Traditionsbäckerei Neff insolvent
Bäckerei Neff aus Karlsruhe meldet Insolvenz an und was das für 200 Beschäftigte und 19 Filialen bedeutet
Die Karlsruher Bäckerei Neff hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das betrifft 19 Standorte in der Region und rund 200 Beschäftigte, deren Zukunft nun von einem Sanierungsplan abhängt.
Die 1904 gegründete Bäckerei Rudolf Neff GmbH hat beim Amtsgericht Karlsruhe ein Verfahren in Eigenverwaltung beantragt. Am 24. Februar 2026 genehmigte das Gericht das Verfahren und bestellte Rechtsanwalt Holger Blümle zum vorläufigen Sachwalter.
Das Unternehmen betreibt 19 Filialen in Karlsruhe, Pforzheim, Rastatt und der Region. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Unternehmensangaben uneingeschränkt weiter. Die Familie Reich führt den Betrieb in vierter Generation und bleibt an der Spitze.
Unterstützt wird die Geschäftsführung von den Sanierungsexperten Jens Lieser und Alfred Kraus, die nun ein Restrukturierungskonzept ausarbeiten. Die Löhne der rund 200 Beschäftigten sind nach Angaben des Unternehmens bis April 2026 durch Insolvenzgeld abgesichert eine Leistung der Bundesagentur für Arbeit. Danach soll die Finanzierung wieder aus dem operativen Geschäft erfolgen.
Branche unter Druck
Die Gründe sind strukturell. Seit Beginn des Ukrainekriegs haben sich die Energiepreise zeitweise massiv erhöht. Laut Unternehmensangaben seien die Kosten für Öl- und Gasöfen um bis zu 500 Prozent gestiegen. Hinzu kommen höhere Rohstoffpreise für Weizen, Roggen und Dinkel sowie steigende Lohnkosten durch Mindestlohnanpassungen.
Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks weist seit Jahren auf die zunehmende Belastung für handwerkliche Betriebe hin: Hohe Energiepreise, Fachkräftemangel und verändertes Konsumverhalten führen bundesweit zu Betriebsschließungen.
Perspektiven
Unternehmensseite:
Geschäftsführer Andreas Reich erklärt laut Unternehmensmitteilung: „Wir stehen als Familienunternehmen zu unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter, unsere Kundschaft und unser handwerkliches Erbe.“ Das Eigenverwaltungsverfahren solle einen strukturierten Neustart ermöglichen.
Sanierungsexperte Alfred Kraus betont, das Grundkonzept sei tragfähig. Brot und Backwaren gehörten zur Grundversorgung. Entscheidend sei nun eine nachhaltige Kostenstruktur.
Strukturelle Perspektive:
Branchenvertreter sehen in der Entwicklung kein Einzelfallphänomen. Laut Verbandsangaben ist die Zahl handwerklicher Bäckereien in Deutschland seit Jahren rückläufig. Energieintensive Produktion trifft besonders kleinere und mittelständische Betriebe.
Warum das jetzt relevant ist
Der Fall Neff steht exemplarisch für die Lage des Bäckerhandwerks.
-
Energieabhängigkeit: Backöfen zählen zu den energieintensivsten Anlagen im Lebensmittelhandwerk. Preissteigerungen wirken unmittelbar auf die Gewinnmargen.
-
Kostenstruktur: Rohstoffpreise sind volatiler geworden, während Preiserhöhungen am Markt nur begrenzt durchsetzbar sind.
-
Arbeitsmarkt: Der Fachkräftemangel verschärft sich, insbesondere für Nacht- und Frühschichten.
-
Wettbewerbsdruck: Discounter und industrielle Großbäckereien bieten günstigere Alternativen.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung bedeutet nicht automatisch das Aus. Sie bietet die Möglichkeit, Verträge zu prüfen, Kostenstrukturen anzupassen und Investoren zu gewinnen. Ob das gelingt, hängt maßgeblich von Liquidität, Kundenbindung und regionaler Kaufkraft ab.
Was das konkret bedeutet
Für Bürger und Verbraucher:
-
Filialen bleiben vorerst geöffnet.
-
Sortiment und Versorgung sind aktuell gesichert.
-
Preisanpassungen sind im Rahmen der Sanierung möglich.
Für Beschäftigte:
-
Löhne bis April 2026 über Insolvenzgeld gesichert.
-
Danach abhängig vom Erfolg des Sanierungsplans.
Für Kommunen:
-
Erhalt regionaler Nahversorgung steht auf dem Spiel.
-
Innenstadtlagen könnten bei Scheitern Leerstände riskieren.
Für die Wirtschaft:
-
Beispiel für strukturelle Belastungen im Mittelstand.
-
Signalwirkung für andere energieintensive Handwerksbetriebe.
Fazit & Ausblick
Die Insolvenz der Bäckerei Neff markiert einen Wendepunkt für einen über 120 Jahre alten Familienbetrieb. Der operative Betrieb läuft weiter, die Finanzierung für die kommenden Monate ist gesichert.
Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Kosten nachhaltig zu senken und das Geschäftsmodell an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Der Ausgang des Verfahrens wird nicht nur für 200 Beschäftigte relevant sein, sondern auch für die regionale Versorgungsstruktur in Karlsruhe und Umgebung.
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite.
Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.
FAQ
Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Das Unternehmen bleibt unter eigener Leitung, ein Sachwalter überwacht das Verfahren. Ziel ist die Sanierung.
Sind die Filialen geschlossen?
Nein. Nach Angaben des Unternehmens läuft der Betrieb weiter.
Sind die Arbeitsplätze gesichert?
Die Löhne sind bis April 2026 über Insolvenzgeld abgesichert. Danach hängt es vom Sanierungserfolg ab.
Warum sind Bäckereien besonders betroffen?
Sie arbeiten energieintensiv und sind stark von Rohstoffpreisen abhängig.
Ist das ein Einzelfall?
Nein. Branchenverbände berichten seit Jahren von zunehmenden Betriebsschließungen im Bäckerhandwerk.
Quellen
-
Amtsgericht Karlsruhe: Beschluss zum Eigenverwaltungsverfahren
-
Unternehmensmitteilung der Bäckerei Rudolf Neff GmbH
-
Bundesagentur für Arbeit: Informationen zum Insolvenzgeld
-
Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks: Branchenstatistiken