Insolvenz bei Perfecta: Hersteller unter Druck
Traditionsunternehmen Perfecta aus Sachsen insolvent, Verfahren in Eigenverwaltung
Der sächsische Maschinenbauer Perfecta Schneidemaschinenwerk GmbH Bautzen hat Ende Dezember 2025 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind 86 Beschäftigte am Standort Bautzen ein Einschnitt für ein Unternehmen mit über 130-jähriger Geschichte und internationaler Kundschaft.
Insolvenz in Eigenverwaltung: Betrieb läuft weiter
Anfang Januar 2026 genehmigte das Amtsgericht Dresden das vorläufige Eigenverwaltungsverfahren und bestellte den Rechtsanwalt Rüdiger Bauch von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Sachwalter. Nach Angaben des Unternehmens wird der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt, Kunden sollen weiterhin beliefert werden.
Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind für Dezember 2025 sowie für Januar und Februar 2026 über das Insolvenzgeld abgesichert. Zu möglichen Entlassungen machte das Unternehmen zunächst keine Angaben. Perfecta betont, man wolle die laufenden Projekte stabil abarbeiten und die Lieferfähigkeit sichern.
Historie und internationale Bedeutung
Perfecta wurde 1896 gegründet und gilt nach eigenen Angaben als weltweit ältester Hersteller von Papierschneidemaschinen. Seit 1920 konzentriert sich das Unternehmen auf die Entwicklung und Produktion entsprechender Maschinen und Anlagen für die grafische Industrie. Vom Standort Bautzen aus beliefert Perfecta Kunden in mehr als 70 Ländern ein Indikator für die internationale Bedeutung des mittelständischen Spezialanbieters.
Zum Portfolio zählen neben klassischen Schneidemaschinen auch hochautomatisierte Schneidanlagen, robotergestützte Automatisierungs- und Handlingsysteme sowie intelligent vernetzte Lösungen für industrielle Anwendungen.
Gründe für die Schieflage
Geschäftsführer Christian Baumann erklärte laut Unternehmensmitteilung, Ziel des Eigenverwaltungsverfahrens sei es, Investoren zu finden und das Geschäftsmodell strategisch weiterzuentwickeln. Gegenüber der Zeitung Bild sagte Baumann, man wolle das Unternehmen trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht aufgeben. Eine geplante Nachfolgelösung im Gesellschafterkreis habe mehr Zeit in Anspruch genommen als vorgesehen, wodurch strategische Entscheidungen und Investorengespräche verzögert worden seien.
Unterstützt wird die Geschäftsführung durch den Sanierungsexperten Dirk Eichelbaum von dhmp Restrukturierung als Generalbevollmächtigten. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen stehe noch am Anfang des vorläufigen Verfahrens, die Projektlage sei jedoch grundsätzlich positiv.
Einordnung: Signalwirkung für den Maschinenbau
Der Fall Perfecta ist mehr als eine isolierte Unternehmenskrise. Er verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen vieler deutscher Industrieunternehmen: hohe Kosten, Investitionsbedarf in neue Technologien und langwierige Nachfolgeprozesse. Gerade spezialisierte Mittelständler mit hoher Exportquote geraten unter Druck, wenn strategische Weichenstellungen verzögert werden.
Gleichzeitig zeigt das Instrument der Eigenverwaltung, dass Insolvenz nicht zwangsläufig Stillstand bedeutet. Ziel ist es, unter eigener Regie Investoren zu gewinnen, Arbeitsplätze zu sichern und das Unternehmen wettbewerbsfähig neu aufzustellen. Für Regionen wie Bautzen, in denen industrielle Arbeitgeber eine zentrale Rolle spielen, ist der Ausgang des Verfahrens von erheblicher Bedeutung.
Ausblick
Perfecta ist Teil der Baumann-Gruppe; weitere Unternehmen der Gruppe sind nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen. Wie die strategische Neuausrichtung konkret aussehen wird, soll sich im Verlauf des Verfahrens zeigen. Entscheidend dürfte sein, ob Investoren gefunden werden, deren Vorstellungen mit den Zielen des Unternehmens übereinstimmen insbesondere mit Blick auf Beschäftigungssicherung und mittelfristige Finanzierung.
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FAQ
Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Dabei bleibt die Geschäftsführung im Amt und steuert den Sanierungsprozess selbst, unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters.
Sind die Arbeitsplätze bei Perfecta gesichert?
Die Löhne sind über Insolvenzgeld bis Ende Februar 2026 abgesichert. Über mögliche Entlassungen gibt es derzeit keine Angaben.
Läuft der Geschäftsbetrieb weiter?
Ja. Perfecta erklärt, dass Produktion und Auslieferung ohne Einschränkungen fortgeführt werden.
Warum ist Perfecta wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten?
Nach Unternehmensangaben verzögerten sich Nachfolge- und Investorenprozesse, wodurch strategische Entscheidungen nicht rechtzeitig abgeschlossen wurden.
Sind weitere Firmen der Baumann-Gruppe betroffen?
Nein. Laut Unternehmen betrifft das Verfahren ausschließlich Perfecta.
Quellen:
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Pressemitteilung der Perfecta Schneidemaschinenwerk GmbH Bautzen
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Beschluss des Amtsgerichts Dresden zum Eigenverwaltungsverfahren
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Berichterstattung der Zeitung Bild (ergänzend)