Spritpreise steigen langsamer, Niveau bleibt hoch
Spritpreise in Deutschland: Preisschub flacht ab doch Diesel und E10 bleiben auf Krisenniveau
Der rasante Anstieg der Spritpreise in Deutschland verliert vorerst an Tempo. Für Autofahrer, Betriebe und die Politik ist das dennoch keine Entwarnung, weil Diesel und Super E10 weiter auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegen.
Spritpreise steigen weiter aber nicht mehr so abrupt
Nach den starken Preissprüngen der vergangenen Tage meldet der ADAC zum Wochenstart eine erste Abschwächung der Dynamik. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete Diesel am Sonntag 2,117 Euro pro Liter, ein Plus von 0,7 Cent gegenüber Samstag. Super E10 stieg auf 1,984 Euro je Liter und damit um 0,4 Cent. Am Montagmorgen lag Diesel in der Spitze bei 2,177 Euro, E10 bei 2,043 Euro; bei Benzin war das sogar etwas weniger als zum Vergleichszeitpunkt am Sonntag.
Von einer echten Entspannung kann dennoch keine Rede sein. Schon am 3. März hatte der ADAC für den bundesweiten Durchschnitt 1,917 Euro je Liter Diesel und 1,897 Euro für E10 gemeldet und von einem „dramatischen Anstieg“ im Vergleich zur Vorwoche gesprochen. Am 6. März lag der Diesel-Tagesdurchschnitt laut dpa bereits bei 2,042 Euro, E10 bei 1,949 Euro. Die jetzige Entwicklung zeigt also vor allem: Der Preisschub hat sich verlangsamt, aber das hohe Niveau ist geblieben.
Warum Diesel besonders stark reagiert
Der wichtigste Auslöser ist die Eskalation im Nahen Osten. Laut ADAC und ZDF hat der Krieg im Iran und in der Golfregion den Ölmarkt stark verunsichert; zugleich ist die Straße von Hormus als zentrale Route für einen erheblichen Teil des weltweiten Ölhandels faktisch beeinträchtigt. Der Brent-Preis sprang laut ADAC binnen einer Woche von rund 71 auf etwa 82 US-Dollar; laut dpa überschritt Brent am 6. März sogar zeitweise die Marke von 90 Dollar pro Barrel.
Diesel reagiert in solchen Lagen meist sensibler als Benzin. Der ADAC verweist darauf, dass Deutschland beim fertigen Diesel stärker auf Importe angewiesen ist. Hinzu kommt nach ADAC-Angaben eine zusätzliche Nachfrage, weil Diesel in Teilen der Industrie und Energieerzeugung Erdgas ersetzen kann, während eingeschränkte Flüssiggaslieferungen aus Katar den Markt zusätzlich belasten.
Zwei Perspektiven: ADAC warnt, Bundesregierung beobachtet
Der ADAC sieht die Weitergabe der Preisschübe kritisch und verweist darauf, dass Mineralölunternehmen steigende Rohölpreise teils sehr schnell an Verbraucher weiterreichen. ZDF berichtet zudem über den oft beobachteten „Rakete-und-Feder“-Effekt: Preise steigen rasch, sinken aber deutlich langsamer.
Aus Sicht der Bundesregierung steht derzeit noch keine konkrete Entlastungsmaßnahme fest. In der Regierungspressekonferenz vom 6. März betonte das Wirtschaftsministerium, man beobachte die Entwicklung eng, tausche sich mit dem Bundeskartellamt aus und wolle Markteingriffe „extrem sorgsam“ abwägen. Neue Schritte oder eine Preisbremse wurden dabei nicht angekündigt.
Der Ökonom Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, fasste die Lage bei ZDFheute so zusammen: „Wir haben nur das Preisproblem.“ Gemeint ist: Anders als 2022 geht es derzeit nach bisherigem Stand nicht um eine akute Versorgungslücke, sondern um erhebliche Mehrkosten für Verbraucher und Unternehmen.
Warum das jetzt besonders relevant ist
Die politische Brisanz liegt nicht nur im Preis an der Zapfsäule. Hohe Kraftstoffkosten treffen Pendler unmittelbar, verteuern aber auch Transporte, Handwerksfahrten, Lieferdienste und damit mittelbar weitere Produkte und Dienstleistungen. Die Bundesregierung räumt selbst ein, dass ein länger anhaltender Anstieg der Rohölpreise die erwartete wirtschaftliche Erholung dämpfen könnte.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die Preiskontrolle. Das Bundeskartellamt prüft die Lage, während die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe weiterhin Preisdaten aus dem gesamten Bundesgebiet sammelt. Doch ob daraus kurzfristig Eingriffe folgen, ist offen. Genau das ist nun die entscheidende Frage: Bleibt es bei einer vorübergehenden Überreaktion des Marktes, oder verfestigt sich ein neues hohes Preisniveau?
Was das konkret bedeutet
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Für Bürger: Tanken bleibt teuer, vor allem für Pendler und ländliche Haushalte mit hohem Autoanteil.
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Für Verbraucher: Höhere Logistik- und Lieferkosten können sich zeitversetzt auf weitere Preise auswirken.
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Für Beschäftigte: Außendienst, Pflege, Handwerk und mobile Dienstleistungen stehen unter zusätzlichem Kostendruck.
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Für Unternehmen: Besonders transportintensive Branchen müssen mit sinkenden Margen oder Preisanpassungen rechnen.
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Für Politik: Die Debatte über Kartellprüfung, Transparenz und mögliche Entlastungen dürfte an Schärfe gewinnen.
Fazit und Ausblick
Die jüngsten Daten deuten auf eine Beruhigung der Preisdynamik hin, nicht aber auf eine echte Entspannung. Diesel und E10 bleiben teuer, und für Verbraucher wie Unternehmen ist entscheidend, ob Ölpreis und geopolitische Lage sich stabilisieren. In den kommenden Tagen wird vor allem zu beobachten sein, ob aus der verlangsamten Aufwärtsbewegung tatsächlich eine Trendwende wird oder nur eine kurze Atempause auf hohem Niveau.
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FAQ
Warum steigen die Spritpreise derzeit so stark?
Vor allem wegen der Eskalation im Nahen Osten und der Auswirkungen auf den Ölmarkt sowie wichtige Transportwege wie die Straße von Hormus.
Warum ist Diesel teurer als E10?
Diesel reagiert in Krisen sensibler, Deutschland ist stärker auf Dieselimporte angewiesen, und zusätzliche industrielle Nachfrage kann den Markt belasten.
Gibt es schon eine staatliche Preisbremse?
Nein. Die Bundesregierung beobachtet die Lage und prüft, hat aber bislang keine Preisbremse angekündigt.
Sind die Preise schon wieder am Sinken?
Noch nicht klar. Der starke Anstieg hat sich verlangsamt, aber das Preisniveau bleibt hoch.
Was sollten Autofahrer jetzt beachten?
Vor allem den Tageszeitpunkt: Der ADAC rät weiterhin dazu, eher abends als morgens zu tanken, weil die Morgenstunden meist teurer sind.
Quellen:
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ADAC, Meldung zu aktuellen Kraftstoffpreisen, 4. März 2026
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ADAC Presse, Monatsauswertung Februar 2026, 2. März 2026
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Bundesregierung, Regierungspressekonferenz vom 6. März 2026
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ZDFheute, FAQ zu Spritpreisen und Iran-Krieg, 5. März 2026
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t-online unter Berufung auf ADAC-Daten, 9. März 2026
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dpa/WELT, Berichte vom 5. und 6. März 2026