Reiches PR-Etat löst neue Fragen aus
Wirtschaftsministerium beauftragt PR-Agenturen für bis zu 12 Millionen Euro das hat politische Folgen
Das Bundeswirtschaftsministerium setzt laut ZEIT auf externe Unterstützung durch zwei PR-Agenturen. Betroffen ist nicht nur die politische Kommunikation des Hauses, sondern auch die Frage, wie transparent Ministerien mit millionenschweren Beratungsaufträgen umgehen.
Was passiert ist
Nach einem Bericht der ZEIT wird das Bundeswirtschaftsministerium von Ministerin Katherina Reiche seit Februar 2026 in der Öffentlichkeitsarbeit von Scholz & Friends und FGS Global unterstützt. Das Ministerium bestätigte dem Bericht zufolge die Zusammenarbeit und erklärte, die Vereinbarung sei europaweit ausgeschrieben worden, nachdem ein früherer Vertrag ausgelaufen sei. Zum Umfang und zur Vergütung äußere sich das Haus nach eigenen Angaben „zum Schutz vertraulicher Daten“ nicht. Eine in der Ausschreibung genannte Obergrenze beziffert den Höchstwert der Vereinbarung laut ZEIT auf zwölf Millionen Euro.
Bereits Anfang März hatte das Branchenmedium turi2 unter Berufung auf Horizont berichtet, Scholz & Friends habe sich in einem beschleunigten Vergabeverfahren gegen fünf Wettbewerber durchgesetzt. Das Mandat laufe demnach bis zum 4. Februar 2028 und habe einen geschätzten Wert von elf Millionen Euro. ZEIT berichtet nun zusätzlich über die Einbindung von FGS Global und nennt für die Vereinbarung einen Höchstwert von bis zu zwölf Millionen Euro.
Warum der Vorgang politisch sensibel ist
Externe Kommunikationsberatung in Ministerien ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Genau darauf verweist laut ZEIT auch eine Sprecherin des Ministeriums: Die Pressestelle bleibe zuständig, Agenturen berieten zusätzlich strategisch. Politisch heikel wird der Fall aber dort, wo öffentliche Kommunikation, politische Steuerung und erhebliche Kosten zusammenfallen. Denn sobald Ministerien externe Agenturen mit strategischer Kommunikation beauftragen, geht es nicht nur um klassische Pressearbeit, sondern auch um Deutungshoheit, Themenmanagement und die Priorisierung politischer Botschaften.
Hinzu kommt der Zeitpunkt. ZEIT beschreibt interne Unruhe in der Kommunikationsabteilung des Hauses, personelle Wechsel und Kritik an Reiches Pressearbeit. Parallel arbeitet das Ministerium an konfliktträchtigen Vorhaben, darunter am Gebäudeenergie- beziehungsweise Gebäudemodernisierungsgesetz, an Stromnetzfragen und an der Reform der Ökostromförderung. Gerade in einer solchen Phase bekommt professionelle Kommunikationssteuerung zusätzliches Gewicht.
Perspektiven: Ministerium und Opposition
Aus Sicht des Ministeriums dürfte der Auftrag mit Funktionsfähigkeit begründet werden: Wenn Gesetze, Reformen und energiepolitische Kurswechsel erklärt werden müssen, wächst der Druck auf professionelle, konsistente Kommunikation. Das ist institutionell nachvollziehbar, zumal Regierungsarbeit ohne öffentliche Vermittlung politisch kaum wirksam wird.
Aus Sicht der Opposition verschiebt sich der Fokus jedoch auf Kontrolle und Transparenz. Die Bundestagsfraktion der Grünen hat dazu am 25. März 2026 eine Kleine Anfrage eingebracht. Darin fragt sie nach Direktvergaben, Auftragshöhen, beteiligten Agenturen, Vergütungsformen und sogar danach, ob externe Dienstleister Reden für die Ministerin oder Staatssekretäre vorbereiten oder ausformulieren. Allein diese Fragestellung zeigt, dass der Vorgang inzwischen über eine gewöhnliche Etatvergabe hinaus politisch relevant geworden ist.
Analyse: Warum das jetzt relevant ist
Der Fall ist jetzt relevant, weil er drei Ebenen gleichzeitig berührt.
Erstens geht es um Steuergeld und Prioritäten. Eine Vereinbarung mit einem Höchstwert von bis zu zwölf Millionen Euro ist keine Randnotiz, sondern ein Budgetposten, der politisch erklärungsbedürftig ist.
Zweitens geht es um Vertrauen in staatliche Kommunikation. Wenn Ministerien externe Strategieberatung einsetzen, wächst regelmäßig die Frage, wo Information endet und politisches Messaging beginnt. Gerade bei umstrittenen Vorhaben wie Energie- und Heizungspolitik ist das sensibel, weil Bürger und Unternehmen auf nachvollziehbare, nüchterne Kommunikation angewiesen sind. Die frühere Berichterstattung über das Mandat verwies bereits darauf, dass politische Entscheidungen „einfach und verständlich“ aufbereitet werden sollen.
Drittens geht es um demokratische Kontrollmechanismen. Wenn das Ministerium Details zu Umfang und Vergütung nicht offenlegt, während zugleich parlamentarische Nachfragen anlaufen, wird Transparenz selbst zum politischen Thema. Entscheidend ist nun, ob die Bundesregierung die offenen Fragen des Bundestags präzise beantwortet und die Grenzen zwischen legitimer Kommunikationsunterstützung und politischer Imagepflege klar erläutert.
Was das konkret bedeutet
- Für Bürger: Der Fall berührt die Frage, wie offen Ministerien mit dem Einsatz von Steuergeld für Kommunikation umgehen.
- Für Verbraucher: Bei Energie- und Heizungsthemen wird verständliche Kommunikation wichtiger, weil politische Entscheidungen direkt im Alltag ankommen.
- Für Beschäftigte in Unternehmen: Wirtschaftspolitische Botschaften beeinflussen Erwartungen, Investitionsentscheidungen und Planungssicherheit.
- Für die Politik: Der Vorgang erhöht den Druck auf das Ministerium, Vergaben, Zuständigkeiten und Kommunikationsziele nachvollziehbar zu machen.
- Für die Verwaltung: Externe Beratung bleibt möglich, muss aber in sensiblen Politikfeldern besonders sauber begründet und kontrolliert werden.
Fazit und Ausblick
Der Auftrag an Scholz & Friends und FGS Global ist mehr als eine Personalie der Regierungs-PR. Er berührt Fragen von Transparenz, politischer Kommunikation und dem Umgang mit öffentlichen Mitteln. Entscheidend wird nun, was aus den parlamentarischen Nachfragen folgt, ob das Ministerium seine Vergabepraxis detaillierter erklärt und wie klar sich externe Beratung von politischer Inszenierung abgrenzen lässt.
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FAQ
Was ist genau passiert?
Laut ZEIT unterstützt seit Februar 2026 zwei Agenturen die Öffentlichkeitsarbeit des Bundeswirtschaftsministeriums; der Höchstwert der Vereinbarung liegt laut Ausschreibung bei bis zu zwölf Millionen Euro.
Welche Agenturen sind beteiligt?
Genannt werden Scholz & Friends und FGS Global.
Ist externe Kommunikationsberatung in Ministerien ungewöhnlich?
Nein. Laut ZEIT verweist das Ministerium selbst darauf, dass externe Kommunikationsberatung in Häusern der Bundesregierung üblich sei.
Warum sorgt der Fall trotzdem für Kritik?
Weil es um einen hohen Auftragswert, unklare Detailoffenlegung und die Frage geht, wie weit externe Dienstleister politische Kommunikation beeinflussen.
Was passiert jetzt als Nächstes?
Im Bundestag liegt eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion vor, die genauere Auskunft über Vergaben, Leistungen und Kosten verlangt.
Quellenliste ohne Links
- DIE ZEIT, „Katherina Reiche: Krisenhilfe für die Wirtschaftsministerin“, 27. März 2026
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/4957, Kleine Anfrage „Direktvergaben und Kommunikationsberatung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie“, 25. März 2026
- turi2 unter Berufung auf Horizont, „Scholz & Friends gewinnt Kommunikationsetat des Bundeswirtschaftsministeriums“, 2. März 2026
- Vergabeblog, „Externe Berater im Bundeswirtschaftsministerium thematisiert“, 31. März 2026