Merz in China: Wirtschaft unter Druck
30 Wirtschaftsbosse mit Kanzler in China: Warum die Reise für Deutschlands Exportmodell entscheidend ist
Bundeskanzler Friedrich Merz ist mit rund 30 Spitzenmanagern nach China gereist. Das betrifft zentrale Branchen der deutschen Wirtschaft und hat unmittelbare Folgen für Arbeitsplätze, Wettbewerbsfähigkeit und die künftige Ausrichtung der Handelspolitik.
Was ist passiert?
Friedrich Merz ist zu seinem ersten offiziellen Besuch als Bundeskanzler in der Volksrepublik China eingetroffen. In Peking trifft er Staats- und Parteichef Xi Jinping, anschließend reist er weiter nach Hangzhou, einem Zentrum chinesischer Technologie- und KI-Entwicklung.
Begleitet wird Merz von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. Zu den Teilnehmern zählen unter anderem:
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Bill Anderson, Vorstandsvorsitzender von Bayer
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Oliver Blume, CEO von Volkswagen
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Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz Group
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Oliver Zipse, CEO von BMW
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Bjørn Gulden, CEO von Adidas
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Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums hängen mehr als eine Million Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom Export nach China ab. China ist seit Jahren einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, 2023 lag das bilaterale Handelsvolumen laut Statistischem Bundesamt bei über 250 Milliarden Euro.
Warum ist die Reise jetzt besonders relevant?
Die Reise fällt in eine Phase wachsender Spannungen im Welthandel. Die Europäische Union prüft Schutzmaßnahmen gegen staatlich subventionierte chinesische Produkte, insbesondere im Bereich Elektromobilität. Gleichzeitig führen US-Zölle auf chinesische Waren zu Umlenkungseffekten in Richtung Europa.
Für deutsche Unternehmen entsteht damit ein doppelter Druck:
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Marktzugang in China sichern
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Wettbewerbsverzerrungen in Europa begrenzen
Gerade die Automobilindustrie ist stark exponiert. Für BMW etwa entfallen laut Unternehmensangaben rund 29 Prozent des weltweiten Absatzes auf China. Auch Volkswagen und Mercedes-Benz betreiben dort große Produktionsstandorte mit zehntausenden Beschäftigten.
Welche Ziele verfolgen Politik und Wirtschaft?
Perspektive der Bundesregierung
Merz betonte bei seiner Ankunft, es gehe darum, „wirtschaftliche Beziehungen zu stabilisieren“ und faire Wettbewerbsbedingungen einzufordern. Geplant sind laut Kanzleramt weitere Regierungskonsultationen im Jahresverlauf, bei denen mehrere Fachminister nach China reisen sollen.
Die Bundesregierung verfolgt damit einen Kurs der „De-Risking“-Strategie, wie sie auch von der EU-Kommission formuliert wurde: Abhängigkeiten reduzieren, ohne die wirtschaftlichen Beziehungen vollständig zu kappen.
Perspektive der Unternehmen
Für die Unternehmensvertreter stehen konkrete Anliegen im Mittelpunkt:
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Bayer dürfte auf schnellere regulatorische Verfahren und stärkeren Patentschutz drängen.
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Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz sehen sich wachsender Konkurrenz chinesischer E-Auto-Hersteller ausgesetzt.
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Adidas hat China nach schwierigen Jahren wieder als Wachstumsmarkt definiert.
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Siemens setzt auf Kooperation im Hochtechnologie- und KI-Bereich.
Roland Busch erklärte mehrfach öffentlich, internationale Kooperation bleibe essenziell für Innovationsfähigkeit, zugleich brauche es „faire Wettbewerbsbedingungen“.
Analyse: Was bedeutet das für Deutschland?
Die Reise steht exemplarisch für ein strukturelles Dilemma der deutschen Wirtschaft: China ist Absatzmarkt, Produktionsstandort und strategischer Wettbewerber zugleich.
Kurzfristig geht es um:
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Sicherung von Absatzmärkten
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Investitionsschutz
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Technologischen Austausch, insbesondere bei Künstlicher Intelligenz
Mittelfristig betrifft die Entwicklung auch Verbraucher und Beschäftigte in Deutschland. Rückläufige Exporte würden sich unmittelbar auf Industriearbeitsplätze auswirken. Gleichzeitig beeinflusst chinesischer Wettbewerbsdruck Preise, Lieferketten und Investitionsentscheidungen in Europa.
Die politische Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Interessen mit sicherheits- und industriepolitischen Erwägungen auszubalancieren.
Fazit und Ausblick
Der Besuch von Friedrich Merz in China ist mehr als eine diplomatische Routine. Er markiert den Versuch, in einem zunehmend fragmentierten Welthandel Stabilität zu sichern.
Beobachten wird man nun vor allem:
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Konkrete Vereinbarungen zu Marktzugang und Regulierung
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Die weitere Entwicklung der EU-Handelspolitik
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Reaktionen aus Washington und Brüssel
Für Wirtschaft und Politik bleibt China ein Schlüsselthema mit unmittelbarer Bedeutung für Arbeitsplätze und Wachstum in Deutschland.
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FAQ
Wie wichtig ist China für die deutsche Wirtschaft?
China zählt zu den größten Handelspartnern Deutschlands. Über eine Million Arbeitsplätze hängen laut Bundesregierung am Export nach China.
Warum reisen so viele Wirtschaftsvertreter mit?
Große Konzerne haben erhebliche Investitionen und Absatzmärkte in China. Die Gespräche sollen regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern.
Was bedeutet „De-Risking“?
Der Begriff beschreibt die Strategie, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren, ohne Handelsbeziehungen vollständig abzubrechen.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Vor allem die Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie- und Pharmabranche sowie Sportartikelhersteller sind stark in China engagiert.
Quellen
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Statistisches Bundesamt (Destatis), Außenhandelsdaten Deutschland–China
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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Angaben zur Exportabhängigkeit
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EU-Kommission, Mitteilung zur „De-Risking“-Strategie
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Unternehmensberichte 2023/2024: BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz, Bayer, Adidas, Siemens