ZDF-Fehler erschüttert Vertrauen
ZDF-Fehler im „heute journal“: Dunja Hayali im Zentrum der Kritik und was das für die Glaubwürdigkeit bedeutet
Im „heute journal“ wurden nicht gekennzeichnete KI-Bilder ausgestrahlt. Das betrifft die Glaubwürdigkeit des ZDF und entfacht eine Debatte über Verantwortung, Transparenz und die Rolle von Moderatorinnen wie Dunja Hayali.
Was ist passiert?
Am 15. Februar 2026 sendete das ZDF im „heute journal“ einen Beitrag über Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE in New York. Nach Angaben des Senders wurden darin zwei problematische Sequenzen verwendet:
-
Eine Szene zeigte eine Festnahme aus Florida aus dem Jahr 2022 ohne klaren Kontextbezug.
-
Eine weitere Sequenz war KI-generiert und nicht als solche gekennzeichnet.
Das ZDF räumte „handwerkliche Fehler“ ein, löschte den Beitrag auf allen Plattformen und kündigte interne Prüfungen an. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten erklärte laut Senderangaben, der entstandene Schaden für die Glaubwürdigkeit sei „groß“.
Inzwischen wurde die New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Maßnahme begründete das ZDF mit Verstößen gegen interne Richtlinien zur Prüfung und Kennzeichnung von Bildmaterial.
Moderatorin Dunja Hayali hatte den Beitrag im Studio anmoderiert. In sozialen Netzwerken wird seither auch ihr Verantwortung zugeschrieben. Hayali erklärte auf Instagram, sie schreibe ihre Anmoderationen selbst, sei jedoch nicht für Recherche, Bildauswahl oder redaktionelle Abnahme zuständig.
Relevanz: KI, Vertrauen und öffentliche Finanzierung
Der Fall berührt mehr als einen einzelnen Beitrag. Öffentlich-rechtliche Sender finanzieren sich in Deutschland über den Rundfunkbeitrag. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Transparenz und Sorgfalt.
Gerade beim Einsatz generativer KI gelten besondere Anforderungen:
Werden künstlich erzeugte Bilder ohne Kennzeichnung gesendet, entsteht beim Publikum der Eindruck authentischer Aufnahmen. Das kann Vertrauen nachhaltig beschädigen.
Der Deutsche Pressekodex fordert in Ziffer 2 und 3 eine sorgfältige Recherche und transparente Berichterstattung. Auch öffentlich-rechtliche Anstalten verweisen in ihren Leitlinien ausdrücklich auf Kennzeichnungspflichten bei KI-Inhalten.
Perspektive 1: Institutionelle Verantwortung
Das ZDF differenziert klar zwischen redaktioneller Verantwortung und Moderation. Recherche, Bildauswahl und technische Prüfung liegen laut Sender bei Autorinnen, Redaktion und Schlussredaktion nicht bei der moderierenden Person im Studio.
In der offiziellen Stellungnahme wird keine persönliche Fehlleistung Hayalis benannt. Verantwortung folgt hier der Zuständigkeit nicht der Sichtbarkeit.
Perspektive 2: Öffentliche Wahrnehmung
In der Wahrnehmung vieler Zuschauer steht jedoch das Gesicht der Sendung symbolisch für das gesamte Produkt. Moderatorinnen und Moderatoren verkörpern journalistische Autorität. Entsprechend richtet sich Kritik häufig zuerst an sie.
Medienethiker verweisen regelmäßig darauf, dass Vertrauen personalisiert wird: Wer im Studio spricht, wird als Garant der inhaltlichen Richtigkeit wahrgenommen unabhängig von internen Zuständigkeiten.
Diese Diskrepanz zwischen organisatorischer Verantwortung und öffentlicher Zuschreibung erklärt die aktuelle Debatte.
Analyse: Warum der Fall jetzt besonders relevant ist
Der Vorfall fällt in eine Phase wachsender Sensibilität gegenüber KI im Journalismus. Redaktionen experimentieren mit Visualisierungen und digitalen Rekonstruktionen. Gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber manipulativem Bildmaterial.
Realistische Folgen sind:
-
Verschärfte Prüfprozesse in Redaktionen
-
Klare und sichtbare Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte
-
Interne Schulungen zu digitalen Verifikationsmethoden
-
Intensivere öffentliche Debatten über Medienethik
Für Bürger bedeutet das: Die Frage nach der Verlässlichkeit von Bildern wird künftig stärker im Fokus stehen. Für Politik und Medienaufsicht kann der Fall Anlass sein, Transparenzregeln zu konkretisieren.
Fazit
Der ZDF-Fehler im „heute journal“ ist kein isolierter Ausrutscher, sondern ein Lehrstück über Verantwortung im digitalen Zeitalter. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Maßnahmen die Kontrollmechanismen dauerhaft stärken.
Zu beobachten bleibt, wie andere Medienhäuser ihre KI-Richtlinien anpassen und ob das Vertrauen des Publikums zurückgewonnen werden kann.
🔔 Folge @Presse.Online für fundierte Analysen, klare Einordnung und die Themen, über die Deutschland morgen spricht.
FAQ
Warum wurde die Korrespondentin abberufen?
Laut ZDF wegen Verstößen gegen interne Prüf- und Kennzeichnungsrichtlinien bei Bildmaterial.
Ist Dunja Hayali redaktionell verantwortlich?
Nach Angaben des ZDF liegt die inhaltliche und technische Abnahme bei Redaktion und Schlussredaktion.
Warum ist die KI-Kennzeichnung so wichtig?
Ungekennzeichnete KI-Bilder können als authentisches Material wahrgenommen werden und Vertrauen beschädigen.
Welche Regeln gelten für KI im Journalismus?
Redaktionen haben interne Leitlinien; der Pressekodex fordert Transparenz und sorgfältige Prüfung.
Wird es weitere Konsequenzen geben?
Das ZDF arbeitet laut eigener Aussage an einem Maßnahmenkatalog. Weitere Schritte sind derzeit nicht bekannt.
Quellen
-
ZDF, offizielle Stellungnahme zum „heute journal“-Beitrag vom 15. Februar 2026
-
Deutscher Presserat, Pressekodex (Ziffern 1–3, 7, 12)
-
ZDF-Redaktionsleitlinien zur Nutzung von KI-Material