Greenpeace zu 345 Mio. $ verurteilt

Greenpeace zu 345 Mio. $ verurteilt
Systembild: US-Gericht verurteilt Greenpeace zu 345 Mio. $ Schadenersatz im Pipeline-Protestfal © KI

Greenpeace-Gerichtsurteil in den USA: 345 Millionen-Dollar-Schadenersatz und weitreichende Folgen für Umweltprotest und Recht

Ein Gericht im US-Bundesstaat North Dakota hat Greenpeace zur Zahlung von 345 Millionen Dollar Schadenersatz an den Betreiber der Dakota Access Pipeline verurteilt. Das betrifft die Umweltschutzorganisation unmittelbar und könnte weitreichende Folgen für Protest- und Meinungsfreiheit in den USA und darüber hinaus haben.

Fakten & Kontext

Was ist passiert?

Ein Richter am Bezirksgericht von Bismarck, North Dakota, hat das Urteil gegen mehrere Greenpeace-Einheiten bestätigt, denen vorgeworfen wird, sich an den Protesten gegen die Dakota Access Pipeline beteiligt zu haben. Diese Proteste fanden zwischen 2016 und 2017 statt und richteten sich gegen den Bau eines mehr als 1 700 Kilometer langen Erdöl-Pipelinesystems.

Ein Geschworenengremium hatte im März 2025 eine Schadensersatzzahlung von ursprünglich über 660 Millionen Dollar festgelegt. Der Richter reduzierte diesen Betrag im Oktober 2025 auf 345 Millionen Dollar, die jetzt rechtskräftig angeordnet wurden. Greenpeace wird hauptsächlich vorgeworfen, durch Aktivitäten wie vermeintliche Falschaussagen, Verschwörungen, Hausfriedensbruch und „tortious interference“ (Beeinträchtigung geschäftlicher Abläufe) dem Betreiber Energy Transfer geschadet zu haben.

Wer ist betroffen?

  • Greenpeace USA, Greenpeace International und der Greenpeace Fund mehrere juristische Einheiten der Umweltschutzbewegung, sind direkt verklagt und zu Zahlungen verurteilt worden.

  • Energy Transfer LP, der Betreiber der Dakota Access Pipeline, ist Kläger und will den verhängten Schadenersatz durchsetzen.

  • Standing Rock Sioux Tribe und andere lokale Gruppen waren historisch an den Protesten beteiligt und stehen weiterhin im Zentrum der Debatte um Umweltgefährdung und indigene Rechte.

Greenpeace selbst hat erklärt, dass die Organisation diesen Betrag wirtschaftlich nicht leisten kann, und kündigte umgehend eine Berufung sowie ggf. einen Antrag auf einen neuen Prozess an.

Perspektiven

Klägerseite: Energy Transfer

Ein Anwalt von Energy Transfer argumentiert, Greenpeace habe aktiv zur Verzögerung der Bauarbeiten beigetragen und sogar Protestbeteiligte organisiert und ausgestattet. Man betrachte das Urteil als rechtlich gerechtfertigt.

Greenpeace und Unterstützer

Greenpeace bezeichnet die Klage als klassischen SLAPP-Fall („Strategic Lawsuit Against Public Participation“) eine juristische Strategie, um Kritiker mundtot zu machen. In einer offiziellen Stellungnahme nennt Greenpeace das Urteil eine Bedrohung für freie Meinungsäußerung und demokratische Beteiligung und will den Rechtsweg vollständig ausschöpfen.

Bedeutung und Folgen

Warum ist das jetzt relevant?

Das Urteil kommt zu einem Zeitpunkt, an dem rechtliche Rahmenbedingungen für Proteste und zivilgesellschaftliches Engagement weltweit diskutiert werden etwa im Kontext von Anti-SLAPP-Gesetzen in der EU und Deutschland. Solche Gesetze sollen verhindern, dass finanzkräftige Akteure zivilgesellschaftliche Kritik durch unfaire Klagen ersticken.

Realistische Folgen

  • Juristische Präzedenz: Das Urteil könnte als Referenz für künftige Klagen gegen Aktivismusgruppen dienen auch außerhalb der USA.

  • Finanzielle Belastung: Selbst die reduzierte Summe ist für Greenpeace USA wirtschaftlich kaum tragbar; Organisationen könnten Ressourcen umverteilen oder strukturelle Anpassungen vornehmen müssen.

  • Politische Debatte: Die Entscheidung verstärkt Diskussionen über Rechte auf Protest und Meinungsfreiheit vs. Haftungsrisiken für organisierte Zivilgesellschaft.

Strukturelle Dimension

Der Fall verknüpft Umweltschutz, indigene Rechte, energiepolitische Infrastruktur und juristische Strategien großer Konzerne. Er beleuchtet, wie rechtliche Auseinandersetzungen Teil einer größeren globalen Spannung zwischen fossiler Industrie und Klimabewegung geworden sind.

Was das konkret bedeutet

  • Für Bürger: Protestteilnahme kann potenziell juristische Risiken bergen selbst wenn sie im Rahmen von Klimaschutzaktionen erfolgt.

  • Für NGOs: Finanzielle Belastung durch hohe Schadenersatzforderungen könnte zivilgesellschaftliches Engagement erschweren.

  • Für Politik: Nationale Gesetzgeber könnten Impulse für stärkeren Schutz vor missbräuchlichen Klagen (Anti-SLAPP) bekommen.

  • Für Wirtschaft: Energieunternehmen sehen sich bestärkt, rechtliche Schritte gegen Aktivismus zu nutzen die politische und regulatorische Reaktion bleibt abzuwarten.

  • Für Rechtssysteme: Gerichtliche Definitionen von Verantwortlichkeiten bei Protesten könnten enger ausgelegt werden.

Fazit & Ausblick

Das North Dakota-Urteil gegen Greenpeace ist mehr als ein Einzelrechtsstreit: Es steht im Zentrum einer übergeordneten Auseinandersetzung über Umweltprotest, Meinungsfreiheit und Rechtsstrategien mächtiger Unternehmen. Während Greenpeace den Rechtsweg weiter beschreiten will, bleibt die Debatte über den Schutz ziviler Beteiligung in demokratischen Gesellschaften akut. Zukünftige Anti-SLAPP-Regelungen in verschiedenen Rechtsräumen könnten direkt von diesem Fall beeinflusst werden.

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FAQ

1. Muss Greenpeace wirklich 345 Millionen Dollar zahlen?
Nach dem Urteil ist diese Summe angeordnet worden; Greenpeace will aber Berufung einlegen und ggf. einen neuen Prozess beantragen.

2. Betrifft das Urteil auch Greenpeace in Deutschland?
Direkt gelten US-Gerichtsurteile nur für die verklagten Organisationseinheiten; nationale Strukturen anderer Greenpeace-Ableger sind rechtlich getrennt.

3. Warum ging es bei den Protesten ursprünglich?
Die Konflikte drehten sich um Umwelt-, Wasser- und indigene Rechte im Zusammenhang mit dem Bau der Dakota Access Pipeline.

4. Was ist eine SLAPP-Klage?
Ein SLAPP („Strategic Lawsuit Against Public Participation“) ist eine juristische Strategie, Kritiker durch Ressourcenbindung und Drohpotenzial zu lähmen.

5. Welche weiteren juristischen Schritte sind denkbar?
Greenpeace kann Berufung bei höheren Gerichten anstreben und argumentieren, dass zentrale rechtliche Grundlagen des Urteils fehlerhaft sind.

Quellenliste

Associated Press / Reuters
Greenpeace USA offizielle Stellungnahmen
Climate Case Chart: Gerichtsakten
Internationale Berichterstattung zu Dakota Access Pipelin

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