Eier werden knapper, Preise steigen weiter
Eier werden knapper und warum Verbraucher jetzt höhere Preise sehen
In deutschen Supermärkten sind Eier derzeit teilweise schwerer zu bekommen. Die Situation gilt laut Branchenvertretern nicht als Krise sie zeigt jedoch, wie empfindlich Angebot und Nachfrage auf dem Eiermarkt geworden sind.
Eierknappheit im Handel Regale teilweise eingeschränkt
In vielen Supermärkten fehlen aktuell einzelne Eiersorten oder die Auswahl ist deutlich kleiner als gewohnt. Handelsunternehmen sprechen dennoch nicht von einem Versorgungsnotstand, sondern von einer angespannten, aber stabilen Lage.
Ein Sprecher der Rewe Group erklärte, die Situation bleibe „für die gesamte Branche herausfordernd“. Grund sei vor allem die weiterhin auftretende Vogelgrippe. Das Unternehmen stehe deshalb in engem Austausch mit Lieferanten, um die Versorgung sicherzustellen.
Auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) sieht derzeit keinen Zusammenbruch der Versorgung. Nach Angaben des Verbands stabilisiere sich die Lage im Einzelhandel wieder, auch wenn punktuelle Engpässe weiterhin auftreten können.
Hohe Nachfrage und Vogelgrippe belasten die Produktion
Marktexperten sprechen von einer knappen Versorgungslage, die mehrere Ursachen hat.
Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel erklärte:
„Es gibt keinen Notstand, aber eine Eierknappheit.“
Die Regale seien grundsätzlich gefüllt, allerdings gebe es häufiger Lücken oder eine kleinere Auswahl. Ein wesentlicher Faktor ist die Vogelgrippe. Im vergangenen Jahr mussten laut Branchenangaben mehrere Hunderttausend Hühner gekeult werden, um die Ausbreitung der Tierseuche zu stoppen.
Der Wiederaufbau der Bestände benötigt Zeit, weil neue Legehennen erst aufgezogen werden müssen. Dadurch kann das Angebot kurzfristig nicht schnell ausgeweitet werden.
Vor Ostern steigt der Druck auf den Markt
Hinzu kommt eine saisonale Besonderheit: Vor Ostern steigt die Nachfrage nach Eiern traditionell deutlich.
Hans-Peter Goldnick, Vorsitzender des Bundesverbands Ei, erklärte, der Markt sei derzeit knapp versorgt, aber weiterhin beliefert. Besonders Färbereien kaufen vor dem Osterfest große Mengen Eier ein, die dem normalen Markt zeitweise fehlen.
Auch Gastronomie und Lebensmittelindustrie spüren die Knappheit stärker als Verbraucher. Nach Branchenangaben werden Supermärkte bei der Belieferung häufig bevorzugt, um die Versorgung der Haushalte sicherzustellen.
Strukturelle Veränderungen verschieben die Warenströme
Neben kurzfristigen Faktoren spielen auch strukturelle Veränderungen eine Rolle.
Ende 2025 stellten die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung ihre Produktion ein. Diese Haltungsform wurde vor allem für Eier genutzt, die in der Lebensmittelindustrie verarbeitet werden.
Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen haben sich dadurch die Warenströme verändert. Unternehmen der Lebensmittelindustrie müssen ihre Rohware nun teilweise aus anderen Quellen beziehen.
Nachfrage wächst schneller als die Produktion
Die Produktion von Eiern ist in Deutschland zuletzt zwar gestiegen, allerdings deutlich langsamer als die Nachfrage.
Nach Angaben von Marktinfo Eier und Geflügel nahm die Produktion im Jahr 2025 um rund 0,5 Prozent zu. Gleichzeitig stieg der Konsum weiter an.
Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Preise aus.
Im vergangenen Jahr kosteten zehn Eier aus Bodenhaltung im Durchschnitt 2,02 Euro. In vielen Supermärkten liegt der Preis für die günstigste Packung inzwischen bei etwa 2,49 Euro.
Neben der knappen Versorgung treiben auch höhere Kosten die Preise. Dazu zählen steigende Löhne, höhere Energiepreise sowie gestiegene Mautgebühren im Transport.
Analyse: Warum die Entwicklung jetzt relevant ist
Die aktuelle Situation zeigt eine strukturelle Veränderung im Lebensmittelmarkt.
Eier gehören zu den wichtigsten Eiweißquellen im Alltag und sind im Vergleich zu Fleisch weiterhin relativ günstig. Gerade deshalb bleibt die Nachfrage hoch, selbst wenn die Preise steigen.
Der Konsum steigt seit Jahren. Laut vorläufigen Zahlen lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2024 in Deutschland bei 249 Eiern pro Jahr etwa zehn mehr als im Jahr zuvor. Für 2025 erwarten Experten einen weiteren Anstieg.
Deutschland kann den Bedarf jedoch nur teilweise selbst decken. Der Selbstversorgungsgrad lag 2024 bei rund 72 Prozent.
Der Rest wird importiert vor allem aus den Niederlanden, die mit rund 76 Prozent den größten Anteil der Schalenei-Importe liefern.
International wächst die Nachfrage ebenfalls stark. Laut einer Analyse der World Egg Organisation und der Rabobank könnte der globale Eiermarkt bis 2035 um rund 22 Prozent wachsen.
Was das konkret bedeutet
Für Verbraucher
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höhere Eierpreise im Supermarkt
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zeitweise geringere Auswahl bei bestimmten Haltungsformen
Für Gastronomie und Lebensmittelindustrie
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stärkere Konkurrenz um verfügbare Mengen
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mögliche Preissteigerungen bei verarbeiteten Produkten
Für Landwirte
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steigende Produktionskosten
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Investitionsdruck durch neue Haltungsanforderungen
Für den Handel
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stärkere Abhängigkeit von Importen
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engere Abstimmung mit Lieferanten
Fazit & Ausblick
Die aktuelle Eierknappheit in deutschen Supermärkten ist keine Versorgungskrise, sondern das Ergebnis mehrerer gleichzeitig wirkender Faktoren. Vogelgrippe, steigende Nachfrage, strukturelle Veränderungen in der Haltung und höhere Kosten treffen auf ein Angebot, das nur langsam wachsen kann.
Kurzfristig könnte sich die Lage nach dem Ostergeschäft wieder entspannen. Langfristig bleibt jedoch entscheidend, ob die Produktion mit dem steigenden Konsum Schritt halten kann.
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FAQ
Warum fehlen derzeit Eier in manchen Supermärkten?
Vor allem Vogelgrippe, hohe Nachfrage und saisonale Effekte vor Ostern führen zu Engpässen bei einzelnen Sorten.
Sind Eier in Deutschland wirklich knapp?
Die Versorgung gilt als angespannt, aber stabil. Die Regale sind meist gefüllt, die Auswahl ist jedoch teilweise eingeschränkt.
Warum steigen die Eierpreise?
Neben Angebot und Nachfrage wirken auch höhere Kosten für Energie, Transport und Personal.
Wie viele Eier essen Menschen in Deutschland?
Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag 2024 laut vorläufigen Zahlen bei etwa 249 Eiern pro Jahr.
Warum importiert Deutschland viele Eier?
Der Selbstversorgungsgrad liegt bei rund 72 Prozent. Ein Teil des Bedarfs wird deshalb aus dem Ausland gedeckt.
Quellen
- Bundesverband Ei
- Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH)
- Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
- World Egg Organisation
- Rabobank