Bundeswehr legt zu, Abbruchquote bleibt hoch

Bundeswehr legt zu, Abbruchquote bleibt hoch
Mehr Soldaten, neue Hoffnung © Presse.Online

Bundeswehr wächst auf höchsten Stand seit 2014 – Pistorius setzt auf neuen Wehrdienst

Die Bundeswehr hat zum Jahresende 2025 erstmals seit 2014 wieder deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten in der aktiven Truppe. Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht darin Rückenwind für den geplanten neuen Wehrdienst warnt jedoch vor strukturellen Risiken.

Deutliches Plus bei Personal, Bestwert seit Aussetzung der Wehrpflicht

Zum Stichtag 31. Dezember 2025 zählte die Bundeswehr 184.200 aktive Soldatinnen und Soldaten. Das sind rund 3.000 mehr als ein Jahr zuvor. Pistorius sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von dem „besten Einstellungsergebnis seit Aussetzung der Wehrpflicht“ im Jahr 2011 und dem höchsten Personalstand seit zwölf Jahren.

Besonders stark wuchs der Bereich der freiwillig Wehrdienstleistenden: Ihre Zahl stieg 2025 auf 12.200, nach 10.300 im Vorjahr ein Plus von über 18 Prozent. Das Verteidigungsministerium hatte allerdings 15.000 als Zielmarke ausgegeben. Für 2026 peilt die Bundesregierung 20.000 freiwillig Wehrdienstleistende an. Der neue Wehrdienst, dessen gesetzliche Grundlagen seit Jahresbeginn gelten, soll zusätzlichen Zulauf bringen.

Vertrauen in die Truppe und politischer Rückenwind

Pistorius bewertet die Entwicklung als Signal gesellschaftlicher Akzeptanz. Die Bereitschaft junger Menschen, sich für die äußere Sicherheit Deutschlands zu engagieren, nehme zu, sagte der Minister. Der Zuwachs folge auf Jahre intensiver Werbekampagnen, in denen die Bundeswehr trotz höherer Einstellungen mit stagnierenden oder sinkenden Gesamtzahlen zu kämpfen hatte. 2024 lag der Bestand noch bei rund 181.150 Aktiven.

Politisch kommt der Trend zur rechten Zeit. Der sicherheitspolitische Druck in Europa, verschärft durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, hat die Debatte über Landes- und Bündnisverteidigung beschleunigt. Die Personalentwicklung gilt dabei als Schlüsselvariable.

Nato-Ziele setzen die Messlatte hoch

Der aktuelle Zuwachs reicht jedoch nicht aus, um die künftigen Anforderungen zu erfüllen. Um die neuen Zielvorgaben der NATO zu erreichen, soll die aktive Truppe bis Mitte der 2030er-Jahre auf 260.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Zusätzlich sind 200.000 Reservistinnen und Reservisten vorgesehen.

Die Reserve soll maßgeblich aus den Absolventinnen und Absolventen des neuen Wehrdienstes aufgebaut werden. Damit rückt nicht nur die Zahl der Neueinstellungen, sondern vor allem die Bindung des Personals in den Fokus.

Die Problemzahl: Abbruchquote bleibt hoch

Genau hier liegt der größte Schwachpunkt. Trotz mehr als 25.000 Neueinstellungen im Jahr 2025 ein Plus von 23 Prozent liegt die Abbruchquote weiterhin bei knapp 25 Prozent. Jede vierte Person beendet den Dienst vorzeitig.

Das Verteidigungsministerium kündigt Gegenmaßnahmen an: ein transparenteres Erwartungsmanagement vor Dienstantritt, mehr heimatnahe Verwendungsmöglichkeiten, bessere Infrastruktur und eine stärker sinnstiftende Ausbildung. Unzufriedenen Soldatinnen und Soldaten sollen zudem alternative Laufbahnen innerhalb der Bundeswehr eröffnet werden.

Wachstum ja, Stabilität noch offen

Der Personalzuwachs ist ein politisches Signal, aber noch kein struktureller Durchbruch. Kurzfristig zeigen sich Erfolge der Rekrutierung, langfristig entscheidet die Verbleibsquote über die Einsatzfähigkeit der Truppe. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies: Der neue Wehrdienst wird nicht nur an Zahlen gemessen, sondern an seiner Fähigkeit, Motivation in dauerhafte Bindung zu übersetzen.

Fazit:

Die Bundeswehr wächst wieder und erreicht einen Stand, der vor wenigen Jahren kaum realistisch schien. Ob daraus ein nachhaltiger Aufwuchs entsteht, hängt weniger von der Rekrutierung als von der Reduzierung der Abbruchquote ab. 2026 wird damit zum Bewährungsjahr für den neuen Wehrdienst.

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FAQ

Wie viele aktive Soldaten hat die Bundeswehr aktuell?
Zum Jahresende 2025 waren es 184.200 Soldatinnen und Soldaten in der aktiven Truppe.

Warum ist der neue Wehrdienst so wichtig?
Er soll zusätzliche Rekrutierung ermöglichen und zugleich die Basis für den Ausbau der Reserve bilden.

Was ist das größte Personalproblem der Bundeswehr?
Die Abbruchquote von rund 25 Prozent gilt als zentrale Herausforderung.

Welche Ziele verfolgt Deutschland im Nato-Rahmen?
Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten erreicht werden.

Wie will die Bundeswehr Abbrüche reduzieren?
Durch bessere Information vor Dienstbeginn, heimatnahe Einsätze, modernere Infrastruktur und alternative Laufbahnen.

Quellen:

  • Deutsches Bundesministerium der Verteidigung (BMVg): Personalzahlen und Zielvorgaben

  • Deutsche Presse-Agentur (dpa): Statements von Verteidigungsminister Boris Pistorius

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