Thiemann stellt alle 13 Filialen auf den Prüfstand
Parfümerie Thiemann insolvent: Alle 13 Filialen werden geprüft
Die Parfümerie Thiemann will sich mithilfe eines Insolvenzplanverfahrens in Eigenverwaltung wirtschaftlich neu aufstellen. Betroffen sind 13 Filialen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie nach Medienangaben 60 bis 70 Arbeitsplätze. Der Verkauf läuft zunächst weiter. Welche Standorte dauerhaft erhalten bleiben, ist noch nicht entschieden.
Faktenüberblick
Unternehmen: Parfümerie Thiemann
Sitz: Bautzen, Sachsen
Gründung: 1990
Verfahren: Planinsolvenz in Eigenverwaltung
Betroffene Standorte: 13 Filialen in drei Bundesländern
Beschäftigte: Nach Angaben der Sächsischen Zeitung etwa 60 bis 70
Aktueller Betrieb: Filialen und Online-Shop bleiben zunächst geöffnet
Wichtigste offene Frage: Welche Standorte langfristig wirtschaftlich tragfähig sind
Stand der Informationen: 7. Juni 2026
Die Parfümerie Thiemann aus Bautzen hat ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Alle 13 Filialen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie der Online-Shop sollen zunächst weiterbetrieben werden. Langfristig steht jedoch jeder Standort auf dem Prüfstand.
Betroffen sind nach Angaben der Sächsischen Zeitung etwa 60 bis 70 Arbeitsplätze. Konkrete Entscheidungen über Filialschließungen oder einen möglichen Stellenabbau sind bislang nicht bekannt. Ziel des Verfahrens sei es, wirtschaftlich tragfähige Teile des Unternehmens zu erhalten und die Parfümeriekette neu aufzustellen.
Verkauf und Beratung laufen zunächst weiter
Für Kundinnen und Kunden soll sich vorerst wenig ändern. Nach Angaben des Unternehmens bleiben die Geschäfte geöffnet. Auch der Online-Shop, Beratungs- und Serviceangebote, Kundenprogramme und die App sollen weiterhin zur Verfügung stehen.
Thiemann betreibt nach eigenen Angaben 13 Parfümerien. Standorte befinden sich unter anderem in Bautzen, Görlitz, Dresden, Leipzig, Freiberg, Pirna, Freital, Cottbus und Halle. Damit ist das Familienunternehmen nach eigener Darstellung die größte inhabergeführte Parfümeriekette Ostdeutschlands.
Die Formulierung „nach eigener Darstellung“ ist dabei wichtig: Eine unabhängige, allgemein anerkannte Rangliste inhabergeführter Parfümerieketten in Ostdeutschland liegt öffentlich nicht vor.
Das Unternehmen wurde 1990 in Bautzen gegründet und wird von Evelyn und Bodo Thiemann geführt. Neben den stationären Geschäften gehören ein eigener Online-Shop und digitale Kundenangebote zum Geschäftsmodell.
Corona-Kredite und sinkende Besucherzahlen belasten Thiemann
Als wesentlichen Grund für die wirtschaftliche Schieflage nennt die Betreiberfamilie die langfristigen Folgen der Corona-Pandemie. Während der Lockdowns seien die Umsätze stark zurückgegangen, laufende Verpflichtungen wie Mieten, Gehälter und weitere Kosten hätten jedoch weiterbezahlt werden müssen.
Zur Finanzierung dieser Belastungen habe Thiemann Kredite aufgenommen. Nach Darstellung der Familie wirken diese Verbindlichkeiten bis heute nach. Vor Beginn der Pandemie habe sich das Unternehmen auf einem stabilen Kurs befunden und sei nach eigenen Angaben kurz davor gewesen, nahezu schuldenfrei zu arbeiten.
Die Pandemie sei jedoch nicht die einzige Ursache. Das Unternehmen verweist außerdem auf Veränderungen, die den stationären Einzelhandel bereits seit Jahren belasten: rückläufige Besucherzahlen in Einkaufszentren, zunehmende Leerstände, gestiegene Betriebskosten und höhere Mieten.
Mehrere Standorte hätten nach der Pandemie nicht wieder die früheren Kundenströme erreicht. Gleichzeitig liefen langfristige Mietverträge weiter oder die finanzielle Belastung durch die Standorte sei gestiegen. Thiemann erklärt, über einen längeren Zeitraum nach Lösungen gesucht und Gespräche mit Vermietern geführt zu haben.
Unabhängig überprüfen lassen sich diese unternehmensinternen Angaben zu Krediten, Umsatzentwicklung und Mietverhandlungen bislang nicht. Sie geben die Begründung der Betreiberfamilie für den Sanierungsschritt wieder.
Warum jetzt jede Filiale einzeln geprüft wird
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage, welche Filialen dauerhaft genügend Umsatz erwirtschaften, um ihre Kosten zu decken. Nach Angaben des Unternehmens werden deshalb alle Standorte auf ihre langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit untersucht.
Das bedeutet noch nicht, dass bestimmte Geschäfte bereits geschlossen werden. Thiemann hat bislang keine Liste gefährdeter oder zu erhaltender Filialen veröffentlicht. Die Betreiberfamilie kündigte an, erst dann über Veränderungen zu informieren, wenn belastbare Entscheidungen getroffen worden seien.
Für die Beschäftigten beginnt damit eine Phase erheblicher Unsicherheit. Das erklärte Ziel der Sanierung besteht darin, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Eine Garantie für sämtliche Stellen oder Standorte ist damit jedoch nicht verbunden.
Auch für die betroffenen Innenstädte und Einkaufszentren ist der weitere Verlauf bedeutsam. Gerade spezialisierte Fachgeschäfte tragen zur Angebotsvielfalt bei. Schließt ein Geschäft, kann dies bestehende Leerstände vergrößern und die Besucherfrequenz benachbarter Händler zusätzlich beeinflussen.
Was eine Insolvenz in Eigenverwaltung bedeutet
Eine Eigenverwaltung ist nicht mit einer sofortigen Betriebsschließung gleichzusetzen. Bei dieser Verfahrensform bleibt die bisherige Unternehmensleitung grundsätzlich handlungsfähig und führt die Geschäfte weiter. Das Verfahren steht unter gerichtlicher Aufsicht; üblicherweise begleitet ein Sachwalter den Prozess und kontrolliert die wirtschaftliche Entwicklung.
Mithilfe eines Insolvenzplans können Verbindlichkeiten, Unternehmensstrukturen und Vereinbarungen mit Gläubigern neu geordnet werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung ist, dass ein tragfähiges Konzept entsteht und die erforderlichen Beteiligten zustimmen.
Ob Thiemann diese Sanierung gelingt, ist derzeit offen. Nicht bekannt ist bislang, wann die Standortprüfung abgeschlossen sein soll, welche finanziellen Zugeständnisse von Vermietern oder Gläubigern erforderlich sind und ob Investoren beteiligt werden könnten.
Die Betreiberfamilie stellt klar, dass die Planinsolvenz nicht als Geschäftsaufgabe gedacht sei. Sie bezeichnet das Verfahren als Instrument, um das Unternehmen geordnet neu aufzustellen. Entscheidend wird sein, ob sich genügend Filialen finden, die unter veränderten Kosten- und Kundenbedingungen dauerhaft rentabel betrieben werden können.
Das Wichtigste für Betroffene
- Kunden: Alle 13 Filialen und der Online-Shop sollen zunächst geöffnet bleiben.
- Beschäftigte: Nach Medienangaben sind etwa 60 bis 70 Arbeitsplätze von der Sanierung betroffen.
- Standorte: Noch ist keine konkrete Filialschließung beschlossen oder öffentlich angekündigt.
- Serviceangebote: Beratung, Kundenprogramme und App sollen nach Unternehmensangaben weiterlaufen.
- Weitere Entwicklung: Über Veränderungen will das Unternehmen erst informieren, wenn Entscheidungen belastbar feststehen.
Offene Fragen
- Welche der 13 Filialen sind langfristig wirtschaftlich tragfähig?
- Werden Standorte geschlossen oder Arbeitsplätze abgebaut?
- Wann soll der Insolvenz- und Sanierungsplan vorliegen?
- Welche Rolle spielen Vermieter, Gläubiger oder mögliche Investoren bei der Neuaufstellung?
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FAQ
Ist die Parfümerie Thiemann geschlossen?
Nein. Nach Angaben des Unternehmens bleiben die 13 Filialen und der Online-Shop zunächst geöffnet. Auch Beratung und weitere Serviceangebote sollen fortgeführt werden.
Welche Filialen sind von der Insolvenz betroffen?
Das Verfahren betrifft das Unternehmen und damit grundsätzlich alle 13 Standorte in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Welche Filialen dauerhaft erhalten bleiben, ist noch offen.
Wie viele Arbeitsplätze sind betroffen?
Die Sächsische Zeitung nennt etwa 60 bis 70 Arbeitsplätze. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben möglichst viele Stellen sichern.
Warum ist Thiemann insolvent?
Die Betreiberfamilie nennt nachwirkende Belastungen aus der Corona-Pandemie, aufgenommene Kredite, sinkende Kundenfrequenzen, Leerstände sowie gestiegene Kosten und Mieten. Diese Angaben stammen vom Unternehmen und sind nicht vollständig unabhängig überprüfbar.
Was bedeutet Eigenverwaltung?
Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung führt die bisherige Leitung das Unternehmen grundsätzlich weiter. Die Sanierung erfolgt innerhalb eines gerichtlich überwachten Verfahrens und soll mithilfe eines Insolvenzplans umgesetzt werden.
Quellen
- Parfümerie Thiemann, Unternehmenswebsite und öffentliche Stellungnahme: Angaben zu Filialzahl, Standorten, Fortführung des Betriebs sowie den vom Unternehmen genannten Krisenursachen; Primärquelle.
- Sächsische Zeitung, „Parfümerie Thiemann startet Sanierung in Eigenverwaltung“, veröffentlicht Anfang Juni 2026: Angaben zum Verfahren, zu 60 bis 70 betroffenen Arbeitsplätzen und zur Prüfung aller Standorte; Sekundärquelle.
- t-online, „Große Parfümeriekette ist insolvent“, 6. Juni 2026: Zusammenfassung der Unternehmensangaben und der regionalen Berichterstattung; Sekundärquelle.
- Insolvenzordnung, insbesondere Regelungen zur Eigenverwaltung: Rechtliche Einordnung der Verfahrensform; Primärquelle.
- Öffentliches Portal der Insolvenzbekanntmachungen: Zentrale amtliche Plattform für gerichtliche Veröffentlichungen zu Insolvenzverfahren. Ein konkreter, zweifelsfrei zuordenbarer Beschluss mit weiteren Verfahrensdetails lag der Redaktion bei Erstellung des Beitrags nicht vor.