Evonik streicht 3.200 weitere Stellen
Evonik baut 3.200 weitere Stellen ab 2.150 in Deutschland
Der Spezialchemiekonzern Evonik will zwischen 2027 und Ende 2029 weltweit weitere 3.200 Arbeitsplätze abbauen. Allein in Deutschland sollen 2.150 Stellen wegfallen. Der Essener Konzern reagiert damit auf schwaches Wachstum, steigenden Wettbewerbsdruck und anhaltende Belastungen in der Chemieindustrie.
Der Abbau schließt sich unmittelbar an bereits laufende Sparprogramme an, durch die bis Ende 2026 rund 2.800 Stellen entfallen sollen. Parallel beendet Evonik 2027 sein seit Jahren unprofitables Polyester-Geschäft und schließt den Standort Witten.
Für die Beschäftigten besteht zunächst kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Welche Stellen und Bereiche im Einzelnen betroffen sind, soll in den kommenden Wochen mit den Arbeitnehmervertretungen ausgearbeitet werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidung: Evonik will weltweit 3.200 weitere Arbeitsplätze abbauen. Davon entfallen 2.150 Stellen auf Deutschland.
- Zeitpunkt: Die Maßnahmen sollen Anfang 2027 beginnen und bis Ende 2029 umgesetzt werden.
- Betroffene: Der Stellenabbau betrifft nach Unternehmensangaben Geschäfts- und Verwaltungseinheiten weltweit. Konkrete Abteilungen wurden noch nicht genannt.
- Folge: Evonik setzt auf effizientere Abläufe, Digitalisierung und die Auslagerung von Aufgaben. Auch die Verlagerung einzelner Verwaltungsfunktionen ins Ausland wird geprüft.
- Standorte: Das Polyester-Werk in Witten mit 266 Beschäftigten soll 2027 schließen. In Marl entfallen 45 Stellen, in Shanghai weitere 35.
- Status: Der Umfang des Stellenabbaus ist angekündigt und mit Arbeitnehmervertretern grundsätzlich vereinbart. Die konkrete Umsetzung ist noch offen.
- Schutzmechanismen: Nach Angaben der IGBCE gilt der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen weiterhin. Für welche Beschäftigtengruppen und Zeiträume dies im Einzelnen greift, muss noch konkretisiert werden.
- Quelle: Grundlage sind Mitteilungen der Evonik Industries AG und der Gewerkschaft IGBCE vom 18. Juni 2026.
Schwaches Geschäft verschärft den Spardruck
Evonik-Chef Christian Kullmann begründete den Schritt mit einer unsicheren weltpolitischen Lage, anhaltend schwachem Wirtschaftswachstum und einem härter werdenden internationalen Wettbewerb. Vorstand und Arbeitnehmervertreter hätten sich auf Maßnahmen verständigt, die sämtliche Geschäfts- und Verwaltungseinheiten einbeziehen.
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen den Druck: Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 3,43 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging um 15 Prozent auf 475 Millionen Euro zurück. Als Gründe nannte Evonik unter anderem negative Währungseffekte und geringere Absatzmengen.
Ende März 2026 beschäftigte der Konzern weltweit 30.643 Menschen. Ein Jahr zuvor waren es noch 31.585 gewesen ein Rückgang um 942 Beschäftigte.
Bis Ende 2026 fallen bereits 2.800 Stellen weg
Der nun angekündigte Abbau beginnt erst 2027. Zuvor läuft das bestehende Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“ weiter. Zusammen mit weiteren Optimierungen in den operativen Geschäften sollen dadurch zwischen Oktober 2023 und Ende 2026 rund 2.800 Arbeitsplätze entfallen.
Für die neue Sparrunde sieht der Konzern Potenzial durch mehr Digitalisierung, schlankere Prozesse und die Vergabe bestimmter Tätigkeiten an externe Dienstleister. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, Teile der Verwaltung ins Ausland zu verlagern.
Personalvorstand Thomas Wessel kündigte eine sozialverträgliche Umsetzung an. Die konkreten Instrumente und die Verteilung auf einzelne Standorte oder Unternehmensbereiche stehen bislang jedoch nicht fest.
Evonik schließt Polyester-Werk in Witten
Parallel zum konzernweiten Stellenabbau gibt Evonik sein globales Polyester-Geschäft im Segment Custom Solutions auf. Es erzielt nach Unternehmensangaben einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro, arbeitet jedoch seit Jahren nicht profitabel.
Besonders schwer trifft die Entscheidung den Standort Witten: Das dortige Werk mit 266 Beschäftigten soll 2027 vollständig geschlossen werden. In Marl entfallen 45 Arbeitsplätze, in der Produktionsanlage im chinesischen Shanghai weitere 35.
Evonik begründet das Aus mit globalem Wettbewerbsdruck, strukturellen Nachteilen in Europa und einer rückläufigen Marktentwicklung. Keine der geprüften Alternativen habe langfristig einen wirtschaftlich tragfähigen Weiterbetrieb ermöglicht.
IGBCE warnt vor immer neuen Sparprogrammen
Die Gewerkschaft IGBCE bezeichnete die Einschnitte als „harten Schlag“ für die Beschäftigten. Positiv wertet sie, dass der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen weiter gelten und eine größere Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Deutschland begrenzt werden soll.
Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft, die Maßnahmen eng mit den Arbeitnehmervertretungen abzustimmen. Weitere Sparprogramme allein schafften keine nachhaltige Perspektive. Evonik müsse auch seine Erlöse verbessern und Investitionen in wettbewerbsfähige Geschäftsfelder vorantreiben.
Evonik zieht sich bereits seit Jahren aus Massengeschäften zurück. Die verbleibenden Chemieaktivitäten sind vor allem in den Segmenten Custom Solutions und Advanced Technologies gebündelt. Weiterhin angestrebt wird die Trennung von Standardchemiegeschäften rund um den sogenannten C4-Verbund.
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FAQ zum Stellenabbau bei Evonik
Kommt es sofort zu Entlassungen?
Nein. Der neu angekündigte Stellenabbau soll erst 2027 beginnen und bis Ende 2029 laufen. Bis dahin gelten noch die bestehenden Sparprogramme, deren Umsetzung Ende 2026 abgeschlossen werden soll.
Sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen?
Nach Angaben der IGBCE gilt der vereinbarte Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen weiterhin. Die genaue Ausgestaltung und Reichweite der Schutzregelungen wurde bislang jedoch nicht veröffentlicht.
Welche deutschen Standorte sind betroffen?
Beim allgemeinen Abbau der 2.150 Stellen hat Evonik noch keine vollständige Standortliste genannt. Konkret bestätigt sind bislang die Schließung des Polyester-Standorts Witten und der Wegfall von 45 Stellen in Marl.
Sind die Polyester-Stellen in den 3.200 Stellen enthalten?
Aus der Unternehmensmitteilung geht nicht eindeutig hervor, ob sämtliche 346 genannten Arbeitsplätze des Polyester-Geschäfts bereits vollständig in der Zahl von 3.200 enthalten sind. Evonik führt die Beendigung des Geschäfts als weiteren Bestandteil seines Umbaus auf.
Wann erfahren Beschäftigte die Einzelheiten?
Evonik will die Details in den kommenden Wochen gemeinsam mit den Sozialpartnern ausarbeiten. Dazu gehören voraussichtlich die betroffenen Bereiche, Zeitpläne und Instrumente für einen sozialverträglichen Abbau.
Quellen
- Evonik Industries AG: „Evonik extends efficiency program Tailor Made“, 18. Juni 2026, Umfang, Zeitraum und Begründung des Stellenabbaus sowie Aufgabe des Polyester-Geschäfts; Primärquelle.
- Evonik Industries AG: Quartalsmitteilung Q1 2026, 8. Mai 2026, Umsatz, Ergebnis und Beschäftigtenzahl; Primärquelle.
- IGBCE: „IGBCE fordert Verlässlichkeit und Perspektiven bei Evonik“, Juni 2026, Bewertung und Angaben zu Schutzmechanismen; Primärquelle.
- Reuters: Bericht zum Evonik-Umbau, 18. Juni 2026, unabhängige Einordnung der Konzernentscheidung; Sekundärquelle.