Warum Möbel Hübner nach 117 Jahren schließt

Warum Möbel Hübner nach 117 Jahren schließt
Das Berliner Traditionshaus Möbel Hübner schließt nach 117 Jahren © Presse.Online

Berliner Möbelhaus schließt nach 117 Jahren: Möbel Hübner gibt auf

Nach mehr als einem Jahrhundert endet die Geschichte von Möbel Hübner: Das Berliner Einrichtungshaus schließt endgültig. Der Ausverkauf läuft, die Gründe liegen laut Geschäftsführung in Strukturwandel, Kosten und Personalmangel.

Ein Traditionshaus vor dem Aus

Seit 1908 prägte Möbel Hübner die Berliner Möbel- und Einrichtungsszene. Nun ist klar: Bis Ende März sollen sämtliche Waren verkauft sein. Rund 12 Millionen Euro Lagerwert stehen im Abverkauf, mit 30 Prozent Rabatt auf alle Artikel. Die Resonanz ist groß. „Allein am Sonnabend haben wir mehr Umsatz an einem Tag gemacht als im gesamten Monat November“, sagte Geschäftsführer Albert Türklitz der Bild-Zeitung.

Der Schlussstrich ist jedoch nicht das Ergebnis einer akuten Schieflage, sondern eine strategische Entscheidung. „Es ist keine Insolvenz, wir schließen vorausschauend“, betont Türklitz. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten das Geschäftsmodell eines großen stationären Möbelhauses zunehmend unter Druck gesetzt.

Gründe: Onlinehandel, Kosten, Kaufzurückhaltung

Nach Angaben der Geschäftsführung habe das Haus insbesondere seit der Corona-Pandemie mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen. Der Onlinehandel gewinne weiter an Bedeutung, während Kunden angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage größere Anschaffungen aufschöben. „Die Zukunft spricht gegen ein Haus wie unseres“, fasst Türklitz die Entwicklung zusammen.

Hinzu kommen gestiegene Energie- und Betriebskosten, die bei vergleichsweise stagnierenden Umsätzen kaum zu kompensieren seien. Die Margen im Möbelhandel gelten seit Jahren als unter Druck, insbesondere für große Verkaufsflächen in innerstädtischen Lagen.

Fachkräftemangel trifft den Handel

Ein weiterer Faktor ist der Mangel an qualifiziertem Verkaufspersonal. Viele erfahrene Mitarbeiter seien in den Ruhestand gegangen, Nachwuchs lasse sich kaum gewinnen. „Handel ist als Arbeitsplatz nicht beliebt“, so Türklitz. Das treffe nicht nur Möbel Hübner, sondern den stationären Einzelhandel insgesamt.

Die Belegschaft des Traditionshauses weist eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 19 Jahren auf. Für die Beschäftigten wurden Abfindungen vereinbart, die sich laut Geschäftsführung auf eine Millionensumme belaufen.

Einordnung: Symbol für den Wandel der Innenstädte

Die Schließung von Möbel Hübner steht exemplarisch für einen strukturellen Umbruch im deutschen Einzelhandel. Große, beratungsintensive Häuser verlieren Marktanteile an digitale Plattformen und spezialisierte Anbieter. Innenstädte geraten dadurch weiter unter Druck, während die Debatte über Nachnutzung, Leerstand und Stadtentwicklung an Bedeutung gewinnt.

Gleichzeitig zeigt der Andrang beim Ausverkauf, dass Nachfrage vorhanden ist – jedoch zunehmend preisgetrieben und punktuell. Für Politik und Kommunen stellt sich die Frage, wie traditionelle Handelsformate künftig unterstützt oder in neue Konzepte überführt werden können.

Ausblick

Mit dem Ende von Möbel Hübner verliert Berlin ein Stück Handelsgeschichte. Der Fall verdeutlicht, wie tiefgreifend sich Konsumverhalten, Arbeitsmarkt und Kostenstrukturen verändert haben und welche Herausforderungen dem stationären Handel in den kommenden Jahren bevorstehen.

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FAQ

Warum schließt Möbel Hübner nach 117 Jahren?
Laut Geschäftsführung wegen strukturellem Wandel: wachsender Onlinehandel, hohe Kosten, Kaufzurückhaltung und Fachkräftemangel.

Ist Möbel Hübner insolvent?
Nein. Nach Angaben des Geschäftsführers handelt es sich um eine vorausschauende Schließung, nicht um eine Insolvenz.

Wie lange läuft der Ausverkauf?
Der Abverkauf soll bis Ende März abgeschlossen sein. Verkauft werden Waren im Wert von rund 12 Millionen Euro.

Was passiert mit den Mitarbeitern?
Die Beschäftigten erhalten Abfindungen in Millionenhöhe. Viele waren jahrzehntelang im Unternehmen tätig.

Hat die Schließung Signalwirkung für den Einzelhandel?
Ja. Der Fall gilt als Beispiel für die Herausforderungen großer stationärer Handelsformate in deutschen Städten.

Quellen:

  • Aussagen von Geschäftsführer Albert Türklitz, zitiert in der Bild-Zeitung

  • Unternehmensangaben von Möbel Hübner zur Schließung, Ausverkauf und Mitarbeiterregelung

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