Merz prüft mehr Geld für Pendler

Merz prüft mehr Geld für Pendler
Regierungsbefragung im Deutschen Bundestag, Berlin | © Bundesregierung/Steffen Kugler

Merz prüft höhere Pendlerpauschale was bis zu 45 Cent für Berufspendler und Steuerzahler bedeuten würden

Bundeskanzler Friedrich Merz ist laut Berichten offen für eine weitere Erhöhung der Pendlerpauschale. Das würde vor allem Berufspendler mit längeren Arbeitswegen betreffen und die Debatte über soziale Entlastung, Steuerwirkung und Energiepolitik neu zuspitzen.

Was bislang bekannt ist

Nach einem Bericht, auf den sich weitere Medien beziehen, wird im Umfeld des Kanzleramts eine Anhebung der Pendlerpauschale von derzeit 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer diskutiert. Die Wirkung käme demnach nicht sofort an der Zapfsäule, sondern erst im kommenden Jahr über die Steuererklärung bei den Bürgern an. Ebenfalls im Gespräch sei eine breitere Senkung der Stromsteuer; eine politische Entscheidung könnte nach den Berichten kurzfristig im Koalitionsrahmen fallen. Eine offizielle Beschlusslage der Bundesregierung dazu liegt bisher nicht vor.

Gesichert ist: Die Entfernungspauschale wurde bereits zum 1. Januar 2026 auf einheitlich 38 Cent ab dem ersten Kilometer angehoben. Zuvor galt der höhere Satz erst ab dem 21. Kilometer. Das Bundesfinanzministerium beziffert die Entlastung dadurch auf rund 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2026 und ab 2027 auf rund 1,9 Milliarden Euro jährlich.

Ebenfalls belegt ist die jüngste Maßnahme am Kraftstoffmarkt: Tankstellen in Deutschland dürfen ihre Preise seit vergangener Woche nur noch einmal täglich, und zwar um 12 Uhr, anheben; Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Die Bundesregierung verweist dabei auf das sogenannte Österreich-Modell und begründet die Regel mit mehr Transparenz und Verlässlichkeit für Autofahrer.

Pendlerpauschale, Spritpreise und Stromsteuer: Wo die politische Linie verläuft

Die politische Logik hinter den Überlegungen ist klar: Hohe Mobilitäts- und Energiekosten treffen Haushalte direkt, besonders außerhalb der Ballungsräume und dort, wo tägliche Wege zur Arbeit kaum vermeidbar sind. Eine höhere Pendlerpauschale wäre für die Bundesregierung ein steuerpolitisches Instrument, um auf Belastungsdruck zu reagieren, ohne direkt in den Kraftstoffpreis einzugreifen.

Allerdings hat diese Entlastung Grenzen. Die Pendlerpauschale wirkt über das Steuerrecht und damit typischerweise zeitverzögert. Wer stark unter laufenden Kosten leidet, spürt die Hilfe nicht sofort beim Tanken, sondern erst später im Steuerbescheid. Zudem profitieren Haushalte nur dann voll, wenn die Werbungskosten den Arbeitnehmer-Pauschbetrag übersteigen; für niedrige Einkommen greift ergänzend die Mobilitätsprämie, deren Befristung inzwischen aufgehoben wurde.

Zwei Perspektiven auf die Debatte

Aus Regierungssicht steht die Frage im Raum, wie Bürger angesichts hoher Energiepreise entlastet werden können, ohne ein neues, breit gestreutes Subventionspaket aufzulegen. Das BMF hat die bestehende Anhebung auf 38 Cent bereits ausdrücklich als Entlastung für Pendler begründet.

Aus Sicht von Autofahrern und Verbraucherschützern bleibt zugleich entscheidend, ob Preisbewegungen an den internationalen Märkten überhaupt zeitnah bei den Verbrauchern ankommen. Der ADAC meldete zuletzt zwar einen leichten Rückgang der Durchschnittspreise im Tagesvergleich, kritisierte das neue Tankstellenmodell aber als nicht wirksame Preisbremse. Das ist relevant, weil die Debatte um die Pendlerpauschale nicht nur eine Steuerfrage ist, sondern auch eine Reaktion auf Zweifel an der unmittelbaren Wirkung der jüngsten Marktregeln.

Warum das jetzt besonders relevant ist

Die Debatte trifft einen empfindlichen Punkt der deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Erstens geht es um die Frage, wie stark der Staat Mobilität auf dem Land und in Pendlerregionen steuerlich abfedern soll. Zweitens kollidiert eine höhere Entfernungspauschale mit langfristigen Klima- und Verkehrszielen, weil sie individuelle Autofahrten steuerlich begünstigt. Drittens ist sie fiskalisch relevant: Schon die bestehende Reform kostet den Bund erhebliche Milliardenbeträge. Eine weitere Erhöhung würde diesen Effekt voraussichtlich ausweiten. Diese Schlussfolgerung liegt nahe, auch wenn für das 45-Cent-Modell noch keine offizielle Kostenschätzung vorliegt.

Entscheidend ist nun, ob aus der internen Prüfung ein formeller Beschluss wird und ob die Regierung die Maßnahme als Teil einer breiteren Entlastungsstrategie mit Stromsteuer, Energiepolitik und Mobilitätskosten verknüpft. Nach jetzigem Stand ist die politische Absicht berichtet, aber noch nicht amtlich beschlossen.

Was das konkret bedeutet

  • Für Bürger: Eine höhere Pendlerpauschale könnte die steuerliche Belastung bei langen Arbeitswegen senken, aber nicht sofort Liquidität schaffen.
  • Für Verbraucher: Hohe Spritpreise würden nicht direkt gesenkt; die Entlastung käme zeitversetzt über die Einkommensteuer.
  • Für Beschäftigte im ländlichen Raum: Wer auf das Auto angewiesen ist, hätte politisch bessere Chancen auf zusätzliche Entlastung als bei rein städtisch gedachten Maßnahmen.
  • Für die Politik: Die Regierung müsste begründen, wie zusätzliche Steuerentlastung mit Haushaltsdisziplin und Klimazielen vereinbar sein soll. Diese Spannung ergibt sich aus der bestehenden Systematik.
  • Für die Wirtschaft: Unternehmen in Regionen mit langen Pendeldistanzen könnten indirekt profitieren, wenn Beschäftigte finanziell entlastet werden; zugleich bleibt Energiepreisdruck ein Standortthema. Diese Wirkung ist plausibel, aber bisher nicht offiziell quantifiziert.

Fazit und Ausblick

Die Debatte um eine Erhöhung der Pendlerpauschale zeigt, wie stark Mobilitätskosten wieder zum politischen Brennpunkt werden. Für Millionen Beschäftigte wäre ein Satz von bis zu 45 Cent ein spürbares Signal allerdings erst mit zeitlichem Verzug und nur dann, wenn die Überlegungen tatsächlich in geltendes Recht überführt werden. Beobachtet werden muss nun vor allem, ob die Bundesregierung die Berichte bestätigt, welche Finanzierung sie nennt und ob die Maßnahme Teil eines größeren Entlastungspakets wird.

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FAQ

Was ist die Pendlerpauschale?

Die Pendlerpauschale ist ein steuerlicher Werbungskostenabzug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt sie 38 Cent ab dem ersten Kilometer.

Ist die Erhöhung auf 45 Cent schon beschlossen?

Nein. Nach bisheriger Lage handelt es sich um einen berichteten Prüf- und Diskussionsstand, nicht um einen offiziell bestätigten Beschluss.

Wann würde eine höhere Pendlerpauschale wirken?

Nach den Berichten erst im kommenden Jahr über die Steuererklärung, also nicht unmittelbar beim Tanken.

Wer profitiert besonders von einer Anhebung?

Vor allem Berufspendler mit längeren Arbeitswegen. Bei geringen Einkommen kann zusätzlich die Mobilitätsprämie relevant sein.

Sinkt dadurch der Benzinpreis?

Nein. Die Pendlerpauschale verändert nicht den Preis an der Zapfsäule, sondern die steuerliche Belastung im Nachhinein.

Quellenliste:

  • Bundesministerium der Finanzen: Die wichtigsten steuerlichen Änderungen 2026
  • Bundesministerium der Finanzen: Bürgerinnen und Bürger gezielt entlasten – steuerliche Maßnahmen / Steueränderungsgesetz 2025
  • Bundesregierung: Maßnahmen gegen hohe Spritpreise
  • Bundesregierung: Regierungspressekonferenz vom 11. März 2026
  • ADAC: Aktuelle Meldungen zu Kraftstoffpreisen und Bewertung des Österreich-Modells
  • Welt unter Berufung auf Bild und Kanzleramtskreise: Bericht zur möglichen Anhebung der Pendlerpauschale und Stromsteuer-Senkung

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