HBK-Insolvenz trifft 120 Beschäftigte

HBK-Insolvenz trifft 120 Beschäftigte
nsolvenz bei HBK, Druck auf Ostdeutschlands Lebensmittelbetriebe wächst © Presse.Online

Traditionsbäckerei HBK meldet Insolvenz: Signal für den Mittelstand

Die Traditionsbäckerei HBK aus Halberstadt ist insolvent. Das betrifft mehr als 120 Beschäftigte und steht exemplarisch für den Druck, unter dem energieintensive Lebensmittelbetriebe in Ostdeutschland stehen.

Was ist passiert? Die Insolvenz bei HBK

Die Halberstädter Bäcker und Konditoren GmbH (HBK) hat beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Nach Angaben des Unternehmens sind über 120 Beschäftigte betroffen, zudem betreibt HBK mehr als 22 Filialen in der Region.

Der Betrieb wurde 1963 in der DDR gegründet und entwickelte sich nach der Wiedervereinigung zu einer regionalen Erfolgsgeschichte. Produkte wie der Halberstädter Domstollen gehören bis heute zum festen Sortiment.

Als Hauptursachen für die wirtschaftliche Schieflage nennt das Unternehmen stark gestiegene Strom- und Energiekosten. Backbetriebe gelten als besonders energieintensiv, da Öfen, Kühlanlagen und Produktionslinien dauerhaft betrieben werden müssen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Immer weniger Nachwuchskräfte sind bereit, in den frühen Morgenstunden oder im Schichtsystem zu arbeiten.

Die Geschäftsführung sucht nach Investoren, um den Betrieb fortzuführen.

Warum ist das relevant? Energiepreise und Fachkräftemangel im Handwerk

Die Entwicklung bei HBK ist kein Einzelfall. Laut dem Statistischen Bundesamt verzeichneten energieintensive Branchen seit 2022 deutliche Kostensteigerungen. Auch das Bäckerhandwerk meldet seit Jahren wirtschaftliche Belastungen durch Energiepreise und Personalknappheit.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hatte wiederholt auf steigende Betriebskosten hingewiesen. Nach Branchenangaben mussten bundesweit zahlreiche kleinere Betriebe schließen oder ihr Filialnetz verkleinern.

HBK steht damit stellvertretend für einen strukturellen Wandel: Traditionelle Handwerksbetriebe geraten unter Kostendruck, während industrielle Anbieter oft effizienter produzieren können.

Perspektiven: Zwischen regionaler Identität und wirtschaftlicher Realität

Sicht der Branche:
Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks betonte in früheren Stellungnahmen, steigende Energie- und Rohstoffpreise hätten die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe „massiv verschärft“. Besonders mittelständische Unternehmen seien betroffen.

Regionale Perspektive:
Für Halberstadt ist HBK nicht nur Arbeitgeber, sondern Teil der lokalen Identität. Die Region Sachsen-Anhalt ist bekannt für traditionsreiche Lebensmittelprodukte: Neben dem Domstollen zählen die Halberstädter Würstchen der Halberstädter Konserven GmbH, die Halloren Kugeln aus Halle und der Salzwedeler Baumkuchen zu bekannten Marken.

Ein Beispiel aus unmittelbarer Nachbarschaft zeigt jedoch, dass ein Neuanfang möglich ist: Die Halberstädter Konserven GmbH konnte nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch eine Kooperation mit dem Münchner Feinkosthändler Käfer neue Perspektiven gewinnen.

Analyse: Warum die HBK-Insolvenz jetzt besonders bedeutsam ist

Die Insolvenz fällt in eine Phase, in der sich viele energieintensive Mittelständler neu positionieren müssen. Zwar haben sich die extremen Energiepreisspitzen aus dem Jahr 2022 teilweise stabilisiert, doch das Preisniveau bleibt im historischen Vergleich hoch.

Zugleich verschärft sich der Fachkräftemangel im Lebensmittelhandwerk. Laut Bundesagentur für Arbeit zählen Bäckerinnen und Bäcker zu den Engpassberufen.

Für Bürger bedeutet dies langfristig möglicherweise weniger regionale Anbieter und steigende Preise. Für die Politik stellt sich die Frage, wie energieintensive Handwerksbetriebe gezielt entlastet oder strukturell gestärkt werden können.

Die Suche von HBK nach Investoren deutet darauf hin, dass eine Fortführung nicht ausgeschlossen ist. Entscheidend wird sein, ob ein tragfähiges Geschäftsmodell unter den aktuellen Rahmenbedingungen gefunden wird.

Fazit und Ausblick

HBK Halberstadt ist insolvent doch das Verfahren eröffnet auch die Chance zur Neuaufstellung. Für die Region geht es um mehr als ein Unternehmen: Es geht um Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und traditionsreiche Lebensmittelproduktion.

In den kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob Investoren einsteigen und wie das Insolvenzverfahren strukturiert wird. Beobachtet werden sollte zudem, ob weitere energieintensive Betriebe ähnliche Schritte gehen müssen.

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FAQ

Was bedeutet die Insolvenz für die Beschäftigten von HBK?
Im Insolvenzverfahren wird zunächst geprüft, ob der Betrieb fortgeführt werden kann. Löhne sind über das Insolvenzgeld für einen begrenzten Zeitraum abgesichert.

Sind alle Filialen von HBK betroffen?
Nach bisherigen Angaben betreibt HBK mehr als 22 Filialen. Ob und welche Standorte geschlossen werden, hängt vom weiteren Verlauf des Verfahrens ab.

Warum sind Bäckereien besonders von Energiekosten betroffen?
Backöfen, Kühlanlagen und Produktionsprozesse benötigen dauerhaft hohe Energiemengen. Steigende Strom- und Gaspreise wirken sich daher direkt auf die Kostenstruktur aus.

Gibt es Hoffnung auf eine Rettung?
Das Unternehmen sucht nach Investoren. Beispiele aus der Region zeigen, dass Kooperationen oder neue Eigentümer wirtschaftliche Stabilisierung ermöglichen können.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt: Energiepreisentwicklung und Produzentenpreise

  • Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse

  • Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks: Branchenstatements

  • Unternehmensangaben HBK Halberstadt

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