Pieper schließt Filialen trotz Sanierung
Insolvenzverfahren bei Stadt-Parfümerie Pieper: Neun Filialen vor dem Aus
Die Stadt-Parfümerie Pieper schließt neun Filialen. Das betrifft mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen und hat Folgen für Beschäftigte sowie betroffene Innenstädte.
Das Unternehmen hatte im November beim Amtsgericht Bochum ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Verfahren wurde zum 1. Februar offiziell eröffnet.
Was ist passiert?
Nach Unternehmensangaben sollen die Standorte in Essen, Dinslaken und Duisburg schrittweise aufgegeben werden. Ebenfalls betroffen sind Filialen in Hamm, Hattingen, Mönchengladbach, Viersen sowie zwei Geschäfte in Oberhausen.
In den übrigen 113 Filialen läuft der Betrieb weiter. Rund 30 Beschäftigte sind von den Schließungen betroffen. Ihnen sollen Angebote zur Weiterbeschäftigung an anderen Standorten unterbreitet werden.
Geschäftsführer Oliver Pieper erklärte laut Unternehmensmitteilung:
„Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Sie ist jedoch notwendig, um das Unternehmen langfristig zu stabilisieren und eine tragfähige Zukunftsperspektive zu schaffen.“
Das 1931 in Bochum gegründete Unternehmen gilt als größte inhabergeführte Parfümeriekette Deutschlands. Die Mehrheit der Filialen befindet sich in Nordrhein-Westfalen, weitere Standorte liegen in Niedersachsen, Bremen und Hamburg.
Hintergrund: Insolvenz in Eigenverwaltung
Das Verfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung unter Aufsicht eines Sachwalters die Sanierung selbst steuert. Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und wirtschaftlich tragfähige Strukturen zu schaffen.
Insolvenzverfahren dieser Art gelten als Instrument zur Restrukturierung – nicht zwingend zur Abwicklung. Die nun angekündigten Filialschließungen sind Teil dieses Sanierungskonzepts.
Perspektiven: Beschäftigte und Kommunen
1. Sicht der Unternehmensführung
Aus Sicht des Managements sind die Schließungen ein notwendiger Schritt, um unrentable Standorte zu bereinigen. Fixkosten für Miete, Energie und Personal belasten insbesondere Filialen in weniger frequentierten Lagen.
Ziel sei es, profitable Kernstandorte zu sichern und so die Gesamtstruktur des Unternehmens zu stabilisieren.
2. Sicht der Beschäftigten und Kommunen
Für die rund 30 betroffenen Mitarbeitenden bedeutet die Entscheidung zunächst Unsicherheit. Zwar kündigt das Unternehmen Weiterbeschäftigungsangebote an, doch ein Arbeitsplatzwechsel ist nicht für alle ohne Weiteres möglich.
Auch betroffene Städte verlieren mit jeder Geschäftsaufgabe weitere Einzelhandelsangebote. Leerstände in Innenstädten gelten vielerorts als strukturelles Problem. Branchenverbände verweisen seit Jahren auf steigenden Wettbewerbsdruck durch Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und hohe Betriebskosten.
Analyse: Warum der Fall jetzt relevant ist
Die Entwicklung bei Stadt-Parfümerie Pieper steht exemplarisch für den strukturellen Wandel im stationären Einzelhandel. Selbst traditionsreiche, inhabergeführte Unternehmen geraten unter Druck.
Drei Faktoren sind besonders relevant:
-
Konsumzurückhaltung infolge wirtschaftlicher Unsicherheiten
-
Verschiebung zum Onlinehandel, insbesondere bei Kosmetikprodukten
-
Kostensteigerungen bei Miete, Energie und Personal
Dass der Großteil der Filialen weitergeführt wird, zeigt zugleich: Eine vollständige Marktbereinigung ist nicht absehbar. Vielmehr geht es um gezielte Anpassung.
Für Verbraucher bedeutet das kurzfristig weniger Auswahl an einzelnen Standorten, aber keinen vollständigen Rückzug der Marke aus dem Markt. Für die Politik stellt sich erneut die Frage, wie Innenstädte resilienter gestaltet werden können.
Fazit und Ausblick
Die Schließung von neun Filialen ist ein Einschnitt jedoch kein Rückzug aus dem Markt. Mit 113 weiter betriebenen Geschäften bleibt Stadt-Parfümerie Pieper ein relevanter Akteur im deutschen Parfümerie-Einzelhandel.
Entscheidend wird sein, ob die Sanierung im Rahmen der Eigenverwaltung gelingt und die verbleibenden Standorte nachhaltig wirtschaftlich arbeiten können.
Beobachtet werden sollte insbesondere:
-
Wie sich die Umsatzentwicklung in den kommenden Monaten darstellt
-
Ob weitere Standortanpassungen folgen
-
Wie sich der Wettbewerb im Parfümeriemarkt entwickelt
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite.
Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.
FAQ
Warum schließt Stadt-Parfümerie Pieper Filialen?
Im Rahmen des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung sollen wirtschaftlich schwächere Standorte aufgegeben werden, um das Unternehmen zu stabilisieren.
Wie viele Geschäfte bleiben geöffnet?
113 Filialen bleiben laut Unternehmensangaben in Betrieb.
Wie viele Beschäftigte sind betroffen?
Rund 30 Mitarbeitende sind von den Schließungen betroffen. Ihnen sollen alternative Arbeitsplätze angeboten werden.
Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Die Geschäftsführung bleibt im Amt und steuert die Sanierung selbst, überwacht durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter.
Ist die gesamte Kette gefährdet?
Nach aktuellem Stand nicht. Ziel des Verfahrens ist ausdrücklich die Fortführung des Unternehmens.
Quellen
-
Unternehmensmitteilung Stadt-Parfümerie Pieper
-
Amtsgericht Bochum Informationen zum eröffneten Insolvenzverfahren
-
Angaben der Geschäftsführung Oliver Pieper