Bodensee: Niedrigwasser stoppt Schifffahrt
Bodensee verliert weiter Wasser: Schifffahrt teils gestoppt
Der Bodensee führt auch Anfang Oktober ungewöhnlich wenig Wasser. Am Pegel Konstanz wurden zuletzt nur 248 Zentimeter gemeldet. Auf dem Untersee haben die Bodensee-Schiffsbetriebe ihren Verkehr eingestellt. Regen fehlt.
Wasserstand liegt deutlich unter dem üblichen Niveau
Konstanz. An den Ufern des Bodensees werden Flächen sichtbar, die sonst unter Wasser liegen. Aufnahmen zeigen trocken gefallene Bootsstege und Boote im Schlick. Der niedrige Wasserstand beeinträchtigt inzwischen auch den Schiffsverkehr.
BILD berichtet für den 4. Oktober um 12.32 Uhr von einem Pegelstand in Konstanz von 250 Zentimetern. Das seien 106 Zentimeter weniger als der langjährige Mittelwert für diesen Kalendertag. Am folgenden Nachmittag sank der gemeldete Wert auf 248 Zentimeter. Die Oktoberwerte stammen aus dem Medienbericht.
Die Entwicklung hatte sich lange vor dem Herbst abgezeichnet. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) wurden am 25. Juni nur 331 Zentimeter gemessen, 80 Zentimeter weniger als im langjährigen Durchschnitt für diesen Tag. Es war der zweitniedrigste Wasserstand an einem 25. Juni in der bisherigen Messreihe. Normalerweise erreicht der See gegen Ende Juni seinen jährlichen Höchststand.
Auf dem Untersee fallen BSB-Verbindungen aus
Die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) bestätigen auf ihrer Fahrplanseite, dass ihr Verkehr auf dem Untersee bis auf Weiteres vollständig eingestellt ist. Betroffen sind Radolfzell, Iznang, Mannenbach und Reichenau sowie die Kurse 613 bis 620.
Auf dem Obersee und dem Überlinger See werden die Landestellen laut BSB weiterhin angefahren. Dort erschwert das Niedrigwasser jedoch den Zugang zu den Schiffen: Viele Einstiegsbrücken sind sehr steil.
An den Landestellen Immenstaad, Hagnau, Dingelsdorf, Überlingen, Langenargen und Kressbronn ist die Beförderung von Rollstühlen, Fahrrädern und Fahrradanhängern derzeit nicht möglich. An anderen Anlegestellen gelten ebenfalls Einschränkungen. Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste sind teilweise auf ihre Begleitpersonen angewiesen; die Besatzungen können nur begrenzt helfen.
Wer eine Fahrt plant, sollte deshalb die aktuellen Betriebshinweise prüfen. Auch auf weiterhin bedienten Strecken können Verspätungen auftreten.
Dem See fehlen Regen und Schmelzwasser
Die LUBW nennt mehrere Ursachen für das Niedrigwasser: einen schneearmen Winter in den Alpen, ausbleibenden Regen und hohe Verdunstung während heißer Sommertage. Dadurch fehlte im Frühjahr Schmelzwasser. Zugleich führten die Zuflüsse, insbesondere der Alpenrhein, weniger Wasser als üblich.
Bereits am 13. August lag der Pegel Konstanz bei 275 Zentimetern. Damit wurde der bisherige Tiefstwert für dieses Datum aus dem Jahr 2003 um 25 Zentimeter unterschritten. Die ausgewertete Messreihe reicht bis 1850 zurück.
An heißen Sommertagen können nach Angaben der Behörde bis zu 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Bodensee verdunsten. Üblicherweise gleichen die Zuflüsse solche Verluste aus. In diesem Jahr reichte der Nachschub dafür nicht aus.
Niedrigwasser ist kein Beleg für ein bevorstehendes Austrocknen
Die freigelegten Ufer machen den Rückgang sichtbar. Daraus lässt sich aber keine Prognose ableiten, dass der gesamte See in absehbarer Zeit verschwindet.
Auch Rekordangaben brauchen einen zeitlichen Bezug. Ein Tiefstwert für einen bestimmten Sommertag ist etwas anderes als der niedrigste Wasserstand der gesamten Messreihe. Den historischen Tiefststand am Pegel Konstanz beziffert die LUBW auf 226 Zentimeter, gemessen über mehrere Tage Ende Februar und Anfang März 1858.
Für eine nachhaltige Erholung ist ausreichend Niederschlag im Einzugsgebiet nötig. Einzelne Regenschauer am Ufer reichen dafür nicht zwangsläufig aus. Die LUBW hatte bereits im Juni erklärt, dass die weitere Entwicklung vom Regen im Einzugsgebiet und dem Zufluss aus den Alpen abhängt. Damals sah die Behörde die Funktion des Bodensees als Trinkwasserspeicher bei den gemeldeten Wasserständen nicht gefährdet. Diese Einschätzung bezog sich auf die damalige Lage.
Quellen
- BILD: Bilder und Grafik zeigen das Ausmaß des Niedrigwassers, 5. Oktober 2026.
- Bodensee-Schiffsbetriebe: Fahrplan und aktuelle Einschränkungen, abgerufen am 6. Oktober 2026.
- LUBW: Bodensee erreicht bisher niedrigsten Wasserstand des Jahres 2026, 15. August 2026.
- LUBW: Außergewöhnlich niedriger Wasserstand am Bodensee, Juni 2026.
- Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg: Lageberichte und Zugang zu Pegeldaten.
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