Verdi-Streik: Nahverkehr steht still

Verdi-Streik: Nahverkehr steht still
Am Freitag stehen in vielen Städten Busse und Bahnen still © Presse.Online

Verdi-Streik im Nahverkehr warum Busse und Bahnen stillstehen und was das für Pendler bedeutet

Zwischen Freitag und teils Sonntag streikt der Nahverkehr in großen Teilen Deutschlands. Verdi hat bundesweit zu Warnstreiks aufgerufen. Millionen Pendler, Schüler und Ausflügler müssen umplanen. Worum es im Tarifkonflikt geht und welche Folgen drohen.

Warnstreik im Nahverkehr trifft Millionen und verschärft Tarifkonflikt

Der bundesweite Warnstreik im Nahverkehr hat begonnen. Er betrifft Millionen Fahrgäste und verschärft den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Zwischen Freitagmorgen und je nach Region bis in die Nacht zu Samstag oder Sonntag stehen in vielen Städten Busse, Straßen- und U-Bahnen still. Verdi hat Beschäftigte kommunaler Verkehrsbetriebe bundesweit zum Arbeitskampf aufgerufen.

Wer streikt und wer fährt weiterhin?

Vom Warnstreik betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft rund 100.000 Beschäftigte in Nahverkehrsunternehmen. Dazu zählen kommunale Betreiber von Bussen, Trams und U-Bahnen.

Nicht betroffen ist die Deutsche Bahn. Regionalzüge, Fernverkehr und in der Regel auch S-Bahnen sollen planmäßig fahren. In Niedersachsen gilt laut Verdi noch bis Ende März eine Friedenspflicht. In Baden-Württemberg sowie bei einzelnen Verkehrsbetrieben in Hamburg-Holstein standen Entscheidungen zuletzt noch aus.

In Hamburg soll der gesamte Nahverkehr von Freitagfrüh bis Sonntagfrüh bestreikt werden. Bereits Anfang Februar hatte ein bundesweiter Warnstreik weite Teile des ÖPNV nahezu vollständig zum Erliegen gebracht.

Welche Auswirkungen sind realistisch?

Erfahrungen aus dem Streik Anfang Februar zeigen: Wo Busse und Bahnen ausfallen, weichen viele Pendler auf das Auto aus. Der ADAC verzeichnete damals bundesweit einen leichten Anstieg bei Länge und Dauer der Staus. Der Fahrdienstvermittler Freenow meldete eine erhöhte Taxinachfrage in den Morgenstunden.

Auch diesmal ist mit vollen Straßen, längeren Fahrzeiten und punktuell überlasteten Ersatzverbindungen zu rechnen. Manche Städte kündigten Notfahrpläne an allerdings mit deutlich eingeschränktem Angebot.

Für Arbeitnehmer und Schüler bedeutet das vor allem organisatorischen Mehraufwand. Arbeitgeberverbände empfehlen flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice, sofern möglich.

Worum geht es im Tarifkonflikt?

Die Tarifverhandlungen werden in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt. Verdi fordert vor allem strukturelle Verbesserungen:

  • Kürzere Wochenarbeitszeiten

  • Entlastung bei Schicht- und Nachtarbeit

  • Längere Ruhezeiten

  • Höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit

In mehreren Bundesländern darunter Bayern, Brandenburg, Saarland, Thüringen sowie bei der Hamburger Hochbahn werden zusätzlich höhere Löhne und Gehälter verhandelt.

Verdi begründet die Forderungen mit hoher Arbeitsbelastung und Personalmangel. Arbeitgebervertreter wiederum verweisen auf finanzielle Belastungen der Kommunen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kritisierte öffentlich, dass bislang keine Priorisierung der Gewerkschaftsforderungen erkennbar sei.

Beide Seiten sprechen von stockenden Verhandlungen.

Einordnung: Warum der Konflikt jetzt besonders relevant ist

Der Tarifstreit fällt in eine Phase, in der Bund und Länder den Ausbau des ÖPNV als zentralen Baustein der Verkehrswende definieren. Gleichzeitig klagen viele Betriebe über Fachkräftemangel und hohe Krankenstände.

Der Konflikt berührt daher mehr als nur kurzfristige Pendlerfragen. Er betrifft die Leistungsfähigkeit kommunaler Infrastruktur, kommunale Haushalte und die politische Glaubwürdigkeit beim Klimaschutz.

Bleiben strukturelle Probleme ungelöst, drohen laut Gewerkschaft weitere Arbeitsniederlegungen. Arbeitgeber warnen dagegen vor steigenden Ticketpreisen oder erhöhtem Finanzierungsdruck für Kommunen.

Für Bürger bedeutet das kurzfristig vor allem Unsicherheit bei der Mobilitätsplanung mittelfristig stellt sich die Frage, wie attraktiv und zuverlässig der ÖPNV künftig bleibt.

Fazit und Ausblick

Der Warnstreik im Nahverkehr ist ein Signal im laufenden Tarifkonflikt. Für Millionen Fahrgäste bedeutet er vorübergehende Einschränkungen, für Politik und Kommunen erhöhten Handlungsdruck.

Entscheidend wird sein, ob sich Gewerkschaft und Arbeitgeber in den kommenden Verhandlungsrunden annähern. Andernfalls könnten weitere Streiks folgen.

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FAQ zum Verdi-Streik im Nahverkehr

Wie lange dauert der Warnstreik?
Er beginnt am Freitag in den frühen Morgenstunden und endet je nach Region in der Nacht zu Samstag oder Sonntag.

Sind Züge der Deutschen Bahn betroffen?
Nein. Regionalzüge, Fernverkehr und S-Bahnen der Deutschen Bahn sollen regulär fahren.

Was kann ich tun, wenn mein Bus ausfällt?
Prüfen Sie regionale Notfahrpläne, weichen Sie auf Bahnverbindungen aus oder klären Sie flexible Arbeitszeiten mit Ihrem Arbeitgeber.

Warum streikt Verdi?
Die Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen, Entlastung bei Schichtarbeit und in einigen Regionen höhere Löhne.

Könnte es weitere Streiks geben?
Sollten die Tarifverhandlungen weiter stocken, sind weitere Warnstreiks nicht ausgeschlossen.

Quellen

  • Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), offizielle Mitteilungen zur Tarifrunde ÖPNV

  • ADAC, Verkehrslage-Auswertung zum Warnstreik Anfang Februar

  • Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Stellungnahme zu Tarifverhandlungen

  • Nachrichtenagentur dpa, Berichte zur bundesweiten Streikankündigung

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