden vor Sydney
Vier Haiangriffe vor Sydney ein Kind kämpft ums Überleben. © Presse.Online

Hai-Attacken in Australien: 12-Jähriger wird Angriff wohl nicht überleben

Vor der australischen Metropole Sydney sind innerhalb von nur zwei Tagen vier Menschen von Haien attackiert worden. Besonders tragisch: Ein zwölfjähriger Junge wird einen Angriff im Sydney Harbour nach bisherigen Erkenntnissen nicht überleben.

Vier Angriffe binnen 48 Stunden

Nach Angaben der Behörden ereigneten sich die Vorfälle an mehreren bekannten Küstenabschnitten im Bundesstaat New South Wales. Am Sonntagnachmittag wurde der zwölfjährige Nico Antic beim Schwimmen im Sydney Harbour von einem Hai gebissen. Der Junge war Nachwuchs-Rettungsschwimmer im North Bondi Surf Life Saving Club. Auf einer Spendenplattform heißt es, das „herzzerreißende Ereignis“ habe zum schlimmstmöglichen Ausgang geführt.

Ebenfalls schwer verletzt wurde der 27-jährige Surfer Andre de Ruyter. Er wurde am Manly Beach attackiert; Ärzte mussten ihm infolge der Verletzungen das rechte Unterbein amputieren. Zwei weitere Surfer im Stadtteil Dee Why sowie nahe Point Plumer kamen glimpflicher davon, nachdem der Hai jeweils in das Surfbrett biss.

Die Meeresbiologin Amy Smoothey vom NSW Department of Primary Industries erklärte nach der Analyse der Bissspuren gegenüber australischen Medien, in allen vier Fällen handle es sich sehr wahrscheinlich um Angriffe von Bullenhaien.

Warum gerade Bullenhaie?

Bullenhaie zählen zu den wenigen Haiarten, die sowohl in Salz- als auch in Süß- und Brackwasser überleben können. Damit sind sie besonders häufig in Flussmündungen und Häfen anzutreffen. Nach Einschätzung der Forscherinnen Vic Camilieri-Asch und Bonnie Holmes steigt ihre Präsenz, wenn die Wassertemperaturen im Sommer hoch sind.

Studien zeigen zudem, dass sich die Aufenthaltsdauer der Tiere in Küstennähe durch steigende Meerestemperaturen verlängert. Im Durchschnitt verbringen Bullenhaie infolge des Klimawandels pro Jahr zusätzliche Zeit in flachen Gewässern genau dort, wo Menschen schwimmen oder surfen.

Starkregen, Nährstoffe und Sichtverhältnisse

Die jüngsten Attacken folgten auf heftige Unwetter. Starke Regenfälle machten das Wasser im Sydney Harbour trüb und nährstoffreich. „Solche Bedingungen ziehen kleinere Fische an und damit größere Raubtiere“, erklären Camilieri-Asch und Holmes. Bereits eine Studie aus dem Jahr 2019 kam zu dem Ergebnis, dass Tiger- und Weiße Haie nach Starkregen häufiger in Küstennähe auftauchen und es eher zu Zwischenfällen kommt.

Verschmutzung als möglicher Faktor

Die Parasitologin Shokoofeh Shamsi von der Charles Sturt University weist auf einen weiteren, bislang wenig erforschten Aspekt hin: Schadstoffe, Pestizide und Parasiten aus dem Landesinneren könnten nicht nur die Verteilung von Haien beeinflussen, sondern auch ihr Verhalten. Bei Süßwasserfischen seien Veränderungen von Aggression und Stressreaktionen bereits nachgewiesen worden.

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Parasit Toxoplasma gondii, der über Katzenkot ins Wasser gelangen kann. Zwar wurde er bei Haien bislang kaum untersucht, doch Studien an Land zeigen, dass Infektionen die Risikobereitschaft von Tieren erhöhen können. Shamsi betont allerdings, dass belastbare Belege für Haie noch fehlen.

Politik unter Handlungsdruck

In der Bevölkerung mehren sich Forderungen nach drastischen Maßnahmen wie einer Keulung von Haien. Die Regierung von New South Wales lehnt dies bislang ab. Premier Chris Minns setzt stattdessen auf zeitlich begrenzte Strandschließungen und verschärfte Warnungen nach Starkregen. Mindestens 20 Strände wurden zuletzt für 48 Stunden gesperrt.

Experten empfehlen, trübes Wasser zu meiden, nach starken Regenfällen nicht im Hafen zu schwimmen und behördliche Warnungen konsequent zu beachten. Zugleich mahnen sie zur Einordnung: Die meisten Hai-Begegnungen seien Erkundungsbisse oder Unfälle.

Warum das Thema jetzt relevant ist

Die Vorfälle vor Sydney zeigen, wie eng Umweltveränderungen und menschliche Nutzung der Küsten zusammenhängen. Klimawandel, Starkregen und Verschmutzung verändern Lebensräume mit direkten Folgen für die Sicherheit von Badegästen. Langfristig könnten Investitionen in Abwasser- und Regenwassermanagement ebenso wichtig werden wie kurzfristige Schutzmaßnahmen an den Stränden.

Fazit:

Die jüngsten Haiangriffe in Australien sind kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines komplexen Zusammenspiels aus Klima, Umwelt und menschlicher Aktivität. Kurzfristige Warnsysteme können Risiken mindern, langfristig sind politische und ökologische Maßnahmen entscheidend, um Küsten sicherer zu machen ohne Wildtiere zum Sündenbock zu erklären.

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FAQ:

Wie häufig sind Haiangriffe in Australien?
Australien zählt weltweit zu den Ländern mit den meisten dokumentierten Hai-Begegnungen, tödliche Vorfälle bleiben jedoch selten.

Warum gelten Bullenhaie als besonders gefährlich?
Sie halten sich häufig in Küstennähe und Flussmündungen auf und können auch in trübem Wasser jagen.

Steigt die Zahl der Angriffe durch den Klimawandel?
Forschungen deuten darauf hin, dass sich Aufenthaltszeiten der Haie in Küstennähe verlängern, was das Risiko erhöhen kann.

Sind Keulungen eine wirksame Lösung?
Experten bezweifeln das. Warnsysteme, Strandschließungen und Umweltmanagement gelten als wirksamer.

Was können Badegäste konkret tun?
Nach Starkregen das Wasser meiden, trübe Bedingungen vermeiden und behördliche Hinweise beachten.

Quellen:

  • NSW Department of Primary Industries – offizielle Angaben zu Haiangriffen und Artbestimmung

  • Taronga Zoo – Australische Hai-Datenbank

  • Charles Sturt University – wissenschaftliche Analysen zu Umweltfaktoren

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