Gasspeicher bei 20,4 %: Was jetzt zählt
Aktueller Füllstand der Gasspeicher in Deutschland und seine Bedeutung
Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell nur noch zu 20,4 Prozent gefüllt (Stand: 23.02.2026, 06:27 Uhr). Das betrifft Haushalte, Industrie und Energiepolitik gleichermaßen und hat unmittelbare Relevanz für die verbleibende Heizperiode.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist der Speicherstand damit um 0,12 Prozentpunkte gegenüber dem Vortag gesunken. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland unter dem Durchschnitt von 30,88 Prozent.
Entwicklung der Speicherstände im Überblick
Der Rückgang erfolgt vor dem Hintergrund eines insgesamt niedrigeren Ausgangsniveaus als in den Vorjahren. Zum Vergleich:
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01.02.2026: 32,44 %
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01.01.2026: 57,07 %
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01.11.2025: 75,00 %
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01.09.2025: 70,65 %
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01.01.2025: 80,11 %
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01.12.2024: 91,24 %
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06.11.2023: 100,03 %
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15.11.2022: 100,00 %
Die Daten zeigen: Während Deutschland in den Wintern 2022/23 und 2023/24 mit sehr hohen Reserven startete, liegt das Niveau im Winter 2025/26 deutlich darunter.
Laut der europäischen Speicherplattform Gas Infrastructure Europe (GIE) bewegen sich auch andere EU-Staaten auf niedrigeren Werten als in den Krisenjahren allerdings bleibt der EU-Durchschnitt klar über dem deutschen Stand.
Warum die Gasspeicher weniger gefüllt sind
Seit dem vollständigen Lieferstopp russischen Pipelinegases im August 2022 fließt kein Erdgas mehr aus Russland nach Deutschland. 2021 hatte Russland noch rund 52 Prozent der deutschen Gasimporte geliefert.
Heute basiert die Versorgung auf mehreren Säulen:
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Pipelinegas aus Norwegen
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LNG-Importe über Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran
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Gastransite über Frankreich und Belgien
Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist Deutschland „eng in das europäische Gasverbundsystem integriert“, was flexible Transporte ermöglicht.
Im Jahr 2025 wurden laut offiziellen Zahlen rund 106 TWh Erdgas über deutsche LNG-Terminals importiert etwa 10,3 Prozent der gesamten Gasimporte. Rund 96 Prozent dieser LNG-Mengen stammen aus den USA.
Wie hoch ist der Gasverbrauch in Deutschland?
Deutschland verbrauchte 2025 insgesamt 864 TWh Gas. Das entspricht einem Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Rund 40 % entfallen auf Haushalte und Gewerbe
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Etwa 60 % auf Industriekunden
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56 % der Wohnungen werden weiterhin mit Gas beheizt
Der höchste Verbrauch fällt traditionell in die Monate Dezember und Januar, der niedrigste in Juli und August.
Perspektiven: Behörden und Energieexperten
Bundesnetzagentur:
Anfang Januar 2026 erklärte die Behörde, die Gasversorgung sei stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet. Die Gefahr einer angespannten Lage werde aktuell als gering eingeschätzt.
Politische Bewertung:
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte bereits im März 2024 erklärt, die Energiekrise sei „abgearbeitet“ und die Versorgung „in jeder Hinsicht sicher“.
Energiespeicher-Betreiber:
Die Initiative Energien Speichern e. V. (INES), die rund 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten repräsentiert, weist regelmäßig darauf hin, dass Speicherstände saisonal schwanken und insbesondere im Winter planmäßig sinken.
Analyse: Warum 20,4 Prozent jetzt relevant sind
Ein niedriger Speicherstand bedeutet nicht automatisch eine Versorgungslücke. Entscheidend sind drei Faktoren:
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Importkapazitäten über Pipelines und LNG-Terminals
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Witterungsverlauf im verbleibenden Winter
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Marktpreise und internationale Nachfrage
Da Deutschland nicht mehr auf russisches Pipelinegas zurückgreifen kann, hängt die Stabilität stärker von globalen LNG-Märkten ab. Engpässe oder Preisspitzen auf dem Weltmarkt könnten sich schneller auf europäische Preise auswirken.
Für Haushalte bedeutet das: Kurzfristig besteht laut Behörden keine akute Mangellage. Mittelfristig bleiben jedoch Preisentwicklungen und die Wiederbefüllung der Speicher im Frühjahr ein entscheidender Faktor für die Heizperiode 2026/27.
Für die Industrie bleibt Versorgungssicherheit ein Wettbewerbsfaktor insbesondere bei energieintensiven Produktionsprozessen.
Fazit und Ausblick
Der aktuelle Füllstand der Gasspeicher in Deutschland von 20,4 Prozent liegt unter dem Niveau der Vorjahre, aber innerhalb der saisonalen Erwartung. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist die Versorgung stabil.
Entscheidend wird nun sein, wie sich Wetter, Verbrauch und internationale Gasflüsse entwickeln und wie schnell die Speicher im Frühjahr wieder aufgefüllt werden können.
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FAQ: Gasspeicher in Deutschland
Wie voll sind die Gasspeicher in Deutschland aktuell?
Der aktuelle Füllstand liegt bei 20,4 Prozent (Stand: 23.02.2026, 06:27 Uhr).
Besteht aktuell eine Gasmangellage?
Nein. Laut Bundesnetzagentur ist die Versorgungssicherheit gewährleistet.
Woher kommt das Gas nach dem Russland-Stopp?
Vor allem aus Norwegen sowie als LNG über deutsche Terminals, überwiegend aus den USA.
Wie viel Gas verbraucht Deutschland pro Jahr?
2025 lag der Verbrauch bei 864 TWh.
Warum sinken die Speicherstände im Winter?
Im Winter wird mehr Gas verbraucht als eingespeichert. Die Speicher dienen dazu, saisonale Schwankungen auszugleichen.
Quellen
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Bundesnetzagentur – Aktuelle Lage Gasversorgung
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Gas Infrastructure Europe (GIE) Speicherfüllstände
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Initiative Energien Speichern e. V. (INES)
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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Gasverbrauchsdaten