Valeo schließt Werk in Bayern
Valeo schließt Standort Bad Neustadt: Jobabbau trifft Bayern hart
Der Autozulieferer Valeo gibt den Standort Bad Neustadt an der Saale auf. 143 der zuletzt 183 Beschäftigten verlieren nach aktuellen Plänen ihren Arbeitsplatz, 40 sollen nach Erlangen wechseln ein weiterer Einschnitt für die bayerische Industrie.
Schließung nach jahrelangem Abbau
Die Belegschaft wurde am Dienstag über das Aus informiert, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Die Produktion am Standort war bereits vor Jahren eingestellt worden. Einst arbeiteten in Bad Neustadt mehr als 500 Menschen für Valeo, zum Jahreswechsel waren es noch 183. Nach jetzigem Stand verlieren mindestens 143 Beschäftigte ihren Job, 40 sollen ein Angebot für einen Wechsel ins rund 140 Kilometer entfernte Erlangen erhalten. Dort betreibt Valeo einen größeren Standort mit Entwicklungsabteilung.
Der Konzern mit Hauptsitz in Paris begründet die Entscheidung mit der angespannten Lage der Industrie und dem starken internationalen Wettbewerb. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse Valeo seinen Forschungs- und Entwicklungsansatz anpassen und Aktivitäten in größeren Zentren bündeln. Die genannten Zahlen könnten sich noch ändern, betonte der Sprecher.
Weitere Einschnitte in Bayern
Auch am Valeo-Standort Ebern droht ein Stellenabbau. Wie der Bayerischer Rundfunk berichtet, sind dort insgesamt 134 Arbeitsplätze betroffen, davon 109 im Bereich Forschung und Entwicklung. Laut Andrea Sicker, zweiter Bevollmächtigter der zuständigen IG Metall in Bamberg, erhalten 37 der Betroffenen Angebote für einen Wechsel nach Erlangen.
Scharfe Kritik der IG Metall
Die Gewerkschaft reagiert mit deutlichen Worten. „Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben“, sagte Reiner Gehring von der IG Metall. Das Unternehmen ziehe sich aus der Verantwortung zurück, statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Gehring erinnert daran, dass die Entwicklung absehbar gewesen sei: Ein Entwicklungsstandort ohne eigene Produktion habe in diesem Konzern keine Zukunft. Entsprechende Warnungen habe die Unternehmensleitung Ende 2023 noch zurückgewiesen.
Auch im Betrieb selbst ist die Verunsicherung groß. „Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen“, sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert. Die Beschäftigten stünden vor unklaren Zukunftsperspektiven.
Signalwirkung für den Industriestandort
Die Schließung reiht sich ein in eine Serie von Einschnitten in der deutschen Automobilzulieferbranche. Steigende Kosten, internationaler Wettbewerbsdruck und der Strukturwandel hin zur Elektromobilität treffen besonders Standorte ohne eigene Serienproduktion. Für den ländlichen Raum in Bayern bedeutet dies mehr als den Verlust einzelner Arbeitsplätze: Wegfallende Industriearbeitsplätze schwächen regionale Wertschöpfung, Kaufkraft und Fachkräftebindung.
Das Landratsamt Rhön-Grabfeld spricht von einem schweren Schlag für den Industriestandort. Landrat Thomas Habermann sieht einen „schleichenden Abbau von Industriearbeitsplätzen im Automotive- und Maschinenbaubereich“ und fordert gemeinsame Gegenanstrengungen von Politik, Unternehmen und Beschäftigten. Er kündigte an, sich mit aller Kraft um neue Perspektiven für die Betroffenen zu bemühen.
Ausblick
Wann die Schließung endgültig vollzogen wird, ist noch offen. Nach Angaben des Unternehmens gibt es keinen konkreten Zeitplan, vieles dürfte jedoch noch im laufenden Jahr erfolgen. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt vorerst nur die Hoffnung auf tragfähige Anschlusslösungen und auf politische Antworten auf den fortschreitenden Strukturwandel der Industrie.
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FAQ
Warum schließt Valeo den Standort Bad Neustadt?
Valeo begründet die Entscheidung mit hoher internationaler Konkurrenz und der Notwendigkeit, Forschung und Entwicklung in größeren Zentren zu bündeln.
Wie viele Arbeitsplätze sind betroffen?
Mindestens 143 Beschäftigte verlieren ihren Job, 40 sollen nach Erlangen wechseln können.
Gibt es weitere Stellenstreichungen in Bayern?
Ja. Am Standort Ebern sind laut IG Metall insgesamt 134 Arbeitsplätze betroffen.
Was kritisiert die IG Metall konkret?
Die Gewerkschaft wirft Valeo vor, sich aus der Verantwortung zu ziehen und frühere Zusagen zur Standortsicherung gebrochen zu haben.
Wann wird der Standort endgültig geschlossen?
Ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest, die Umsetzung dürfte jedoch im laufenden Jahr beginnen.
Quellen:
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Offizielle Stellungnahme von Valeo (Unternehmenssprecher)
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Angaben der IG Metall Bamberg
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Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks
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Stellungnahme des Landratsamts Rhön-Grabfeld