Viele Apotheken heute geschlossen
Apotheken bleiben heute vielerorts geschlossen der Protest zeigt, wie fragil die Versorgung vor Ort geworden ist
Zahlreiche Apotheken in Berlin und Brandenburg bleiben am heutigen Montag, 23. März 2026, geschlossen. Für Patientinnen und Patienten mit akutem Bedarf soll die Versorgung dennoch gesichert bleiben über die notdiensthabenden Apotheken.
Protesttag der Apotheken: Was heute konkret passiert
Hintergrund ist ein bundesweiter Protesttag der Apothekerschaft, den die Mitgliederversammlung der ABDA bereits Ende Februar beschlossen hatte. Landesverbände riefen dazu auf, Apotheken am 23. März geschlossen zu halten; parallel finden zentrale Kundgebungen in Berlin, München, Düsseldorf und Hannover statt.
Für Berlin hat die Apothekerkammer klargestellt, dass die pharmazeutische Versorgung trotz des Protesttages gewährleistet bleiben soll. Wer dringend Medikamente braucht, soll sie über die Notdienstapotheken erhalten. Allerdings kann es durch längere Wege und die Konzentration auf weniger geöffnete Standorte zu Einschränkungen kommen. Die nächstgelegene Notdienstapotheke lässt sich online über die Apothekerkammer Berlin oder bundesweit über die offizielle Notdienstsuche finden.
Auch in Brandenburg bleibt die Notfallversorgung nach Angaben offizieller Stellen aufrechterhalten. Das Brandenburger Gesundheitsministerium verweist darauf, dass Notdienstapotheken geöffnet bleiben, obwohl sich viele reguläre Betriebe am Protest beteiligen.
Wer betroffen ist und warum das Thema größer ist als ein eintägiger Protest
Direkt betroffen sind vor allem Menschen, die heute ein Rezept einlösen, ein dringend benötigtes Arzneimittel abholen oder eine spontane pharmazeutische Beratung brauchen. Besonders relevant ist das für ältere Menschen, chronisch Kranke, Familien mit Kindern und Patienten, die auf kurzfristige Medikamentengaben angewiesen sind. Die Versorgung bricht nicht zusammen, aber sie wird vorübergehend weniger bequem, weniger nah und in manchen Fällen langsamer.
Der Protest verweist zugleich auf ein tieferes Problem: die wirtschaftliche Lage vieler Vor-Ort-Apotheken. Laut ABDA ist die Zahl der Apotheken in Deutschland bis Ende 2025 auf 16.601 Betriebsstätten gesunken der niedrigste Stand seit Jahrzehnten. In Brandenburg sank die Zahl nach Angaben des Gesundheitsministeriums von 580 Apotheken im Jahr 2013 auf 526 im März 2026.
Die Verbände begründen ihren Protest vor allem mit stagnierenden Erlösen bei zugleich deutlich gestiegenen Kosten. Das Festhonorar für verschreibungspflichtige Arzneimittel liegt nach ABDA-Angaben weiterhin bei 8,35 Euro zuzüglich gesetzlicher Zuschläge; eine Erhöhung gab es seit 2013 nicht. Gleichzeitig seien Personal-, Energie-, IT- und Mietkosten deutlich gestiegen.
Perspektiven: Was Verbände und Institutionen sagen
Anke Rüdinger, Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins, sagte laut übereinstimmenden Berichten, wer die Vor-Ort-Apotheken weiter „wirtschaftlich ausbluten“ lasse, gefährde die flächendeckende, sichere und schnelle Arzneimittelversorgung für Bürger. Die Aussage verweist auf den Kern des Konflikts: Es geht nicht nur um den einzelnen Protesttag, sondern um die Frage, wie tragfähig die Präsenzversorgung noch ist.
Andrea König, Vorsitzende des Apothekerverbands Brandenburg, sprach von einer „existenzbedrohenden Situation“ vieler Betriebe. Nach Angaben des Verbands sei das Honorar für rezeptpflichtige Medikamente seit 13 Jahren nicht erhöht worden, obwohl Löhne und laufende Kosten gestiegen seien.
Warum der Protest jetzt besonders relevant ist
Der heutige Protest ist deshalb relevant, weil er ein Alltagsproblem sichtbar macht, das sonst meist schleichend verläuft. Eine Apotheke verschwindet nicht in einem großen Knall, sondern Stück für Stück aus dem Nahbereich von Stadtteilen, Vororten und ländlichen Regionen. Der Protest macht daraus für einen Tag ein spürbares Ereignis: geschlossene Türen, längere Wege, mehr Druck auf wenige Notdienste.
Strukturell geht es um die Frage, ob das bisherige Vergütungssystem noch ausreicht, um eine flächendeckende Versorgung mit Beratung, Rezeptabgabe, Akutversorgung und Nacht- beziehungsweise Notdiensten zu tragen. Solange die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht angepasst werden, dürfte der Rückgang der Apothekenzahl nach Einschätzung der Verbände weitergehen. Ob und wann politische Zusagen zu einer höheren Vergütung umgesetzt werden, wird damit zu einer versorgungspolitischen Schlüsselfrage.
Was das konkret bedeutet
- Für Bürger: Heute kann der Weg zur nächsten geöffneten Apotheke deutlich länger sein.
- Für Verbraucher: Wer planbare Rezepte oder Besorgungen hat, muss mit Wartezeiten und Umwegen rechnen.
- Für Beschäftigte: Der Protest macht den wirtschaftlichen Druck auf Teams in den Apotheken sichtbar.
- Für Kommunen: Jede weitere Schließung schwächt die wohnortnahe Grundversorgung.
- Für Politik: Die Debatte über Honorare und die Zukunft der Vor-Ort-Apotheke wird akuter.
Fazit und Ausblick
Der Protesttag am 23. März 2026 führt heute zwar regional zu spürbaren Einschränkungen, nicht aber zu einem Ausfall der Notfallversorgung. Gerade darin liegt die eigentliche Botschaft des Tages: Noch funktioniert das System, weil Notdienste einspringen. Entscheidend wird nun, ob aus dem Protest politischer Handlungsdruck entsteht oder ob die Schließungswelle bei den Apotheken vor Ort weitergeht.
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FAQ
Sind heute alle Apotheken in Berlin und Brandenburg geschlossen?
Nein. Zahlreiche Apotheken beteiligen sich am Protest, aber Notdienstapotheken bleiben geöffnet.
Wo finde ich eine geöffnete Notdienstapotheke?
Über die Notdienstsuche der Apothekerkammer Berlin oder bundesweit über die offizielle Suche von aponet.
Bekomme ich heute dringend benötigte Medikamente?
Ja, nach Angaben der Apothekerorganisationen bleibt die Akutversorgung über Notdienstapotheken gewährleistet.
Warum protestieren die Apotheken?
Die Verbände verweisen auf seit 2013 unveränderte Honorare bei deutlich gestiegenen Personal- und Betriebskosten.
Was steht langfristig auf dem Spiel?
Die flächendeckende Versorgung mit wohnortnahen Vor-Ort-Apotheken, vor allem wenn die Zahl der Schließungen weiter steigt.
Quellenliste:
- ABDA: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
- Apothekerkammer Berlin
- Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg
- aponet / offizielle Notdienstsuche
- dpa-Berichte zum Protesttag in Berlin und Brandenburg