Elefantenbulle tötet 22 Menschen in Indien

Elefantenbulle tötet 22 Menschen in Indien
Angst in Indiens Dörfern: Ein junger Elefantenbulle hat in Jharkhand mindestens 22 Menschen getötet. © Presse.Online

Elefantenbulle tötet mindestens 22 Menschen in Nordindien

Ein junger Elefantenbulle versetzt Dörfer im ostindischen Jharkhand in Angst. Seit Anfang Januar starben mindestens 22 Menschen. Behörden suchen fieberhaft nach dem Tier bislang ohne Erfolg. Der Fall rückt den wachsenden Konflikt zwischen Mensch und Wildtier erneut ins Zentrum.

Elefantenangriffe in Jharkhand: Behörden im Dauereinsatz

Ein junger, offenbar von seiner Herde getrennter Elefantenbulle hat im ostindischen Bundesstaat Jharkhand mindestens 22 Menschen getötet. Die tödlichen Angriffe begannen Anfang Januar und konzentrierten sich auf abgelegene Dörfer im Waldgebiet des Distrikts West Singhbhum. Trotz großangelegter Such- und Fangmaßnahmen ist es den Behörden bislang nicht gelungen, das Tier zu betäuben oder einzufangen.

Nach Angaben der Forstbehörden handelt es sich um einen jungen Elefantenbullen mit nur einem Stoßzahn. Das Tier bewegt sich überwiegend nachts durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete und greift dabei vor allem Menschen an, die auf Feldern oder in der Nähe ihrer Ernte schlafen. Diese Praxis ist in der Region verbreitet, da viele Bauern ihre Erträge vor Wildtieren schützen müssen.

Tödliche Serie seit dem 1. Januar

Das erste bekannte Todesopfer war ein 35-jähriger Mann im Dorf Bandijhari am 1. Januar. Seither wurden nach übereinstimmenden Medienberichten unter anderem ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern im Alter von sechs und acht Jahren sowie ein Mitarbeiter der Forstbehörde tödlich verletzt. Die meisten Opfer starben durch Trampeln oder schwere innere Verletzungen.

Über die Vorfälle berichteten unter anderem die BBC und der The Guardian unter Berufung auf lokale Behörden. Beide Medien verweisen darauf, dass sich die Angriffe über mehrere Wochen hinzogen und die Bevölkerung zunehmend verunsichern.

Mehr als 100 Einsatzkräfte auf der Suche

Mehr als 100 Mitarbeiter der indischen Forstbehörde sind derzeit im Einsatz, um den Elefanten aufzuspüren. Mehrere Versuche, das Tier mit Betäubungsgewehren ruhigzustellen, seien gescheitert. Nach Angaben der Einsatzleitung legt der Bulle täglich bis zu 30 Kilometer zurück. Seine Bewegungen gelten als unberechenbar.

Besondere Sorge bereitet den Behörden die Möglichkeit, dass sich das Tier in der sogenannten Musth-Phase befindet einer hormonell bedingten Brunstzeit bei Elefantenbullen. In dieser Phase steigt der Testosteronspiegel stark an, was zu erhöhter Aggressivität führen kann. Die Regionalverwaltung rief für Teile des Bezirks um die Stadt Chaibasa höchste Alarmstufe aus. Bewohner wurden aufgefordert, nachts in ihren Häusern zu bleiben und Waldgebiete zu meiden.

Ein Symptom eines größeren Problems

Der aktuelle Fall ist kein Einzelfall. In den vergangenen fünf Jahren kamen in Indien laut „Guardian“ mehr als 2.800 Menschen bei tödlichen Begegnungen mit Elefanten ums Leben. Gleichzeitig sterben jedes Jahr auch zahlreiche Elefanten bei Konflikten mit Menschen.

Experten sehen die Ursache vor allem in der zunehmenden Verdrängung der Tiere aus ihren natürlichen Lebensräumen. Entwaldung, Bergbau und wachsende Siedlungsflächen zerschneiden traditionelle Wanderrouten. Nach Recherchen britischer Medien sind rund zehn Prozent dieser historischen Korridore inzwischen verschwunden. Für junge, isolierte Tiere steigt dadurch das Risiko, in menschliche Siedlungen vorzudringen.

Während Naturschutzorganisationen vor einer weiteren Eskalation warnen, stehen die lokalen Behörden unter enormem Druck, die Bevölkerung zu schützen. Zwischen Artenschutz und öffentlicher Sicherheit einen Ausgleich zu finden, bleibt eine der größten Herausforderungen.

Ausblick

Solange der Elefantenbulle nicht eingefangen oder beruhigt werden kann, bleibt die Lage angespannt. Kurzfristig setzen die Behörden auf Warnungen und nächtliche Ausgangsbeschränkungen. Langfristig dürfte der Fall die Debatte über nachhaltigen Waldschutz, sichere Wildtierkorridore und den Umgang mit Mensch-Wildtier-Konflikten weiter anheizen.

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FAQ

Warum ist der Elefant so aggressiv?
Nach Angaben der Forstbehörden könnte der junge Bulle von seiner Herde getrennt worden sein und sich möglicherweise in der Brunstzeit befinden, die mit erhöhter Aggressivität einhergeht.

Warum schlafen Bauern nachts auf den Feldern?
Viele Landwirte bewachen ihre Ernte vor Wildtieren, da diese sonst erhebliche Schäden verursachen können.

Wie häufig sind tödliche Elefantenangriffe in Indien?
In den vergangenen fünf Jahren starben laut Medienberichten mehr als 2.800 Menschen bei Begegnungen mit Elefanten.

Warum nehmen solche Vorfälle zu?
Experten führen dies auf schrumpfende Lebensräume und zerstörte Wanderrouten der Tiere zurück.

Quellen:

  • Berichte der BBC unter Berufung auf indische Forstbehörden

  • Recherchen und Zahlenangaben aus The Guardian

  • Offizielle Stellungnahmen regionaler Forst- und Verwaltungsbehörden in Jharkhand

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