Bahn-Tarifstreit ohne Streiks beendet
Deutsche Bahn und GDL einigen sich 2026: Keine Warnstreiks und was das für Millionen Fahrgäste bedeutet
Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben sich in der laufenden Tarifrunde geeinigt. Das betrifft bundesweit tausende Beschäftigte und verhindert mögliche Warnstreiks im März.
Einigung in letzter Verhandlungsphase
Nach tagelangen Gesprächen haben sich die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer in der Nacht auf einen Tarifkompromiss verständigt. Details sollen um 11.00 Uhr vorgestellt werden, wie beide Seiten mitteilten.
Die Verhandlungen liefen seit Anfang Januar. Der bisherige Tarifvertrag war Ende Dezember ausgelaufen. Insgesamt fünf Verhandlungsrunden waren angesetzt. Bis Ende Februar galt eine Friedenspflicht Arbeitskämpfe waren in dieser Phase ausgeschlossen.
Mit der nun erzielten Einigung sind Warnstreiks für die kommenden Monate vom Tisch. Im Fall eines Scheiterns hätten ab März erhebliche Beeinträchtigungen des bundesweiten Bahnverkehrs gedroht.
Forderungen und Angebote: 8 Prozent vs. 6 Prozent plus Einmalzahlung
Nach Angaben der GDL hatte die Gewerkschaft unter anderem 8 Prozent mehr Entgelt gefordert. Davon sollten 3,8 Prozent über direkte Lohnerhöhungen erfolgen, weitere Bestandteile über strukturelle Anpassungen im Tarifsystem.
Die Bahn hatte am 10. Februar ein Angebot vorgelegt, das eine Erhöhung um 3,8 Prozent in zwei Stufen vorsah. Hinzu kamen 2,2 Prozent durch tarifliche Umstrukturierungen, darunter eine zusätzliche Entgeltstufe. Zudem bot der Konzern eine Einmalzahlung von 400 Euro an.
Ein zentraler Streitpunkt war die Laufzeit: Während die Arbeitgeberseite 30 Monate anstrebte, forderte die GDL lediglich 12 Monate.
Neue Führung, neue Tonlage
Es ist die erste Tarifrunde seit 2018, die ohne Arbeitskämpfe endet. Damals wurde die GDL noch von Claus Weselsky geführt. Die aktuelle Einigung ist die erste unter dem neuen Bundesvorsitzenden Mario Reiß.
Reiß hatte zwischenzeitlich eine „Verzögerungsstrategie“ der Bahn kritisiert und mit dem Abbruch der Gespräche gedroht. Dennoch setzten beide Seiten die Verhandlungen fort. Auch Bahn-Personalvorstand Martin Seiler verzichtete auf öffentliche Zuspitzungen.
Die vergleichsweise sachliche Atmosphäre markiert eine deutliche Veränderung im Ton früherer Tarifkonflikte.
Tarifeinheitsgesetz: Ein struktureller Konflikt
Ein weiterer sensibler Punkt war das sogenannte Tarifeinheitsgesetz. Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb nur der Tarifvertrag derjenigen Gewerkschaft Anwendung findet, die dort die meisten Mitglieder hat.
In vielen der rund 300 Bahn-Betriebe ist das die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn hatte vorgeschlagen, Mehrheiten in strittigen Betrieben mithilfe notarieller Verfahren genauer zu ermitteln.
Ob und wie dieses Verfahren nun Bestandteil der Einigung ist, soll am Vormittag erläutert werden.
Warum die Einigung jetzt besonders relevant ist
Die Einigung kommt in einer Phase, in der der Bahnverkehr ohnehin unter Druck steht: hohe Auslastung, Sanierungsbedarf im Schienennetz, steigende Kosten.
Ein erneuter, mehrtägiger Warnstreik hätte nicht nur Pendler, sondern auch die Industrie getroffen. Der Schienengüterverkehr ist für Lieferketten in der Automobil- und Chemiebranche essenziell.
Zugleich steht der Konzern unter finanzieller Beobachtung. Zusätzliche Personalkosten wirken sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit aus mittelbar auch auf Ticketpreise und Investitionsspielräume.
Was das konkret bedeutet
Für Fahrgäste
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Vorläufige Planungssicherheit im Fern- und Regionalverkehr
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Keine kurzfristigen Ausfälle durch Warnstreiks
Für Beschäftigte
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Voraussichtlich Entgelterhöhungen und strukturelle Anpassungen
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Klarheit über Laufzeit und Tarifbedingungen
Für die Bahn
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Höhere Personalkosten
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Mögliche Auswirkungen auf Investitionen
Für die Wirtschaft
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Stabilität im Güterverkehr
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Vermeidung von Lieferkettenstörungen
Fazit und Ausblick
Die Tarifrunde zwischen Deutscher Bahn und GDL endet ohne Arbeitskämpfe ein Novum seit Jahren. Für Millionen Fahrgäste ist das eine kurzfristige Entlastung. Entscheidend wird nun sein, wie hoch die finanziellen Belastungen tatsächlich ausfallen und wie sich die Einigung auf künftige Tarifrunden und die Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes auswirkt.
Die Details der Vereinbarung dürften darüber entscheiden, ob der Kompromiss als nachhaltiger Befriedungsschritt gilt oder lediglich als Zwischenlösung.
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FAQ
Warum gab es keine Warnstreiks?
Bis Ende Februar galt eine Friedenspflicht. Zudem erzielten Bahn und GDL rechtzeitig eine Einigung.
Wie hoch fällt die Gehaltserhöhung aus?
Details sind noch nicht veröffentlicht. Die GDL forderte 8 Prozent, die Bahn bot zuletzt rund 6 Prozent plus 400 Euro Einmalzahlung an.
Was ist das Tarifeinheitsgesetz?
Es regelt, dass in einem Betrieb nur der Tarifvertrag der mitgliederstärksten Gewerkschaft gilt.
Wer ist betroffen?
Vor allem Lokführer und weiteres Zugpersonal, mittelbar jedoch Millionen Fahrgäste bundesweit.
Quellen
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Mitteilung der Deutschen Bahn
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Mitteilung der GDL
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Tarifangebote vom 10. Februar
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Angaben aus den Verhandlungsrunden seit Januar