Lufthansa-Streik trifft Flüge und Fracht
Lufthansa-Streik am 12. und 13. März 2026: Was jetzt feststeht
Nicht nur ein weiterer Lufthansa-Streik: Jetzt gerät auch die Konzernstruktur unter Druck
Die Lufthansa steht vor der nächsten Streikwelle: Die Vereinigung Cockpit hat für Donnerstag, 12. März, und Freitag, 13. März 2026, Arbeitsniederlegungen bei Lufthansa Passage und Lufthansa Cargo angekündigt; bei Lufthansa CityLine gilt der Aufruf für Donnerstag. Das betrifft Reisende, Geschäftsverkehr und Fracht und erhöht den Druck in einem bereits festgefahrenen Tarifkonflikt.
Wer streikt und welche Flüge ausgenommen sind
Nach Angaben der Vereinigung Cockpit sind Lufthansa Passage, Lufthansa Cargo und Lufthansa CityLine betroffen. Ausdrücklich ausgenommen sind wegen der angespannten Lage im Nahen Osten Flüge aus Deutschland in mehrere Staaten der Region, darunter Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Lufthansa hat inzwischen einen Sonderflugplan veröffentlicht. Nach Unternehmensangaben sollen trotz des Streiks an beiden Tagen mehr als 50 Prozent des ursprünglich geplanten Programms stattfinden, bei Langstrecken rund 60 Prozent und bei Cargo-Flügen rund 80 Prozent. Betroffene Passagiere würden proaktiv informiert; außerdem seien kostenlose Umbuchungen auf Lufthansa-Group-Flüge bis 23. März sowie Erstattungen möglich.
Worum es im Tarifkonflikt geht
Der Kern des Konflikts ist nicht nur ein einzelner Warnstreik, sondern eine breitere tarifpolitische Auseinandersetzung. Laut Vereinigung Cockpit geht es bei Lufthansa und Lufthansa Cargo um die betriebliche Altersversorgung; bei Lufthansa CityLine kommen gescheiterte Verhandlungen über Vergütungsfragen hinzu. VC-Präsident Andreas Pinheiro kritisierte, es gebe weiterhin kein substanzielles Angebot zur Verbesserung der Altersversorgung.
Lufthansa weist die Eskalation zurück. Reuters berichtet unter Berufung auf das Unternehmen, der Konzern halte den Schritt für nicht nachvollziehbar und will möglichst viele Verbindungen durch andere Gesellschaften des Konzerns absichern. Lufthansa City Airlines soll planmäßig fliegen; bei CityLine werde am Freitag wieder fast das gesamte Programm erwartet.
Konzerninteresse gegen Pilotensicht
Unternehmen: Lufthansa argumentiert, man arbeite intensiv daran, die Folgen für Passagiere so gering wie möglich zu halten. Frankfurt-Hubchef Francesco Sciortino erklärte laut Reuters, es sei „top priority“, möglichst viele Reisende trotz des Streikaufrufs ans Ziel zu bringen.
Gewerkschaft: Die Vereinigung Cockpit verweist darauf, dass ihre Mitglieder mehrfach für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben. Aus Sicht der VC ist der Streik eine Reaktion auf ergebnislose Verhandlungen insbesondere bei Rentenfragen und bei der künftigen tariflichen Absicherung der CityLine-Piloten.
Warum der Konflikt jetzt besonders relevant ist
Dieser Streik ist aus zwei Gründen besonders brisant. Erstens trifft er den Luftverkehr erneut nur wenige Wochen nach der ersten großen Streikwelle vom 12. Februar 2026, bei der laut Reuters und ZDF mehr als 800 Flüge ausfielen und rund 100.000 Passagiere betroffen waren. Zweitens fällt er in eine Phase erhöhter Unsicherheit im internationalen Luftverkehr, weil der Nahost-Konflikt bereits Routen, Kapazitäten und Einsatzpläne belastet.
Hinzu kommt die strukturelle Dimension im Konzern: CityLine spielt als Zubringer-Airline eine wichtige Rolle, soll nach übereinstimmenden Berichten und Unternehmensplänen aber perspektivisch durch Lufthansa City Airlines ersetzt werden. Damit geht es in diesem Konflikt nicht nur um einen akuten Streik, sondern auch um die Frage, unter welchen Bedingungen der Konzern seine Kurz- und Zubringerstruktur künftig organisiert.
Genau darin liegt die größere Bedeutung: Für Passagiere ist der Ausstand ein Reiseproblem. Für Lufthansa ist er zugleich ein Test, ob der Konzern seine operative Stabilität auch in einem angespannten geopolitischen Umfeld halten kann. Für die Piloten wiederum geht es um mehr als Tagesaktualität nämlich um Renten, Vergütung und langfristige Karriere- und Tarifperspektiven.
Was das konkret bedeutet
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Für Passagiere: Flugausfälle, Umbuchungen und kurzfristige Änderungen bleiben wahrscheinlich; Lufthansa rät zur Prüfung des Flugstatus vor der Anreise.
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Für Geschäftsreisende: Vor allem Zubringer- und Inlandsverbindungen können wegbrechen, was Anschlüsse und Termine gefährdet.
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Für Frachtkunden: Cargo ist Teil des Streiks, auch wenn Lufthansa nach eigenen Angaben rund 80 Prozent des Cargo-Programms aufrechterhalten will.
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Für Beschäftigte: Der Konflikt zeigt, dass neben Rentenfragen auch die künftige Rolle der CityLine im Konzern weiter umkämpft ist.
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Für die Lufthansa-Politik: Entscheidend wird jetzt, ob aus Gesprächsbereitschaft kurzfristig ein verhandlungsfähiges Angebot wird sonst droht eine weitere Eskalation.
Fazit und Ausblick
Der Lufthansa-Streik am 12. und 13. März 2026 ist mehr als ein weiterer Ausfalltag im deutschen Luftverkehr. Er zeigt, wie eng operative Stabilität, geopolitische Belastungen und ungelöste Tariffragen inzwischen miteinander verknüpft sind. Entscheidend wird nun sein, ob beide Seiten nach dieser zweiten Streikwelle in der Tarifrunde wieder zu belastbaren Verhandlungen zurückfinden oder ob der Konflikt weiter auf andere Konzerngesellschaften ausstrahlt.
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FAQ
Wann streiken die Lufthansa-Piloten?
Am Donnerstag, 12. März, und Freitag, 13. März 2026; bei Lufthansa CityLine gilt der Aufruf nach aktuellem Stand für Donnerstag.
Welche Airlines oder Bereiche sind betroffen?
Betroffen sind Lufthansa Passage, Lufthansa Cargo und Lufthansa CityLine. Lufthansa City Airlines soll planmäßig fliegen.
Sind Nahost-Flüge vom Streik betroffen?
Bestimmte Flüge in den Nahen Osten sind ausdrücklich ausgenommen. Das begründet die VC mit der aktuellen Sicherheitslage in der Region.
Was können betroffene Passagiere tun?
Lufthansa bietet kostenlose Umbuchungen auf Lufthansa-Group-Flüge bis 23. März 2026 sowie Erstattungen an. Vor der Fahrt zum Flughafen sollte der Flugstatus geprüft werden.
Worum geht es im Tarifstreit?
Bei Lufthansa und Lufthansa Cargo geht es vor allem um die betriebliche Altersversorgung, bei CityLine zusätzlich um Vergütungsfragen.
Quellen:
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Vereinigung Cockpit, Pressemitteilung vom 10. März 2026
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Lufthansa, Current Travel Information / Sonderflugplan
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Reuters, Berichte vom 10., 11. und 12. März 2026
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ZDFheute, Bericht zum Lufthansa-Streik vom 10. März 2026
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airliners.de, Bericht zur CityLine-Entwicklung und Streiklage