Gasspeicher bei 29,2 % wie lange reicht das noch?

Gasspeicher bei 29,2 % wie lange reicht das noch?
Deutschlands Gasspeicher stehen bei 29,2 %. © Presse.Online

Gasspeicher bei 29,2 Prozent wie lange bleibt die Gasversorgung in Deutschland noch stabil?

Die Gasspeicher in Deutschland leeren sich weiter. Noch gilt die Versorgung als stabil doch unterhalb von 20 Prozent wäre sie nicht mehr gesichert.

Aktuelle Lage: Wie kritisch ist der Füllstand von 29,2 Prozent?

Der aktuelle Füllstand der deutschen Erdgasspeicher liegt bei 29,2 Prozent (Stand: 5. Februar 2026, 6.00 Uhr). Damit ist ein sicherheitsrelevanter Bereich erreicht: Der Abstand zur kritischen Marke von 20 Prozent, unterhalb derer die Versorgung nicht mehr als gesichert gilt, ist spürbar geschrumpft.

Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Speicher deutlich leerer. Auch im europäischen Vergleich fällt Deutschland zurück: EU-weit liegt der durchschnittliche Speicherfüllstand derzeit bei rund 39 Prozent. Die Ausgangslage für den restlichen Winter ist damit angespannter als noch vor einem Jahr.

Warum 20 Prozent als kritische Schwelle gelten

Gasspeicher sind technisch nicht dafür ausgelegt, vollständig entleert zu werden. Sinkt der Füllstand unter etwa 20 Prozent, nimmt der Ausspeisedruck ab, die Flexibilität im Netz geht verloren. In dieser Phase kann Gas nicht mehr in ausreichender Menge und Geschwindigkeit bereitgestellt werden selbst wenn rechnerisch noch Reserven vorhanden sind.

Deshalb gilt: Unterhalb von 20 Prozent ist die Versorgung nicht mehr gesichert, insbesondere bei anhaltend kalten Temperaturen oder kurzfristigen Importstörungen.

Einschätzung der Behörden: Noch stabil aber mit Vorbehalt

Die Bundesnetzagentur bewertet die aktuelle Lage weiterhin als stabil. Anfang Januar 2026 erklärte die Behörde, die Gefahr einer akuten Gasmangellage sei derzeit gering. Begründet wird dies mit mehreren Faktoren:

Deutschland bezieht Gas nicht nur aus Speichern, sondern laufend über Pipelines vor allem aus Norwegen sowie über Flüssiggasimporte (LNG). Hinzu kommt die enge Einbindung in das europäische Gasverbundsystem, das zusätzliche Lieferwege über Nachbarländer ermöglicht.

Gleichzeitig macht die Behörde deutlich, dass die Bewertung stark vom weiteren Winterverlauf abhängt. Jeder längere Kälteabschnitt beschleunigt die Entleerung der Speicher.

Wie lange reicht der verbleibende Puffer noch?

Bei einem Füllstand von knapp 30 Prozent bleibt nur noch ein begrenzter Spielraum. Erfahrungsgemäß können volle Speicher zwei bis drei kalte Wintermonate überbrücken. In der aktuellen Situation bedeutet das: Der verbleibende Puffer reicht nicht mehr für einen langen, strengen Winter, sondern nur in Kombination mit stabilen Importen.

Sollten Liefermengen aus dem Ausland sinken oder der Verbrauch wetterbedingt stark steigen, könnte die 20-Prozent-Marke schneller erreicht werden als geplant.

Warum Gasimporte weiterhin entscheidend sind

Seit dem vollständigen Stopp russischer Gaslieferungen Ende 2022 fließt kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland. Die Versorgung stützt sich seither auf andere Quellen: Pipelinegas, LNG-Terminals an Nord- und Ostsee sowie Importe aus dem europäischen Netz.

Der Speicherverband INES weist regelmäßig darauf hin, dass Speicher allein keine Vollversorgung leisten können. Sie dienen vor allem dazu, Verbrauchsspitzen abzufedern nicht, um dauerhaft fehlende Lieferungen zu ersetzen.

Gasverbrauch: Der strukturelle Druck bleibt hoch

Deutschland hat im Jahr 2025 rund 864 Terawattstunden (TWh) Erdgas verbraucht – 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 56 Prozent der Wohnungen werden weiterhin mit Gas beheizt. Der höchste Verbrauch fällt traditionell auf Januar und Februar genau jene Phase, in der die Speicher jetzt besonders schnell sinken.

Für Industrie und Energiepolitik bleibt damit klar: Sinkende Speicherstände sind kein rein technisches Problem, sondern haben direkte wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz.

Einordnung: Warum die Frage nach der Stabilität jetzt zentral ist

Mit 29,2 Prozent ist die formale Versorgungssicherheit noch gegeben. Doch der Abstand zur kritischen Schwelle ist klein. Die Lage ist stabil aber nicht komfortabel.

Für Haushalte bedeutet das aktuell keine akute Einschränkung. Für Politik und Netzbetreiber jedoch steigt der Handlungsdruck, um Importe abzusichern und den Verbrauch zu steuern. Entscheidend wird sein, ob der Winter mild bleibt oder ob zusätzliche Kältephasen den Verbrauch weiter erhöhen.

Fazit & Ausblick

Die Gasversorgung in Deutschland ist Anfang Februar 2026 noch stabil. Doch bei einem Speicherfüllstand von 29,2 Prozent ist der Sicherheitsabstand zur kritischen 20-Prozent-Marke gering. Der weitere Verlauf des Winters entscheidet darüber, wie lange diese Stabilität anhält. Beobachtet werden sollten vor allem Wetterlage, Importmengen und die tägliche Speicherentwicklung.

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FAQ

Ab welchem Füllstand gilt die Gasversorgung als nicht mehr gesichert?
Unterhalb von etwa 20 Prozent Speicherfüllstand gilt die Versorgung technisch und systemisch als nicht mehr gesichert.

Warum sind 29,2 Prozent bereits kritisch?
Weil der Abstand zur 20-Prozent-Schwelle klein ist und bei Kälteperioden schnell schrumpfen kann.

Reicht das Gas noch für den restlichen Winter?
Nach aktueller Einschätzung ja allerdings nur bei stabilen Importen und ohne längere extreme Kälte.

Warum können Speicher nicht vollständig geleert werden?
Bei sehr niedrigen Füllständen sinkt der Druck, sodass Gas nicht mehr zuverlässig ausgespeist werden kann.

Was entscheidet über die weitere Entwicklung?
Wetter, Verbrauch und die Stabilität der Gasimporte aus dem Ausland.

Quellen & Fact-Checking

  • Bundesnetzagentur: Lageeinschätzungen zur Gasversorgung

  • Initiative Energien Speichern (INES): Technische Einordnung von Speicherfüllständen

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Gasverbrauchsdaten

  • Europäische Gasinfrastrukturberichte

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