Gasspeicher nur bei 23,5 %: Risiko für Deutschland
Gasspeicher in Deutschland sinken deutlich, was das für Winter, Preise und Versorgung bedeutet
Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell nur noch zu 23,5 Prozent gefüllt deutlich weniger als im Vorjahr und unter dem EU-Durchschnitt. Trotz stabiler Versorgung wirft der niedrige Stand Fragen zur Resilienz des Systems im weiteren Winterverlauf auf.
Gasspeicher in Deutschland: Aktueller Füllstand und Bedeutung
Die Gasspeicher in Deutschland sind am 16. Februar 2026 (6 Uhr) nur noch zu 23,5 Prozent gefüllt. Das betrifft Haushalte, Industrie und Energiepolitik gleichermaßen und verschärft die Debatte über Versorgungssicherheit im vierten Winter ohne russische Pipeline-Lieferungen.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur sank der Füllstand gegenüber dem Vortag um 0,45 Prozentpunkte. Der Wert liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 33,97 Prozent. Seit Ende 2022 fließt kein Erdgas mehr direkt aus Russland nach Deutschland eine Folge der Drosselungen durch Gazprom und des Stopps über Nord Stream 1 im Sommer 2022.
Wie voll sind die Gasspeicher und wie lange reicht das Gas?
Sind die Speicher vollständig gefüllt, können sie rechnerisch zwei bis drei sehr kalte Wintermonate abdecken. Allerdings waren die Speicher im Winter 2025/26 zu keinem Zeitpunkt vollständig ausgelastet.
Die Bundesnetzagentur betont, dass die Speicher nur ein Baustein der Versorgung sind. „Deutschland verfügt über ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten“, heißt es in einer aktuellen Lageeinschätzung der Behörde. Die Gasversorgung sei stabil, die Gefahr einer angespannten Lage derzeit gering.
Neben Speicherentnahmen fließt Gas über Pipelines aus Norwegen sowie als Flüssiggas (LNG) über Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran. Laut Branchenangaben wurden 2025 rund 106 TWh LNG importiert etwa 10,3 Prozent der gesamten Gasimporte. Rund 96 Prozent dieser LNG-Mengen stammen aus den USA.
Verbrauch und Struktur: Wie abhängig ist Deutschland noch von Gas?
Deutschland verbrauchte 2025 insgesamt 864 TWh Erdgas ein Anstieg um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 40 Prozent entfielen auf Haushalte und Gewerbe, 60 Prozent auf die Industrie. Besonders hoch ist der Verbrauch in den Wintermonaten Dezember und Januar. Noch immer werden rund 56 Prozent der Wohnungen mit Gas beheizt.
Das bedeutet: Sinkende Speicherstände treffen auf eine weiterhin hohe strukturelle Abhängigkeit insbesondere im Gebäudebereich.
Perspektiven: Regierung vs. Energieexperten
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erklärte bereits im März 2024, die Energiekrise sei „abgearbeitet“, die Versorgung „in jeder Hinsicht sicher“. Auch die Bundesnetzagentur sieht derzeit keine akute Gefährdung.
Energieexperten verweisen jedoch auf strukturelle Risiken. Der Branchenverband INES (Initiative Energien Speichern) weist darauf hin, dass Speicherstände stark witterungsabhängig sind. Ein länger anhaltender Kälteeinbruch könne die Entleerung beschleunigen. Zudem sei die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt volatil insbesondere bei LNG.
Warum der Füllstand über 100 % liegen kann
Ein technischer Aspekt sorgt regelmäßig für Irritation: Speicherstände können rechnerisch über 100 Prozent liegen. Laut INES basiert die 100-Prozent-Angabe auf Standardbedingungen. Kühlt sich das eingespeicherte Gas nach der Verdichtung ab, verringert sich sein Volumen und es passt mehr in den Speicher als ursprünglich kalkuliert.
Analyse: Warum das Thema jetzt relevant ist
Der aktuelle Stand von 23,5 Prozent ist kein Versorgungsnotstand. Doch er liegt signifikant unter früheren Vergleichswerten. Gleichzeitig steigen Verbrauch und geopolitische Unsicherheiten.
Die EU hat beschlossen, russische Gasimporte bis 2027 vollständig einzustellen. Für Deutschland bedeutet das: Die Abhängigkeit verschiebt sich weg von Russland, stärker hin zu Norwegen und dem globalen LNG-Markt. Diese Diversifizierung erhöht zwar die politische Unabhängigkeit, macht das System aber sensibler für Weltmarktpreise und Transportlogistik.
Für Verbraucher heißt das: Kurzfristig bleibt die Versorgung gesichert. Mittel- bis langfristig bleiben Gaspreise, Infrastrukturkosten und die Geschwindigkeit der Wärmewende zentrale Faktoren.
Fazit: Stabil aber nicht komfortabel
Die Gasversorgung in Deutschland ist laut Behörden stabil. Dennoch zeigt der niedrige Speicherstand, dass das Energiesystem weiterhin angespannt bleibt. Entscheidend wird sein, wie sich Wetter, Importpreise und Verbrauch im weiteren Winter entwickeln.
Beobachtet werden sollten insbesondere:
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die tägliche Speicherentwicklung
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die LNG-Importzahlen
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politische Entscheidungen zur Wärmewende
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FAQ: Häufige Fragen zu den Gasspeichern in Deutschland
Wie hoch ist der aktuelle Füllstand der Gasspeicher?
23,5 Prozent (Stand: 16. Februar 2026, 6 Uhr) laut Bundesnetzagentur.
Reicht das Gas für den Winter 2025/26?
Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist die Versorgung gesichert. Die Speicher sind jedoch niedriger gefüllt als im Vorjahr.
Woher kommt das Gas heute?
Vor allem aus Norwegen sowie als LNG über deutsche Terminals. Russische Lieferungen spielen keine direkte Rolle mehr.
Wie lange reichen volle Gasspeicher?
Rechnerisch zwei bis drei sehr kalte Wintermonate.
Warum können Speicherstände über 100 % liegen?
Durch Abkühlung des Gases nach der Einspeicherung verringert sich das Volumen, sodass mehr Gas gespeichert werden kann als ursprünglich kalkuliert.
Quellen
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Bundesnetzagentur: Lagebericht Gasversorgung, Speicherfüllstände
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Initiative Energien Speichern (INES): Technische Erläuterungen
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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Energieberichte 2025
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Angaben der LNG-Terminalbetreiber 2025