Gasspeicher niedrig – was das für den Winter heißt

Gasspeicher niedrig – was das für den Winter heißt
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt deutlich unter dem Niveau der Vorjahre © Presse.Online

Warum Deutschlands Gasspeicher ungewöhnlich leer sind und was das für den Winter 2026 bedeutet

Deutschlands Gasspeicher sind zu Beginn des Winters 2025/26 ungewöhnlich niedrig gefüllt. Das betrifft Haushalte, Industrie und Energiepolitik und wirft Fragen zur Versorgungssicherheit auf.

Aktueller Stand: Wie voll sind die Gasspeicher in Deutschland?

Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher liegt aktuell bei 37,49 Prozent (Stand: 26.01.2026, 06:15 Uhr). Gegenüber dem Vortag entspricht das einem Rückgang von 0,62 Prozentpunkten. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei 45,59 Prozent.

Damit befinden sich die deutschen Speicher deutlich unter dem Niveau der vergangenen Jahre zu diesem Zeitpunkt. Anfang Januar 2025 lag der Füllstand noch bei über 80 Prozent, im Januar 2024 sogar bei rund 91 Prozent.

Einordnung:
Der niedrigere Stand ist kein isoliertes Tagesphänomen, sondern Teil eines längerfristigen Trends: Seit Herbst 2024 werden die Speicher schneller entleert als zuvor. Ursache sind ein höherer Gasverbrauch, geringere Einspeicherung im Sommer 2025 und veränderte Importströme.

Entwicklung der Gasspeicher: Ein Blick auf die Zahlen

Die Zeitreihe zeigt die Dimension der Veränderung:

  • 01.01.2026: 57,07 %

  • 01.11.2025: 75,00 %

  • 01.07.2025: 50,34 %

  • 01.01.2025: 80,11 %

  • 01.01.2024: 91,00 %

  • 15.11.2022: 100,00 %

Besonders auffällig ist der deutliche Unterschied zu den Jahren 2023 und 2024, als die Speicher zum Teil vollständig gefüllt waren. Damals hatten staatliche Vorgaben und massive Vorsorgekäufe den Markt geprägt.

Wie lange reicht das Gas im Winter?

Nach Angaben von Bundesnetzagentur können voll gefüllte Gasspeicher den deutschen Bedarf für etwa zwei sehr kalte Wintermonate decken. Bei einem Füllstand von rund 37 Prozent reicht das rechnerisch deutlich kürzer.

Allerdings basiert die Gasversorgung nicht allein auf Speichern. Laufende Importe spielen eine zentrale Rolle:

  • Pipeline-Gas aus Norwegen

  • Flüssigerdgas (LNG) über deutsche Terminals

  • Zuflüsse aus Nachbarländern wie Frankreich und Belgien

Behörden betonen daher, dass Speicherstände isoliert betrachtet nur begrenzte Aussagekraft haben.

Perspektiven: Behörden und Energiepolitik

Die Bundesnetzagentur erklärte Anfang Januar 2026, die Gasversorgung sei stabil, die Gefahr einer angespannten Lage aktuell gering. Behördenpräsident Klaus Müller verweist darauf, dass Deutschland eng in das europäische Gasverbundsystem integriert ist und flexibel reagieren kann.

Auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommt Entwarnung. Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte bereits 2024 erklärt, die Energiekrise sei „abgearbeitet“. Gleichzeitig wird betont, dass Vorsorge weiterhin notwendig bleibt.

Warum ist das Thema jetzt besonders wichtig?

Der aktuelle Winter ist der dritte ohne russische Gaslieferungen. Seit Ende 2022 fließt kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland. Zuvor hatte Russland 2021 noch rund 52 Prozent des deutschen Gasbedarfs gedeckt. Der Lieferstopp unter anderem nach Ankündigungen des russischen Konzerns Gazprom und dem Ausfall von Nord Stream 1 hat die Versorgungsstruktur dauerhaft verändert.

Für Haushalte bedeutet das: kurzfristig keine Versorgungsunterbrechung, aber weiterhin ein sensibler Markt mit Preisschwankungen. Für die Industrie bleiben Energiepreise ein Wettbewerbsfaktor. Politisch rückt zudem die EU-Entscheidung in den Fokus, ab 2027 vollständig auf russisches Erdgas zu verzichten.

Fazit und Ausblick

Die niedrigen Gasspeicherstände sind ein Warnsignal, aber kein akutes Krisenzeichen. Entscheidend sind die kommenden Wochen: Witterung, Importmengen und Marktpreise bestimmen, wie schnell sich die Speicher weiter leeren. Für Verbraucher und Unternehmen gilt vor allem eines: aufmerksam bleiben ohne Alarmismus.

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FAQ

Wie hoch ist der aktuelle Gasfüllstand in Deutschland?
Der Füllstand liegt bei 37,49 Prozent (Stand: 26.01.2026).

Warum sind die Speicher leerer als in früheren Jahren?
Wegen höherem Verbrauch, geringerer Einspeicherung im Sommer 2025 und veränderter Importstrukturen ohne russisches Gas.

Reicht das Gas für den Winter 2026?
Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist die Versorgung aktuell gesichert, da zusätzlich laufende Importe genutzt werden.

Warum können Speicherstände über 100 Prozent liegen?
Bei optimalen Bedingungen schrumpft das Gasvolumen durch Abkühlung, sodass rechnerisch mehr als 100 Prozent eingespeichert werden können.

Wo gibt es tagesaktuelle Zahlen?
Bei der europäischen Plattform Gas Infrastructure Europe.

Quellen & Fact-Checking

  • Bundesnetzagentur: Lageeinschätzungen und Verbrauchsdaten

  • Gas Infrastructure Europe (GIE): Europäische Speicherstände

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Energiepolitik

  • Initiative Erdgasspeicher in Deutschland: Speicherstandorte

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