Marathon geschafft. Am BER hieß es: warten

Marathon geschafft. Am BER hieß es: warten
Systembild: Flughafen BER: Nach dem Berlin-Marathon berichteten Reisende am 28. September 2026 von langen Schlangen © KI-generierte Illustration.

Nach Berlin-Marathon: Lange Schlangen am BER bei der Abreise

Berlin. Am Tag nach dem Berlin-Marathon kam es am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zu langen Schlangen. Die Berliner Zeitung berichtete am Montag von wartenden Reisenden vor Abfertigungsschaltern und Sicherheitskontrollen. Unter ihnen waren zahlreiche Menschen, die nach dem Laufwochenende Berlin verließen. Der Flughafen bestätigte längere Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle am Vormittag, bezeichnete das erwartete Passagieraufkommen aber nicht als außergewöhnlich.

Damit stellt sich eine konkrete Frage für Berlin: Wie gut ist der Flughafen auf die Abreise nach einem lange geplanten internationalen Großereignis eingestellt? Aus den bislang veröffentlichten Angaben lässt sich weder eine durchschnittliche Wartezeit für Montag noch die Zahl verpasster Flüge ableiten.

Der Andrang nach dem Marathon war absehbar

Mehr als 56.000 Teilnehmende wurden für den Berlin-Marathon 2026 erwartet. Der Lauf fand am Sonntag, 27. September, statt; der folgende Montag war für viele Gäste ein naheliegender Abreisetag. Auch die InnoTrans fiel in die Tage vor dem Marathonwochenende. Die zeitliche Nähe erklärt, weshalb am BER mit vielen Reisenden zu rechnen war. Sie belegt für sich genommen allerdings nicht, welcher Anteil des Andrangs auf welche Veranstaltung entfiel.

Nach Angaben des Flughafens gegenüber der Berliner Zeitung wurden von Freitag bis Montag insgesamt rund 360.000 Fluggäste erwartet, am Montag etwa 94.000. Der BER erklärte, er und seine Partner seien auf diese Zahlen vorbereitet. Zugleich räumte sein Sprecher ein, dass es am Montagvormittag an der Sicherheitskontrolle zu längeren Wartezeiten gekommen sei. Ansagen im Terminal und freiwillige Mitarbeitende sollten Reisenden bei der Orientierung helfen.

Lange Schlange, aber noch keine vollständige Bilanz

Der Bericht der Berliner Zeitung beschreibt die Lage vor Ort und enthält die Stellungnahme des Flughafens. Eine belastbare Bilanz des Abreisetags liefern diese Angaben noch nicht: Offen sind insbesondere die Wartezeiten an den einzelnen Kontrollen, die Dauer der Spitzenbelastung und mögliche Auswirkungen auf Abflüge. Eine im Bericht geschilderte Wartezeit von vier Stunden und 15 Minuten betrifft zudem die Passkontrolle bei der Einreise am Freitag, nicht die Sicherheitskontrolle bei der Abreise am Montag. Beide Vorgänge dürfen nicht miteinander vermischt werden.

Für die Einordnung zählt auch, wo der Engpass entstand. Check-in, Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrolle und Passkontrolle sind verschiedene Schritte einer Flugreise. Wer aus den Schlangen auf ein bestimmtes organisatorisches Versäumnis schließen will, braucht deshalb Angaben zu den tatsächlich verfügbaren Kapazitäten und zu den Wartezeiten je Bereich.

Was der BER für künftige Großereignisse erklären sollte

Der Marathontermin stand lange fest. Gerade deshalb ist die Frage nach der Vorbereitung berechtigt: Mit welchen Abreisewellen rechnete der BER für Montag, welche Kapazitäten waren zu den Stoßzeiten vorgesehen und wie schnell konnte auf längere Schlangen reagiert werden? Eine öffentliche Auswertung würde zeigen, ob die beobachteten Wartezeiten ein kurzer Spitzenwert waren oder auf einen Engpass hinweisen, der sich beim nächsten Großereignis wiederholen könnte.

Der Flughafen veröffentlicht Wartezeiten der Sicherheitskontrollen auf seiner Website, in der BER-App und auf Monitoren vor Ort. Reisende können laut BER sämtliche Sicherheitskontrollen für jedes Gate nutzen. Der frühere Buchungsservice BER Runway wurde im Mai 2026 eingestellt; ein entsprechender Zeitslot kann daher für die nächste Reise nicht mehr reserviert werden.

Für Berlin geht es bei der Debatte um mehr als eine zugespitzte „BER-Blamage“. Ein schlechter letzter Eindruck kann die Wahrnehmung einer Reise prägen. Ob die Wartezeiten nach diesem Marathon Berlins Ruf messbar geschadet haben, ist bislang jedoch nicht belegt. Zunächst braucht es eine nachvollziehbare Bilanz des Abreisetags.

Quellen und Transparenz: Grundlage für die Beobachtungen im Terminal sowie die zitierte BER-Stellungnahme sind die Vor-Ort-Recherche der Berliner Zeitung vom 28. September 2026 und ihr gesonderter, als Kommentar gekennzeichneter Beitrag. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin dokumentiert den Marathontermin und die erwartete Teilnehmerzahl; der BER erläutert seine Sicherheitskontrollen. Presse.Online liegt keine eigene Beobachtung vom BER und keine unabhängige Auswertung der Wartezeiten vor.

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