Witzenmann baut Jobs ab – Signal für die Industrie
Wirtschaftskrise bei Witzenmann: Stellenabbau in Baden-Württemberg und die Folgen für Region und Industrie
Die Witzenmann-Gruppe baut in Baden-Württemberg 230 Stellen ab. Der Schritt betrifft mehrere Standorte und steht exemplarisch für den wirtschaftlichen Druck auf die Industrie im Südwesten.
Fakten & Kontext
Das Familienunternehmen mit Sitz in Pforzheim kündigte Ende Januar an, anhaltende Umsatzrückgänge und eine schwache Konjunktur im europäischen Heimatmarkt machten einen Personalabbau notwendig. Betroffen sind neben dem Hauptsitz auch die Werke in Kieselbronn und Remchingen (Enzkreis).
Nach Unternehmensangaben wurde nach „langen und intensiven Verhandlungen“ mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und der Gewerkschaft IG Metall ein Maßnahmenpaket vereinbart. Kern ist ein Ergänzungstarifvertrag, der den Stellenabbau sozialverträglich gestalten soll. Ziel: betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden.
Der Abbau soll über ein Freiwilligenprogramm erfolgen. Vorgesehen sind Altersteilzeit, Vorruhestandsregelungen und Abfindungen. Laut Berichten der Badische Neuesten Nachrichten arbeiten am Standort Pforzheim rund 1.650 Menschen. Der geplante Abbau entspricht damit fast 14 Prozent der Belegschaft in der Region.
Unternehmensprofil und Marktumfeld
Witzenmann wurde 1854 gegründet und ist auf Metallschläuche, Kompensatoren sowie Komponenten für Verbrennungs- und andere Antriebstechnologien spezialisiert. Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 4.400 Mitarbeitende.
Besonders die schwache Nachfrage nach klassischen Antriebskomponenten belastet das Geschäft. Gleichzeitig befindet sich die Automobil- und Zulieferindustrie im Strukturwandel: Elektromobilität, neue Mobilitätskonzepte und geopolitische Unsicherheiten verändern Absatzmärkte und Investitionsentscheidungen.
Perspektiven
Unternehmenssicht:
Personalvorständin Christine Wüst erklärte laut Pressemitteilung, man hoffe, „wenn ausreichend Kolleginnen und Kollegen die Angebote annehmen“, vollständig auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu können. Die Maßnahmen seien „fair“ und dienten der nachhaltigen Stärkung des Standorts Pforzheim.
Beschäftigten- und Gewerkschaftssicht:
Aus Sicht der IG Metall steht der Abschluss exemplarisch für den Versuch, Beschäftigung in schwierigen Zeiten abzusichern allerdings um den Preis spürbarer Einschnitte. Beschäftigte müssen auf einzelne tarifliche Leistungen verzichten, zudem wird eine für Frühjahr 2026 geplante Entgelterhöhung auf Oktober 2026 verschoben.
Analyse & Einordnung
Der Stellenabbau bei Witzenmann ist mehr als eine unternehmensinterne Entscheidung. Er verdeutlicht, wie stark selbst etablierte Mittelständler unter der Kombination aus Konjunkturflaute und technologischem Wandel leiden. Baden-Württemberg, geprägt von Automobil- und Zulieferindustrie, ist davon besonders betroffen.
Gleichzeitig zeigt der Fall, dass Unternehmen versuchen, Zeit zu gewinnen: Durch Freiwilligenprogramme und tarifliche Vereinbarungen sollen Kündigungen vermieden werden, während parallel in Zukunftsfelder investiert wird. Witzenmann kündigte Investitionen von 49 Millionen Euro für 2026 und 2027 an unter anderem in Wasserstofftechnologie, energetische Gebäudesanierung und Halbleiteranwendungen.
Für Politik und Wirtschaftspolitik unterstreicht der Vorgang die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für Transformation und Innovation. Für Beschäftigte bedeutet er Unsicherheit, aber auch die Hoffnung, dass Strukturwandel sozial abgefedert werden kann.
Fazit & Ausblick
Der Stellenabbau bei Witzenmann markiert einen Einschnitt für die Region Pforzheim und den Industriestandort Baden-Württemberg. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Investitionen greifen und neue Geschäftsfelder ausreichend Wachstum erzeugen. Beobachtenswert bleibt, ob weitere Zulieferer ähnliche Schritte gehen müssen.
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FAQ
Warum baut Witzenmann Stellen ab?
Grund sind Umsatzrückgänge und eine anhaltende Nachfrageschwäche im europäischen Markt, insbesondere bei klassischen Antriebskomponenten.
Wie viele Jobs sind betroffen?
In Baden-Württemberg sollen 230 Stellen abgebaut werden, das entspricht rund 14 Prozent der regionalen Belegschaft.
Gibt es betriebsbedingte Kündigungen?
Nach Unternehmensangaben sollen diese möglichst vermieden werden. Der Abbau erfolgt über ein Freiwilligenprogramm.
Was bedeutet das für den Standort Pforzheim?
Kurzfristig bedeutet es Einschnitte für Beschäftigte, langfristig setzt das Unternehmen auf Investitionen in neue Technologien.
Welche Rolle spielen Gewerkschaften?
IG Metall und Südwestmetall haben einen Ergänzungstarifvertrag ausgehandelt, um den Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten.
Quellen
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Pressemitteilung der Witzenmann-Gruppe (Ende Januar)
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Badische Neuesten Nachrichten (Berichte zum Stellenabbau)
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Angaben der IG Metall Baden-Württemberg