Gasspeicher: Füllstand sinkt auf 30,5 %

Gasspeicher: Füllstand sinkt auf 30,5 %
Gasspeicher: Füllstand sinkt auf 30,5 % © Presse.Online

Gasspeicher in Deutschland: Niedrige Füllstände: was das für den Winter bedeutet

Die Gasspeicher in Deutschland sind deutlich weniger gefüllt als in den vergangenen Wintern. Das wirft Fragen zur Versorgungssicherheit, zu Preisen und zur Abhängigkeit von Importen auf.

Wie voll sind die Gasspeicher aktuell?

Nach aktuellen Daten liegt der Füllstand der deutschen Gasspeicher bei 30,5 Prozent (Stand: 4. Februar 2026, morgens). Damit sind die Speicher nicht nur deutlich leerer als in den Vorjahren zu diesem Zeitpunkt, sondern auch klar unter dem europäischen Durchschnitt von rund 40,5 Prozent.

Zum Vergleich:

  • 1. Januar 2026: 57,1 Prozent

  • 1. November 2025: 75,0 Prozent

  • 1. Januar 2025: 80,1 Prozent

  • 1. Januar 2024: 91,0 Prozent

Der Rückgang im laufenden Winter verlief damit schneller als in den meisten Jahren zuvor.

Warum sind die Speicher so leer?

Seit Ende 2022 fließt kein russisches Pipeline-Gas mehr nach Deutschland. Das geht aus den Daten der Bundesnetzagentur hervor. Der Wegfall dieser Liefermengen zwingt Deutschland, stärker auf andere Quellen zu setzen.

Hinzu kommt:

  • Der Winter 2025/26 begann mit vergleichsweise hohem Verbrauch.

  • Die Speicher waren zu Beginn der Heizperiode nicht vollständig gefüllt.

  • Gas wird kontinuierlich entnommen, um Nachfrage aus Haushalten und Industrie zu decken.

Wie lange reichen die Gasspeicher im Winter?

Sind die Speicher vollständig gefüllt, können sie rechnerisch zwei bis drei kalte Wintermonate überbrücken. Entscheidend ist jedoch: Die Versorgung Deutschlands basiert nicht allein auf den Speichern.

Laufende Gaszuflüsse kommen unter anderem:

  • über Pipelines aus Norwegen,

  • über LNG-Terminals an Nord- und Ostsee,

  • über Nachbarländer wie Frankreich und Belgien.

Deutschland ist eng in das europäische Gasnetz eingebunden, was kurzfristige Ausgleichsströme ermöglicht.

Perspektiven: Entwarnung mit Einschränkungen

Institutionelle Sicht:
Die Bundesnetzagentur erklärte Anfang Januar 2026, die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, die Gefahr einer angespannten Lage derzeit gering. Begründet wird das mit diversifizierten Importwegen und funktionierenden Marktmechanismen.

Sicht von Verbänden und Marktbeobachtern:
Der Speicherverband Ines weist darauf hin, dass niedrige Speicherstände die Abhängigkeit von laufenden Importen erhöhen. Störungen bei LNG-Anlieferungen oder anhaltend hohe Nachfrage könnten die Lage rasch verändern.

Warum sind auch Füllstände über 100 Prozent möglich?

Speicherstände über 100 Prozent wirken paradox, sind aber technisch erklärbar. Laut Ines geben Betreiber ihre Kapazitäten unter Standardbedingungen an. Wird Gas unter optimalen Bedingungen eingespeichert und kühlt anschließend ab, verringert sich sein Volumen sodass rechnerisch mehr Gas im Speicher liegt als die Nennkapazität vorsieht.

Analyse: Warum das Thema jetzt besonders relevant ist

Der aktuelle Füllstand zeigt, wie stark sich Deutschlands Gasversorgung seit dem Wegfall russischer Lieferungen verändert hat. Speicher sind kein Sicherheitspuffer mehr für den gesamten Winter, sondern Teil eines komplexen Systems aus Importen, Marktpreisen und europäischer Zusammenarbeit.

Für Haushalte bedeutet das vor allem:

  • Die Versorgung gilt als gesichert, bleibt aber wetter- und marktanfällig.

  • Preisrisiken steigen, wenn Importe teurer werden oder knapper ausfallen.

Für Politik und Wirtschaft bleibt die Herausforderung, Speicher rechtzeitig wieder zu füllen und Importinfrastruktur stabil zu halten.

Fazit & Ausblick

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell ungewöhnlich leer, ein akuter Engpass besteht jedoch nicht. Entscheidend für die kommenden Wochen sind Witterung, Importströme und Preisentwicklungen. Der nächste Prüfstein kommt im Frühjahr: Dann beginnt die neue Einspeicherphase für den Winter 2026/27.

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FAQ

Wie hoch ist der aktuelle Gasfüllstand in Deutschland?
Rund 31 Prozent (Stand: 4. Februar 2026).

Reichen die Speicher allein für den Winter?
Nein. Sie decken nur einen Teil des Bedarfs und werden durch laufende Importe ergänzt.

Kommt noch Gas aus Russland nach Deutschland?
Nein. Seit Ende 2022 fließt kein russisches Pipeline-Gas mehr nach Deutschland.

Warum ist der Füllstand niedriger als früher?
Wegen höherer Entnahmen, geringerer Anfangsfüllstände und fehlender russischer Lieferungen.

Müssen Haushalte mit Engpässen rechnen?
Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur derzeit nicht, solange Importe stabil bleiben.

Quellen (ohne Links)

  • Bundesnetzagentur – Lageberichte Gasversorgung

  • Gas Infrastructure Europe (GIE) – Speicherstands-Daten

  • Ines – Informationen zur Funktionsweise von Gasspeichern

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz – Gasmarktberichte

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