Sanierung verteuert sich: Steigenberger insolvent

Sanierung verteuert sich: Steigenberger insolvent
Luxushotel Bad Pyrmont vorerst geschlossen © Presse.Online

Mehrkosten treiben Grand Hotel Bad Pyrmont in Insolvenz

Die Betreibergesellschaft des Steigenberger Grand Hotel Bad Pyrmont hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das betrifft die Zukunft eines traditionsreichen Luxushotels und hat unmittelbare Folgen für Beschäftigte, Tourismus und öffentliche Finanzen.

Fakten & Kontext

Am 6. Februar 2026 stellte die Betreibergesellschaft beim Amtsgericht Hameln einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Ziel des Verfahrens ist eine Sanierung und die Wiederaufnahme des Hotelbetriebs nach Abschluss der laufenden Modernisierungsarbeiten. Der Betrieb ruht bereits seit Januar 2026, da zentrale öffentliche Bereiche des Hauses noch im Rohbau sind.

Auslöser der finanziellen Schieflage sind erhebliche Mehrkosten bei der seit Anfang 2024 laufenden Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Nach Angaben des Unternehmens und übereinstimmenden Berichten, unter anderem von „Hotelvor9“, belaufen sich die ungeplanten Zusatzkosten auf rund 6,5 Millionen Euro. Vor allem Anforderungen an Brand- und Schallschutz erwiesen sich als deutlich komplexer und teurer als ursprünglich kalkuliert.

Die Immobilie befindet sich im Eigentum des Land Niedersachsen, das die Sanierung bereits mit rund 25 Millionen Euro unterstützt hat. Gespräche über eine weitere Beteiligung der öffentlichen Hand blieben bislang ohne Ergebnis. Das 1898 eröffnete Haus verfügt über etwa 150 Zimmer, zwei Restaurants sowie einen Spa- und Wellnessbereich. Zuletzt war eine Wiedereröffnung für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant – dieser Zeitplan gilt angesichts der offenen Finanzierungsfragen nun als unsicher.

Perspektiven

Unternehmens- und Verfahrenssicht:
Im Eigenverwaltungsverfahren bleibt Geschäftsführer Oliver Massabni im Amt. Unterstützt wird er von der Generalhandlungsbevollmächtigten Zekira Fuest von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Zur vorläufigen Sachwalterin bestellte das Gericht die Rechtsanwältin Karina Schwarz aus Hannover. Ziel sei es, gemeinsam mit dem Land Niedersachsen und dem Staatsbad Pyrmont eine tragfähige Lösung für den Standort zu entwickeln und die Interessen der Gläubiger zu wahren.

Beschäftigten- und Standortperspektive:
Die 62 Mitarbeitenden des Hotels befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Ihre Gehälter sollen im vorläufigen Verfahren über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert werden. Für den Kur- und Tourismusstandort Bad Pyrmont bedeutet der Stillstand des Grand Hotels einen spürbaren Einschnitt, da das Haus als Aushängeschild für den gehobenen Gästesektor gilt.

Analyse & Einordnung

Der Fall ist über den Einzelfall hinaus relevant. Er zeigt, wie anfällig großvolumige Sanierungsprojekte im Bestand insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden für Kostenexplosionen sind. Steigende Baupreise, verschärfte Sicherheitsauflagen und Planungsrisiken treffen hier auf begrenzte wirtschaftliche Reserven der Betreiber.

Für die öffentliche Hand stellt sich erneut die Frage nach der Grenze staatlicher Unterstützung: Während Niedersachsen bereits einen erheblichen zweistelligen Millionenbetrag investiert hat, sind weitere Mittel politisch und haushalterisch umstritten. Zugleich hängt an dem Projekt nicht nur ein Hotelbetrieb, sondern ein ganzer touristischer Mikrokosmos aus Zulieferern, Gastronomie und regionaler Wertschöpfung.

Fazit & Ausblick

Kurzfristig entscheidet der Verlauf des Eigenverwaltungsverfahrens darüber, ob die Sanierung gesichert fortgesetzt werden kann. Maßgeblich wird sein, ob eine Finanzierungslösung gefunden wird, die zusätzliche Kosten abdeckt. Beobachter sollten insbesondere die Gespräche zwischen Betreiber, Land Niedersachsen und Staatsbad Pyrmont im Blick behalten.

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FAQ

Warum ist das Steigenberger Grand Hotel Bad Pyrmont insolvent?
Hauptgrund sind ungeplante Mehrkosten von rund 6,5 Millionen Euro bei der Sanierung, insbesondere für Brand- und Schallschutz.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Das Unternehmen bleibt handlungsfähig, die Geschäftsführung führt den Betrieb unter Aufsicht eines Sachwalters fort, um eine Sanierung zu ermöglichen.

Ist der Hotelbetrieb aktuell geöffnet?
Nein. Das Hotel ist seit Januar 2026 geschlossen, da zentrale Bereiche noch im Rohbau sind.

Sind die Arbeitsplätze der Beschäftigten gesichert?
Derzeit sind 62 Mitarbeitende in Kurzarbeit. Die Löhne sollen über Insolvenzgeld vorfinanziert werden.

Wann könnte das Hotel wieder eröffnen?
Eine Wiedereröffnung war für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Ob dieser Termin gehalten werden kann, ist derzeit offen.

Quellen & Fact-Checking

  • Amtsgericht Hameln (Insolvenzantrag, Eigenverwaltung)

  • Angaben der Betreibergesellschaft Steigenberger Grand Hotel Bad Pyrmont

  • Land Niedersachsen (Sanierungsförderung)

  • Branchenmedium „Hotelvor9“

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