Feneberg: Filialen bleiben vorerst offen

Feneberg: Filialen bleiben vorerst offen
Systembild: Insolvenz bei Edeka-Partner: Feneberg stellt Antrag © Presse.Online

Feneberg ist insolvent das betrifft 3.000 Beschäftigte und die Nahversorgung im Süden

Die Feneberg Lebensmittel GmbH ist im eröffneten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Für Kundinnen und Kunden ändert sich kurzfristig wenig, für Beschäftigte, Lieferanten und ganze Standorte im Allgäu und darüber hinaus steht aber viel auf dem Spiel.

Nach Angaben aus dem Umfeld des Verfahrens hatte Feneberg bereits am 9. Januar 2026 beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt. Nun ist daraus das reguläre Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung geworden. Der Geschäftsbetrieb soll uneingeschränkt weiterlaufen, die bestehenden Märkte bleiben geöffnet. Die Sanierung wird weiterhin von der Geschäftsleitung um Amelie und Christof Feneberg geführt, begleitet vom Sanierungsexperten Stephan Leibold; als Sachwalter überwacht Martin Hörmann das Verfahren. Verfahrensbevollmächtigter ist laut Fachberichten Jochen Sedlitz.

Feneberg zählt mit rund 3.000 Beschäftigten und etwa 75 Filialen zu den bedeutenden regionalen Lebensmittelhändlern in Süddeutschland. Genau deshalb ist die Nachricht mehr als ein einzelner Unternehmensfall: Es geht nicht nur um eine Sanierung auf dem Papier, sondern um Arbeitsplätze, Lieferketten und die Frage, wie stabil die regionale Nahversorgung in einzelnen Kommunen bleibt.

Was bisher bekannt ist

Als Ursachen der Krise werden übereinstimmend mehrere Faktoren genannt: strukturelle Defizite im Filialnetz, die Nachwirkungen der Insolvenz der früheren Tochter Allgäu Fresh Foods sowie hohe Pensionsverpflichtungen von knapp 100 Millionen Euro. Hinzu kommt der anhaltende Druck im Handel: geringe reale Wachstumsraten, harter Preiswettbewerb und hohe Kosten. Der Handelsverband Deutschland rechnet für 2026 im Einzelhandel nur mit einem realen Umsatzplus von 0,5 Prozent; fast die Hälfte der Händler erwartet sinkende Umsätze.

Dass der Betrieb zunächst weiterläuft, ist in solchen Verfahren ein wichtiges Signal. Es bedeutet aber nicht, dass alle Standorte automatisch gesichert sind. Fachberichte verweisen darauf, dass unwirtschaftliche Filialen im Rahmen der Sanierung überprüft werden und das Filialnetz gezielt neu zugeschnitten werden könnte. Genau hier liegt der eigentliche Kern des Verfahrens: Nicht die Frage, ob heute eingekauft werden kann, sondern welche Struktur Feneberg nach der Sanierung noch trägt.

Zwei Perspektiven, die jetzt entscheidend sind

Aus Sicht des Unternehmens und des Gerichts ist der Fall vor allem ein Sanierungsverfahren mit Fortführungsziel. Feneberg selbst hatte zum Start des Schutzschirmverfahrens erklärt, Ziel sei eine „wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung“ bei laufendem Geschäftsbetrieb. Das Amtsgericht Kempten hat inzwischen das Insolvenzverfahren eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet.

Aus Sicht der Betroffenen ist die Lage komplexer. Für ehemalige Beschäftigte mit Betriebsrenten hat die Krise bereits direkte Folgen: Berichte aus dem Allgäu zeigen, dass Zahlungen ausgesetzt wurden; grundsätzlich sichert in Insolvenzfällen der Pensions-Sicherungs-Verein gesetzlich Teile der betrieblichen Altersversorgung ab. Auch für Verbraucher kann ein Insolvenzverfahren spürbar werden: Die Verbraucherzentrale weist allgemein darauf hin, dass Ansprüche aus Gutscheinen häufig nur noch zur Insolvenztabelle angemeldet werden können. Bei Feneberg waren Gutscheine zeitweise gesperrt; das Unternehmen teilte später mit, dass bestimmte Verbund-Gutscheine wieder eingelöst werden können, Erlebnisgutscheine aus dem Bonusprogramm aber als Altforderungen gelten.

Warum der Fall gerade jetzt relevant ist

Die besondere Brisanz liegt im Timing. Nach dem Schutzschirmverfahren beginnt mit der eröffneten Eigenverwaltung die Phase, in der nicht mehr nur stabilisiert, sondern entschieden wird. Für Mittwoch, 10. Juni 2026, 10 Uhr, sind in Kempten Berichtstermin, Gläubigerversammlung und Prüfungstermin angesetzt. Dann geht es um Forderungen, Machtverhältnisse unter den Gläubigern und um den Insolvenzplan.

Strukturell zeigt der Fall, wie verletzlich auch etablierte Regionalhändler geworden sind. Wer hohe Altlasten, teure Standortstrukturen und schwache Margen gleichzeitig tragen muss, gerät in einem Markt mit aggressivem Wettbewerb schnell unter Druck. Bei Feneberg kommt hinzu, dass regionale Identität allein keine wirtschaftliche Stabilität garantiert, wenn Filialnetz, Kostenbasis und Altverbindlichkeiten nicht mehr zusammenpassen. Das macht den Fall auch über das Allgäu hinaus relevant.

Was das konkret bedeutet

  • Für Bürger: Die Versorgung in den betroffenen Regionen läuft zunächst weiter, doch einzelne Standorte könnten im Zuge der Sanierung auf den Prüfstand kommen.
  • Für Verbraucher: Einkaufen ist weiter möglich, bei Gutscheinen und Bonusprogrammen gelten aber teils besondere Regeln des Insolvenzverfahrens.
  • Für Beschäftigte: Die Löhne sind vorerst gesichert, langfristig hängt vieles vom Sanierungsplan und möglichen Standortentscheidungen ab.
  • Für Kommunen: Fällt ein Markt weg, trifft das besonders kleinere Orte und schwächt lokale Versorgungsstrukturen. Diese Folge ist aus der angekündigten Filialprüfung ableitbar.
  • Für Wirtschaft und Politik: Der Fall unterstreicht, wie groß der Anpassungsdruck im Lebensmittelhandel bleibt selbst bei traditionsreichen Regionalanbietern.

Fazit und Ausblick

Feneberg bleibt vorerst handlungsfähig, aber die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst noch. Entscheidend wird nun, ob ein tragfähiger Insolvenzplan zustande kommt, wie hoch die Forderungen tatsächlich ausfallen und ob die Sanierung ohne tiefere Einschnitte ins Filialnetz gelingt. Wer den Fall beobachtet, sollte vor allem auf den 10. Juni 2026 schauen: Dann wird sich zeigen, ob aus der Zwischenstabilisierung eine belastbare Zukunftslösung werden kann.

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FAQ

Ist Feneberg schon geschlossen?
Nein. Der Geschäftsbetrieb läuft nach bisherigen Angaben weiter, die Filialen bleiben vorerst geöffnet.

Sind die Arbeitsplätze bei Feneberg sicher?
Kurzfristig sind Löhne und Betrieb zunächst gesichert. Langfristig hängt vieles vom Sanierungsplan und möglichen Filialentscheidungen ab.

Können Kunden ihre Gutscheine noch einlösen?
Teilweise. Feneberg hat mitgeteilt, dass bestimmte Verbund-Gutscheine wieder eingelöst werden können. Andere Ansprüche gelten als Altforderungen im Verfahren.

Wann fällt die nächste wichtige Entscheidung?
Die nächste zentrale Wegmarke ist die Gläubigerversammlung am 10. Juni 2026 in Kempten.

Warum ist der Fall über das Allgäu hinaus wichtig?
Weil er zeigt, wie stark Kosten-, Struktur- und Wettbewerbsdruck selbst große Regionalhändler im Lebensmittelmarkt treffen können.

Quellenliste:

  • Amtsgericht Kempten / gerichtliche Mitteilungen zum Verfahren
    Feneberg Lebensmittel GmbH, Informationen zum Schutzschirmverfahren
  • CHIP, Berichte vom 10. Januar 2026 und 7. April 2026
  • t-online, Bericht vom 8. April 2026
  • Kreisbote, Berichte zur Verfahrenseröffnung und zu Folgen für Pensionäre
  • Lebensmittel Praxis, Bericht vom 9. Januar 2026
  • Handelsverband Deutschland (HDE), Jahresprognose 2026
  • Verbraucherzentrale, Hinweise zu Kundenrechten bei Insolvenz
  • Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG), Informationen zur Sicherung betrieblicher Altersversorgung

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