Córdoba: Spur zu möglicher Unfallursache

Córdoba: Spur zu möglicher Unfallursache
Beamte sammeln Beweise an den Gleisen © Guardia Civil/AP

Zugkatastrophe von Córdoba: Hinweise auf gebrochene Schiene verdichten sich

Nach dem schweren Zugunglück in Andalusien dauern die Bergungsarbeiten an. Während noch Tote aus den Trümmern geborgen werden, verdichten sich Hinweise auf eine mögliche Ursache: eine gebrochene Schiene auf einer erst kürzlich renovierten Strecke.

Noch Tote in den Trümmern, Ermittler finden neue Spur

Noch immer sind nicht alle Opfer aus den Trümmern geborgen. Gleichzeitig rücken neue Hinweise zur Ursache der verheerenden Zugkatastrophe in der andalusischen Provinz Córdoba in den Fokus der Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen kamen mindestens 43 Menschen ums Leben, als zwei Hochgeschwindigkeitszüge frontal kollidierten.

Beamte der Guardia Civil knien auf den Gleisen, messen, fotografieren und sichern Spuren. Auf von der Behörde veröffentlichten Bildern ist deutlich eine gebrochene Schiene zu erkennen. Diese könnte nach Einschätzung der Ermittler eine zentrale Rolle bei dem Unglück gespielt haben ob als Ursache oder als Folge des Zusammenstoßes, ist bislang offen.

Verkehrsminister schließt Gleisschaden nicht aus

Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente erklärte, es sei nicht auszuschließen, dass der festgestellte Gleisschaden zu dem folgenschweren Unfall geführt habe. Zugleich mahnte er zur Zurückhaltung. Die Untersuchungen müssten klären, ob die gebrochene Schiene der Auslöser oder eine Folge der Kollision gewesen sei. Zitiert wurde Puente von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft RTVE.

Der Minister betonte zudem, dass es Tage, möglicherweise Wochen dauern werde, bis belastbare Ergebnisse vorlägen. „Bis dahin bleibt dieser Unfall schwer zu erklären“, sagte Puente. Besonders ungewöhnlich: Der Zusammenstoß ereignete sich auf einem geraden Streckenabschnitt ohne Weichen oder Signalanlagen. Nach bisherigen Feststellungen fuhren beide Züge zudem mit reduzierter Geschwindigkeit.

Frontalzusammenstoß nahe Adamuz

Die Tragödie ereignete sich am Sonntagabend gegen 19.40 Uhr nahe der Gemeinde Adamuz. Nach Angaben der spanischen Bahngesellschaft Renfe entgleisten die beiden letzten Waggons eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszuges bei einer Geschwindigkeit von etwas mehr als 200 Kilometern pro Stunde und gerieten auf das benachbarte Gleis.

Der Iryo-Zug wird von der italienischen Eisenbahngesellschaft Trenitalia betrieben und war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs. Zeitgleich näherte sich ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe mit rund 200 Passagieren auf dem Weg nach Huelva. Es kam zur frontalen Kollision.

Eine Überlebende schilderte gegenüber Medien die dramatischen Minuten: „Es gab eine Vollbremsung, dann wurde es stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut.“

„Extrem ungewöhnlicher Unfall“

Besonders brisant: Der betroffene Streckenabschnitt war erst kürzlich umfassend modernisiert worden. Nach Angaben des Verkehrsministeriums flossen rund 700 Millionen Euro in die Sanierung. „Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall“, sagte Puente mit Blick auf den Zustand der Infrastruktur.

Diese Aussage lenkt den Fokus der Ermittlungen auch auf mögliche strukturelle oder technische Versäumnisse. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass erst die Auswertung der Datenrekorder, Materialproben und Wartungsdokumente Aufschluss geben könne.

Staatstrauer und internationale Betroffenheit

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte am Unglücksort eine dreitägige Staatstrauer an. Von Dienstag bis Donnerstag sollen landesweit die Flaggen auf Halbmast wehen. Sánchez versprach, man werde „die Wahrheit über die Ursache ans Licht bringen“.

Bislang wurden 41 Tote geborgen, zwei weitere Leichen befinden sich nach Angaben der Sicherheitskräfte noch in den Trümmern. Unter den Opfern sollen sich auch deutsche Staatsangehörige befinden. Das Auswärtiges Amt erklärte in Berlin, man müsse leider davon ausgehen, dass auch Deutsche unter den Betroffenen seien.

Warum dieser Unfall jetzt so relevant ist

Das Unglück von Córdoba trifft Spanien in einer Phase intensiver Investitionen in den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Das Land gilt europaweit als Vorreiter beim Ausbau moderner Bahnstrecken. Umso größer ist der Erklärungsdruck, wenn es auf einer frisch renovierten Strecke zu einem der schwersten Eisenbahnunfälle der vergangenen Jahre kommt.

Politisch dürfte die Frage nach der Sicherheit der Infrastruktur an Bedeutung gewinnen nicht nur in Spanien, sondern europaweit. Für Fahrgäste, Betreiber und Aufsichtsbehörden steht Vertrauen auf dem Spiel. Die Ermittlungen werden daher auch über nationale Grenzen hinaus aufmerksam verfolgt.

Fazit

Während die Bergungsarbeiten andauern, konzentrieren sich die Ermittlungen auf die beschädigte Schiene als mögliche Schlüsselspur. Bis gesicherte Ergebnisse vorliegen, bleibt die Ursache der Katastrophe offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Aufklärung wird Zeit brauchen und sie wird weitreichende Konsequenzen für Sicherheit, Kontrolle und Transparenz im europäischen Bahnverkehr haben.

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FAQ zur Zugkatastrophe von Córdoba

Was ist bei dem Zugunglück von Córdoba passiert?
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidierten frontal, nachdem Waggons eines Zuges entgleist und auf das Gegengleis geraten waren.

Wie viele Menschen kamen ums Leben?
Nach aktuellem Stand mindestens 43 Menschen. Zwei Opfer konnten bislang noch nicht geborgen werden.

Was gilt als mögliche Ursache des Unfalls?
Ermittler prüfen eine gebrochene Schiene als mögliche Ursache oder Folge der Kollision. Ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor.

Warum gilt der Unfall als besonders ungewöhnlich?
Die Strecke war gerade erst umfassend renoviert worden und der Zusammenstoß ereignete sich auf einem geraden Abschnitt ohne Weichen oder Signale.

Sind auch ausländische Staatsangehörige betroffen?
Nach Angaben des Auswärtigen Amts ist davon auszugehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Opfern befinden.

Quellen:

  • Offizielle Mitteilungen der Guardia Civil

  • Aussagen des spanischen Verkehrsministeriums, zitiert von RTVE

  • Angaben der spanischen Bahngesellschaft Renfe

  • Erklärung des Auswärtigen Amts (Berlin)

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