Extremistische Szenen wachsen in Berlin
Berliner Verfassungsschutzbericht 2025: Extremistische Szenen wachsen
Der Berliner Verfassungsschutzbericht 2025 beschreibt eine Hauptstadt, in der extremistische Szenen in allen zentralen Bereichen gewachsen sind. Besonders im Fokus stehen linksextremistische Anschläge auf Infrastruktur, islamistische Radikalisierung im Netz und israelfeindliche Mobilisierung seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Der Senat von Berlin hat den Bericht auf Vorlage von Innensenatorin Iris Spranger zur Kenntnis genommen. Spranger betonte vor allem die Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Diese hätten gezeigt, wie schnell extremistische Gewalt den Alltag vieler Menschen treffen könne. Gemeint sind nicht nur politische Symbole oder staatliche Einrichtungen, sondern Stromversorgung, Unternehmen, Verkehr und öffentliche Sicherheit.
Was im Bericht steht
Der Berliner Verfassungsschutz beobachtet vor allem vier große Phänomenbereiche: Rechtsextremismus, Linksextremismus, auslandsbezogenen Extremismus und Islamismus. Hinzu kommen Themen wie Spionageabwehr, Wirtschaftsschutz, Scientology und verschwörungsideologische Bestrebungen.
Das rechtsextremistische Personenpotenzial in Berlin wird für 2025 mit 1.480 Personen angegeben. Der Bericht verweist dabei auf eine aggressiver auftretende Szene und auf neue rechtsextremistische Jugend- und Netzkulturen. Genannt werden unter anderem die Partei „Der III. Weg“, ihre Jugendorganisation „Nationalrevolutionäre Jugend“, die Partei „Die Heimat“ sowie Akteure der verfassungsschutzrelevanten „Neuen Rechten“.
Deutlich größer ist laut Bericht das linksextremistische Personenpotenzial. Es liegt in Berlin bei 3.950 Personen. Der Verfassungsschutz hebt besonders klandestin agierende Kleingruppen hervor, die Gewalt gegen staatliche Einrichtungen, Unternehmen und kritische Infrastruktur propagieren oder verüben. Brandanschläge auf Energieinfrastruktur und technische Anlagen stehen dabei im Zentrum der Sicherheitsdebatte.
Linksextremismus trifft zunehmend den Alltag
Relevant ist diese Entwicklung, weil linksextremistische Gewalt nicht nur politische Gegner oder Behörden adressiert. Wenn Stromleitungen, Kabelschächte, Funkmasten oder Firmenfahrzeuge angegriffen werden, können ganze Stadtteile, Betriebe und öffentliche Dienstleistungen betroffen sein.
Nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes hat die Ideologie des sogenannten Öko-Anarchismus zur Radikalisierung des gewaltorientierten Teils der linksextremistischen Szene beigetragen. Der schwerwiegendste im Bericht genannte Brandanschlag ereignete sich am 9. September 2025 im Berliner Ortsteil Johannisthal. In der Folge konnten zehntausende Berlinerinnen und Berliner über mehrere Tage nicht mit Strom versorgt werden.
Damit verschiebt sich die Wahrnehmung: Linksextremistische Gewalt erscheint nicht mehr nur als Randphänomen rund um Demonstrationen oder politische Auseinandersetzungen, sondern als konkrete Bedrohung für Infrastruktur und Versorgungssicherheit.
Islamismus: Propaganda erreicht immer jüngere Zielgruppen
Auch das islamistische Personenpotenzial ist gestiegen. Für Berlin nennt der Bericht 2.590 Personen. Der Zuwachs wird vor allem mit salafistischen Bestrebungen begründet. Besonders problematisch ist laut Verfassungsschutz die zunehmende Professionalisierung islamistischer Online-Propaganda.
Videos, Reels, Memes, Podcasts und kurze Erklärformate erreichen junge Menschen oft direkter als klassische Predigerstrukturen. Der Bericht beschreibt soziale Medien als zentralen Radikalisierungstreiber. Für Familien, Schulen, Jugendhilfe und Sicherheitsbehörden bedeutet das konkret: Prävention muss stärker dort stattfinden, wo Jugendliche tatsächlich kommunizieren.
Zum islamistischen Spektrum zählen laut Bericht sowohl legalistische Gruppen als auch gewaltbefürwortende und terroristische Strukturen. Genannt werden unter anderem salafistische Milieus, Hamas-Unterstützer und die Hisbollah. Die Gefährdungslage durch islamistischen Terrorismus bleibt nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden hoch.
Auslandsbezogener Extremismus und Antisemitismus
Der auslandsbezogene Extremismus umfasst in Berlin rund 1.700 Personen. Der größte Teil wird der PKK zugerechnet. Zugleich beschreibt der Bericht eine verfassungsschutzrelevante israelfeindliche Szene, die seit dem 7. Oktober 2023 besonders sichtbar geworden ist.
Zu den prägenden Akteuren zählt der Bericht unter anderem das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“, „BDS Berlin“ und „Young Struggle“. Der Verfassungsschutz sieht in israelfeindlicher Propaganda und antisemitischer Mobilisierung eine Schnittstelle zwischen auslandsbezogenem Extremismus und Teilen des inländischen Linksextremismus.
Für die Stadt ist das sicherheitspolitisch heikel. Berlin ist regelmäßig Schauplatz großer Demonstrationen, internationaler Konfliktprojektionen und emotional aufgeladener Debatten. Entscheidend bleibt, zwischen legitimer Kritik an Regierungshandeln, antisemitischer Hetze und extremistischer Mobilisierung klar zu unterscheiden.
Was noch offen ist
Offen bleibt, wie stark sich die einzelnen Szenen tatsächlich organisatorisch überschneiden. Ebenso offen ist, wie erfolgreich Sicherheitsbehörden digitale Radikalisierungsnetzwerke frühzeitig erkennen können, ohne Grundrechte unverhältnismäßig einzuschränken.
Auch die Frage nach wirksamer Prävention bleibt zentral. Der Bericht zeigt, dass Extremisten Jugendliche und junge Erwachsene gezielt ansprechen. Familien, Schulen, Vereine, Plattformbetreiber und Behörden stehen damit gemeinsam vor der Aufgabe, Radikalisierung früher zu erkennen.
Fazit: Extremismus wird zum Alltagsthema
Der Berliner Verfassungsschutzbericht 2025 zeigt, dass Extremismus in Berlin nicht nur ein Thema für Sicherheitskreise ist. Angriffe auf Infrastruktur, antisemitische Mobilisierung, islamistische Propaganda und rechtsextreme Jugendkulturen betreffen den gesellschaftlichen Alltag direkt.
Die zentrale Botschaft lautet: Die Bedrohung kommt nicht aus nur einer Richtung. Für Berlin wird entscheidend sein, Extremismus konsequent zu benennen, Straftaten zu verfolgen und Prävention dort zu stärken, wo Radikalisierung beginnt: im Alltag, in sozialen Netzwerken und in jungen Zielgruppen.
Was das konkret bedeutet
- Für Bürger: Extremistische Anschläge auf Infrastruktur können Stromversorgung, Verkehr, Kommunikation und Alltag unmittelbar beeinträchtigen.
- Für Familien und Schulen: Online-Radikalisierung wird zu einem größeren Präventionsthema, weil extremistische Gruppen gezielt Jugendliche ansprechen.
- Für Unternehmen: Firmen, Fahrzeuge, Energieanlagen und technische Infrastruktur können ins Visier politisch motivierter Täter geraten.
- Für Politik und Behörden: Sicherheitsbehörden müssen mehrere Extremismusformen parallel beobachten und dürfen die Gefahren nicht gegeneinander ausspielen.
- Für jüdisches Leben in Berlin: Antisemitische und israelfeindliche Mobilisierung bleibt ein Sicherheits- und Gesellschaftsproblem.
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite.
Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.
FAQ
Was ist passiert?
Der Berliner Senat hat den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 veröffentlicht. Der Bericht beschreibt wachsende extremistische Szenen in Berlin.
Welche Extremismusbereiche stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt stehen Rechtsextremismus, Linksextremismus, auslandsbezogener Extremismus und Islamismus. Zusätzlich behandelt der Bericht Spionageabwehr, Wirtschaftsschutz und weitere Beobachtungsfelder.
Warum ist der Bericht für Berlin wichtig?
Der Bericht zeigt, dass extremistische Aktivitäten nicht nur politische Institutionen betreffen. Anschläge auf Infrastruktur können direkt den Alltag von Bürgerinnen und Bürgern treffen.
Welche Szene ist zahlenmäßig besonders groß?
Nach den Angaben des Berliner Verfassungsschutzes ist das linksextremistische Personenpotenzial mit 3.950 Personen größer als die übrigen genannten Einzelbereiche.
Welche Rolle spielt das Internet?
Soziale Medien sind ein zentraler Radikalisierungstreiber. Extremistische Gruppen nutzen kurze Videos, Memes, Reels und andere Formate, um vor allem junge Menschen zu erreichen.
Was bleibt offen?
Offen bleibt, wie wirksam Prävention, digitale Beobachtung und Strafverfolgung gegen die unterschiedlichen Szenen künftig sein werden.
Quellen
- Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin: Pressemitteilung zum Berliner Verfassungsschutzbericht 2025, veröffentlicht am 2. Juni 2026
- Berliner Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2025
- Ergänzend: seriöse Medienberichte zur Vorstellung und Einordnung des Berichts
Kurz erklärt
Der Berliner Senat hat den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vorgelegt. Laut Bericht ist das verfassungsfeindliche Personenpotenzial in Berlin in allen beobachteten Phänomenbereichen gestiegen. Besonders relevant sind linksextremistische Brandanschläge auf Energieinfrastruktur, islamistische Radikalisierung über soziale Medien und eine aggressive israelfeindliche Mobilisierung. Betroffen sind nicht nur Sicherheitsbehörden und Politik, sondern auch Bürgerinnen und Bürger, wenn Anschläge Stromversorgung, Verkehr oder öffentliche Sicherheit beeinträchtigen. Offen bleibt, wie wirksam Prävention, Strafverfolgung und Beobachtung der digitalen Szene künftig greifen.
Faktenüberblick
Thema: Berliner Verfassungsschutzbericht 2025
Ereignis / Entscheidung: Vorlage und Veröffentlichung des Jahresberichts durch den Berliner Senat
Datum / Zeitraum: Bericht für das Jahr 2025, vorgestellt am 2. Juni 2026
Ort / Region: Berlin
Zentrale Akteure: Berliner Senat, Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Innensenatorin Iris Spranger, Berliner Verfassungsschutz
Betroffene: Bürgerinnen und Bürger, Sicherheitsbehörden, Schulen, Familien, Politik, Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastruktur
Wichtigste Folge: Extremismus wird in Berlin stärker als Sicherheits-, Infrastruktur- und Radikalisierungsproblem sichtbar
Stand der Informationen: Offizielle Angaben des Berliner Senats und des Berliner Verfassungsschutzes; weitere Ermittlungen zu einzelnen Taten laufen teils unabhängig davon