Kemme fordert Alkoholverbot im Stadion

Kemme fordert Alkoholverbot im Stadion
Stadion-Sicherheit: Kemmes Forderung nach Alkoholverbot © Presse.Online

Warum Tabea Kemme ein Alkoholverbot im Stadion fordert und was das für den Fußball bedeutet

Tabea Kemme fordert ein Alkoholverbot in Fußballstadien. Das betrifft Fans, Vereine und Sicherheitskonzepte und wirft neue Fragen zur Kultur im Profifußball auf.

Sexismus im Stadion: Ein strukturelles Problem

Die Debatte über Sicherheit in Fußballstadien flammt regelmäßig auf meist nach gewalttätigen Auseinandersetzungen. Zuletzt sorgten Vorfälle rund um das Zweitliga-Spitzenspiel zwischen Hertha BSC und FC Schalke 04 in Berlin für Diskussionen über Polizeieinsätze und Fanverhalten.

Doch abseits sichtbarer Gewalt gibt es eine weniger beachtete, aber weit verbreitete Problematik: Sexismus. Darauf machte Tabea Kemme nun öffentlich aufmerksam. Im Interview mit dem Der Spiegel schilderte sie ihre Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten im Fußball von sexistischen Kommentaren über sexualisierte Übergriffe bis hin zu Stalking und Morddrohungen. Ihr Fazit: Solche Vorfälle seien kein Ausnahmefall, sondern „Daily Business“.

Die Forderung: Alkohol als Risikofaktor

Vor diesem Hintergrund spricht sich Kemme für ein klares Alkoholverbot in Sportstätten aus. „Zum Schutz aller Beteiligten würde ich in Sportstätten den Zugang zum Alkohol unterbinden“, sagte sie. Ihre Argumentation: Alkohol senke Hemmschwellen, verschärfe verbale Entgleisungen und erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen insbesondere gegenüber Frauen.

Kemme, die 47 A-Länderspiele für Deutschland absolvierte und viele Jahre für Turbine Potsdam spielte, ist heute als TV-Expertin im Männerfußball tätig. Gerade in dieser Rolle erlebe sie weiterhin sexistische Strukturen. Der Kern des Problems liege nicht pauschal bei Männern, sondern in tradierten Vorstellungen von Männlichkeit, die sich vor allem in Sprache äußerten.

Perspektiven: Schutz, Prävention und Kritik

Betroffene und Expertinnen:
Aus Sicht vieler Frauen im Fußball kann ein Alkoholverbot ein Signal sein. Kemme verweist auf fehlende Hilfsstrukturen, insbesondere für junge Betroffene. Sie fordert externe Anlaufstellen mit geschützten Räumen sowie mehr Sensibilisierung durch Kommunikation aber auch eine höhere Bereitschaft, Übergriffe anzuzeigen.

Vereine und Verbände:
Auf institutioneller Ebene ist die Lage komplex. Alkohol gehört für viele Fans zur Stadionkultur, entsprechende Verkaufsrechte sind wirtschaftlich relevant. Ein generelles Verbot würde nicht nur Sicherheitskonzepte verändern, sondern auch Einnahmen aus Gastronomie und Sponsoring betreffen. Zugleich stehen Vereine unter wachsendem Druck, Diskriminierung aktiv zu bekämpfen.

Warum die Debatte jetzt an Fahrt gewinnt

Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Profifußball verstärkt über seine gesellschaftliche Verantwortung diskutiert. Sexismus, Rassismus und Diskriminierung stehen zunehmend im Fokus nicht zuletzt, weil Betroffene öffentlich darüber sprechen.

Konkret bedeutet das:

  • Für die Gesellschaft: Die Debatte reicht über den Fußball hinaus. Sie berührt Fragen nach öffentlichem Raum, Alkoholkonsum und Schutz vor sexualisierter Gewalt.

  • Für Politik und Verbände: Sicherheits- und Präventionskonzepte könnten überprüft werden, ohne zwingend auf ein Totalverbot hinauszulaufen.

  • Für den Alltag im Stadion: Fans müssten sich auf veränderte Regeln einstellen, gleichzeitig könnten Hemmschwellen für Übergriffe sinken.

Fazit und Ausblick

Tabea Kemmes Vorstoß ist weniger eine kurzfristige Forderung als ein Impuls für eine grundsätzliche Debatte. Ob ein Alkoholverbot kommt, ist offen. Klar ist jedoch: Der Profifußball steht vor der Aufgabe, Sexismus nicht nur zu benennen, sondern strukturell anzugehen. Zu beobachten bleibt, ob Verbände und Vereine daraus konkrete Maßnahmen ableiten.

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FAQ

Warum fordert Tabea Kemme ein Alkoholverbot im Stadion?
Sie sieht Alkohol als Faktor, der Hemmschwellen senkt und sexistische sowie übergriffige Verhaltensweisen begünstigt.

Gibt es Belege für Sexismus im Fußball?
Zahlreiche Betroffene berichten darüber, zudem thematisieren Studien und Verbände Diskriminierung im Sport zunehmend öffentlich.

Wäre ein Alkoholverbot rechtlich möglich?
Grundsätzlich ja, da Stadionbetreiber Hausrecht ausüben. Die Umsetzung wäre jedoch politisch und wirtschaftlich umstritten.

Trifft die Debatte nur Männer?
Nein. Kemme betont, es gehe um Männlichkeitsbilder und Sprache – nicht um eine pauschale Schuldzuweisung.

Welche Alternativen zum Alkoholverbot gibt es?
Sensibilisierung, klare Sanktionen, externe Anlaufstellen und konsequente Strafanzeigen gelten als weitere Instrumente.

Quellen

  • Interview mit Tabea Kemme, Der Spiegel

  • Deutscher Fußball-Bund: Stellungnahmen zu Diskriminierung und Prävention im Fußball

  • Polizeiberichte zu Vorfällen im Umfeld von Bundesligaspielen

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