Bergbräu beendet Produktion in Uslar

Bergbräu beendet Produktion in Uslar
Steigende Kosten und sinkender Absatz setzen vor allem kleinere regionale Brauereien unter Druck. © Bergbräu GmbH & Co.KG

Bergbräu schließt nach 158 Jahren: Brauerei-Aus in Uslar

Die Brauerei Bergbräu in Uslar stellt ihren Betrieb ein. Nach 158 Jahren soll die letzte Produktionsphase am 30. September 2026 enden; die verbliebenen 16 Beschäftigten verlieren nach aktuellem Stand ihre Arbeitsplätze.

Was passiert ist

Die Geschäftsführung von Bergbräu hat eine reguläre Liquidation eingeleitet. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Entscheidung am 29. Juli 2026 zur Eintragung beim Handelsregister angemeldet. Eine Insolvenz wurde nicht mitgeteilt.

Geschäftsführender Gesellschafter ist Andreas Papp. Die Beschäftigten wurden nach einem Bericht der regionalen „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ bei einer Betriebsversammlung über das Ende der Brauerei informiert und erhielten ihre Kündigungen.

Bis zum 30. September soll das vorhandene Produktionsprogramm abgeschlossen werden. Danach beginnt der Verkauf der verbliebenen Warenbestände direkt am Standort. Der Hofladen an der Rosenstraße soll voraussichtlich bis Ende Oktober geöffnet bleiben. Nach Angaben aus dem Unternehmen will Bergbräu bestehende Kunden und Veranstaltungen bis dahin weiter beliefern.

Bergbräu nennt einen anhaltend hohen Preisdruck und deutlich gestiegene Kosten für Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, Energie und Personal als Ursachen. Konkrete Geschäftszahlen, Verluste oder Umsatzentwicklungen veröffentlichte die Brauerei bislang nicht.

Papp erklärte gegenüber „Bild“, kleinere Hersteller könnten mit den Preisaktionen großer Anbieter im Einzelhandel kaum mithalten. Kunden orientierten sich zunehmend an Sonderangeboten und weniger an einzelnen Marken. Auch die Kosten für Aushilfen, Transporte und die Rückführung von Leergut belasteten das Geschäft. Diese Aussagen geben die Einschätzung des Unternehmers wieder.

Warum das relevant ist

Das Ende von Bergbräu ist zunächst eine regionale Wirtschaftsnachricht. Für Uslar verliert die Schließung jedoch mehr als einen Produktionsbetrieb. Seit 1868 wird unter dem Namen des späteren Unternehmens Bier gebraut. Bergbräu war im südlichen Niedersachsen und im nördlichen Hessen in Getränkemärkten, Gaststätten und Filialen großer Handelsketten vertreten.

Die Schließung fällt zugleich in eine schwierige Phase der gesamten deutschen Brauwirtschaft. Der Bierabsatz der deutschen Brauereien und Bierlager sank 2025 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Das waren knapp 500 Millionen Liter weniger und der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Zeitreihe im Jahr 1993. Alkoholfreies Bier und Malztrunk sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Der Rückgang trifft Unternehmen unterschiedlich. Große Hersteller können Kosten, Vertrieb und bundesweite Rabattaktionen meist auf wesentlich größere Mengen verteilen. Regionale Brauereien sind dagegen stärker von ihrem lokalen Absatzgebiet, dem Getränkefachhandel und der Gastronomie abhängig.

Gleichzeitig steigen in vielen Betrieben die Aufwendungen für Energie, Flaschen, Kästen, Rohstoffe, Löhne und Logistik. Sinkt der Absatz, verteilen sich diese Fixkosten auf weniger verkaufte Flaschen und Fässer. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck, ohne dass höhere Kosten vollständig an Verbraucher weitergegeben werden können.

Was daraus folgt

Für die 16 Beschäftigten bedeutet die Entscheidung nach aktuellem Stand das Ende ihrer Arbeitsverhältnisse. Angaben zu Abfindungen, Anschlussbeschäftigungen oder möglichen Transferlösungen liegen bislang nicht vor.

Für Handel, Gastronomie und Vereine in der Region fällt ein örtlicher Lieferant weg. Bergbräu kündigte zwar an, bestehende Kunden bis zum Ende des Abverkaufs weiter zu beliefern. Danach müssen Abnehmer ihre Sortimente und Lieferbeziehungen neu organisieren.

Auch für Uslar hat die Schließung Folgen. Die Stadt verliert einen Traditionsbetrieb, Arbeitsplätze und einen Teil ihrer regionalen Wirtschaftsgeschichte. Bürgermeister Torsten Bauer bezeichnete die Ankündigung als schweren Einschnitt und erklärte, die Stadt wolle noch für den Erhalt der Brauerei kämpfen. Welche konkreten Möglichkeiten dafür bestehen, wurde bisher nicht erläutert.

Das Bergbräu-Aus steht zudem nicht allein. Die Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei Westheim und die Brauerei Allersheim beantragten im Juli 2026 Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Dort läuft der Geschäftsbetrieb allerdings weiter. Produktion, Abfüllung und Auslieferung sollen während der Restrukturierung fortgesetzt werden. Beide Verfahren sind deshalb nicht mit der Liquidation von Bergbräu gleichzusetzen.

Was noch offen ist

Unklar bleibt, ob nach der eingeleiteten Liquidation noch ein Investor, Wettbewerber oder regionales Bündnis den Betrieb oder einzelne Vermögenswerte übernehmen könnte. Papp erklärte gegenüber „Bild“, frühere Gespräche mit Interessenten seien gescheitert. Namen, Verhandlungsstände oder mögliche Übernahmebedingungen wurden nicht genannt.

Offen ist auch, was mit dem Produktionsstandort, den Anlagen und den Markenrechten geschieht. Ebenso fehlen bislang Angaben dazu, ob Bergbräu-Produkte später unter einem neuen Eigentümer oder an einem anderen Standort weitergeführt werden könnten.

Für Inhaber von Genussscheinen besteht ebenfalls noch keine abschließende Klarheit. Nach Angaben der Geschäftsführung sollen sie im Verlauf der Liquidation über das weitere Verfahren informiert werden.

Fazit und Ausblick

Mit Bergbräu verschwindet nach aktuellem Stand eine seit 1868 bestehende regionale Biermarke. Die Schließung ist keine Insolvenzmeldung, sondern das Ergebnis einer eingeleiteten Unternehmensliquidation, nachdem die Geschäftsführung einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb nicht mehr für möglich hält.

Der Fall macht sichtbar, wie sinkender Absatz, hohe Betriebskosten und ein preisgetriebener Einzelhandel kleinere Brauereien unter Druck setzen. Ob aus dem angekündigten Widerstand der Stadt noch eine tragfähige Lösung entsteht, bleibt offen. Ohne neuen Betreiber endet die Produktion in Uslar am 30. September 2026.

Faktenüberblick

Thema: Krise regionaler Brauereien in Deutschland
Ereignis / Entscheidung: Bergbräu beendet den Brauereibetrieb und leitet die Liquidation ein
Datum / Zeitraum: Produktionsende geplant zum 30. September 2026
Ort / Region: Uslar, Landkreis Northeim, Niedersachsen
Zentrale Akteure: Bergbräu, Geschäftsführer Andreas Papp, Stadt Uslar
Betroffene: 16 Beschäftigte, regionale Händler, Gaststätten, Vereine und Kunden
Wichtigste Folge: Ende der Bierproduktion am Standort nach 158 Jahren
Stand der Informationen: Liquidation angekündigt; mögliche spätere Übernahme oder Fortführung nicht bestätigt

Konkrete Folgen auf einen Blick

  • Beschäftigte: Die 16 verbliebenen Mitarbeiter verlieren nach aktuellem Stand ihre Arbeitsplätze.
  • Kunden und Handel: Lieferungen sollen nur noch bis zum Abschluss der Produktion und des Abverkaufs erfolgen.
  • Gastronomie und Vereine: Regionale Abnehmer müssen künftig auf andere Lieferanten oder Biermarken ausweichen.
  • Verbraucher: Bergbräu-Produkte dürften nach dem Abverkauf schrittweise aus Handel und Gastronomie verschwinden.
  • Stadt Uslar: Die Kommune verliert einen Traditionsbetrieb und einen Teil ihrer regionalen Wirtschaftsgeschichte.

Offene Punkte im Überblick

  • Unklar bleibt, ob die Stadt oder weitere Interessenten noch ein tragfähiges Übernahmekonzept vorlegen können.
  • Nicht bestätigt ist, was mit der Marke Bergbräu und den Rezepturen geschieht.
  • Weitere Angaben zur künftigen Nutzung des Brauereistandorts liegen bislang nicht vor.
  • Offen ist, welche finanziellen Auswirkungen die Liquidation für Inhaber von Genussscheinen hat.
  • Angaben zu Abfindungen oder Unterstützungsangeboten für die Beschäftigten wurden nicht veröffentlicht.

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FAQ

Warum schließt die Brauerei Bergbräu?

Bergbräu nennt hohen Preisdruck sowie gestiegene Kosten für Rohstoffe, Verpackung, Energie und Personal. Nach Angaben der Geschäftsführung war ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich. Konkrete Geschäftszahlen wurden nicht veröffentlicht.

Wann endet die Produktion?

Die letzte Produktionsphase soll am 30. September 2026 abgeschlossen werden. Danach werden die verbliebenen Bestände verkauft.

Wie viele Beschäftigte sind betroffen?

Nach Angaben des Unternehmens sind 16 Mitarbeiter betroffen. Sie wurden über die Betriebseinstellung informiert und haben nach Medienberichten ihre Kündigungen erhalten.

Ist Bergbräu insolvent?

Nach aktuellem Stand wurde keine Insolvenz mitgeteilt. Das Unternehmen hat eine reguläre Liquidation eingeleitet. Dabei wird der Geschäftsbetrieb geordnet beendet und das Unternehmen abgewickelt.

Kann Bergbräu noch gerettet werden?

Uslars Bürgermeister hat angekündigt, für den Erhalt des Standorts kämpfen zu wollen. Frühere Gespräche mit Investoren sind nach Angaben des Geschäftsführers gescheitert. Eine konkrete neue Lösung ist bislang nicht bekannt.

Warum geraten deutsche Brauereien unter Druck?

Der Bierabsatz ist seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig belasten höhere Kosten für Energie, Personal, Verpackung, Rohstoffe und Logistik die Betriebe. Kleine und regionale Brauereien können Kostensteigerungen und Rabattaktionen großer Anbieter häufig schwerer auffangen.

Quellen

  • Pressemitteilung der Brauerei Bergbräu: „Brauerei Bergbräu beendet den Brauereibetrieb – reguläre Liquidation wird eingeleitet“, veröffentlicht am 29. Juli 2026.
  • Hessische/Niedersächsische Allgemeine: „Bergbräu stellt Betrieb ein – Ende nach 158 Jahren Uslarer Brauereigeschichte“, Stand 29. Juli 2026.
  • Statistisches Bundesamt: „6,0 % weniger Bier im Jahr 2025 abgesetzt“, veröffentlicht am 2. Februar 2026.
  • BBL Brockdorff Rechtsanwaltsgesellschaft: Mitteilung zu den Eigenverwaltungsverfahren der Brauereien Westheim und Allersheim, Juli 2026.
  • „Bild“: Interviewaussagen von Andreas Papp zu Preisdruck, Kosten und gescheiterten Investorengesprächen, veröffentlicht am 31. Juli 2026.

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