Zoo Zajac: Insolvenz landet vor Gericht
Zoo Zajac Insolvenz in Duisburg: Millionenstreit vor Gericht rückt Verantwortung von Geschäftsführern in den Fokus
Zoo Zajac war lange ein Symbol für Größe, Reichweite und Kontroverse im deutschen Zoofachhandel. Nun geht es nicht mehr um Aquarien, Terrarien oder YouTube-Reichweite, sondern um Millionenbeträge, Insolvenzrecht und Verantwortung.
Das einst als größte Zoohandlung der Welt bekannte Geschäft in Duisburg ist geschlossen, die Halle abgerissen, der Name bleibt jedoch ein Fall für die Justiz. Nach Medienberichten soll ein Verfahren im Zusammenhang mit der Insolvenz im kommenden Monat eröffnet werden. Im Mittelpunkt steht ein Investor, der 2024 noch hohe Beträge ausgegeben haben soll, obwohl die wirtschaftliche Lage des Unternehmens bereits angespannt gewesen sein soll. Der Betroffene weist die Vorwürfe zurück und verweist nach Angaben der Berichte auf Maßnahmen zur operativen Verbesserung und Kostensenkung.
Der Fall ist deshalb relevant, weil er über Duisburg hinausweist. Zoo Zajac war kein gewöhnlicher Fachhandel. Das Guinness-Buch der Rekorde führte das Unternehmen als größte Zoohandlung der Welt; die Verkaufsfläche in Duisburg umfasste rund 13.000 Quadratmeter. Das Unternehmen war zugleich Touristenmagnet, Arbeitgeber, Online-Marke und Streitfall für Tierschützer. Der Handel mit lebenden Tieren, darunter zeitweise auch Welpen und exotische Arten, machte Zoo Zajac zu einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Adressen der Branche.
Konkret betroffen sind mehrere Gruppen. Frühere Beschäftigte verloren mit der Schließung ihren Arbeitsplatz. Lieferanten, Dienstleister und andere Gläubiger müssen im Insolvenzverfahren klären lassen, ob und in welcher Höhe Forderungen noch bedient werden können. Kunden verloren eine zentrale Anlaufstelle für Aquaristik, Terraristik und Heimtierbedarf. Für Duisburg verschwand zugleich ein Ort, der über Jahre überregionale Aufmerksamkeit erzeugte, wirtschaftlich aber offenbar nicht mehr tragfähig war.
Das Insolvenzverfahren über die Zoo Zajac GmbH wurde nach öffentlich zugänglichen Verfahrensinformationen am 24. Februar 2025 eröffnet; zuvor waren bereits im Dezember 2024 Sicherungsmaßnahmen angeordnet worden. Zuständig war das Amtsgericht Duisburg. Im März 2025 endete der Geschäftsbetrieb endgültig. Die dpa berichtete damals, beim laut Guinness-Buch größten Zoofachgeschäft der Welt seien die Lichter ausgegangen.
Juristisch steht nun eine Kernfrage im Raum: Wann war die Insolvenzreife erkennbar – und welche Zahlungen waren danach noch zulässig? Nach § 15a Insolvenzordnung müssen die Vertretungsorgane einer juristischen Person bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ohne schuldhaftes Zögern einen Insolvenzantrag stellen; gesetzlich genannt werden spätestens drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit und sechs Wochen nach Eintritt der Überschuldung. Genau dieser Zeitraum ist in Unternehmensinsolvenzen häufig entscheidend: Wurden noch Ausgaben getätigt, obwohl die Zahlungsfähigkeit nicht mehr gesichert war, kann daraus ein Haftungs- oder Strafbarkeitsrisiko entstehen. Ob das im Fall Zoo Zajac zutrifft, muss das Gericht klären.
Aus Unternehmenssicht kann ein solcher Streit anders gelesen werden: Nicht jede Ausgabe in einer Krise ist automatisch pflichtwidrig. Sanierungsversuche, Standortsuche, Warenabverkauf, Kostenabbau oder operative Umstellungen können in einer angespannten Lage betriebswirtschaftlich begründet sein. Entscheidend ist, ob diese Maßnahmen realistisch geeignet waren, das Unternehmen zu stabilisieren, oder ob sie Gläubigerinteressen gefährdeten. Genau an dieser Grenze verläuft die juristische Auseinandersetzung.
Die strukturelle Dimension reicht über den Einzelfall hinaus. Stationäre Spezialhändler stehen seit Jahren unter Druck: hohe Energiekosten, steigende Einkaufspreise, verändertes Konsumverhalten, Online-Konkurrenz und strengere Anforderungen an Tierhaltung belasten besonders große Flächenkonzepte. Im Fall Zoo Zajac kam hinzu, dass das Geschäftsmodell stark von Größe, Erlebnischarakter und Tierbestand lebte. Was früher Aufmerksamkeit brachte, wurde in der Krise zum Kostenblock.
Auch die gesellschaftliche Perspektive ist relevant. Tierschutzorganisationen kritisierten Zoo Zajac seit Jahren, insbesondere den Verkauf von Welpen und exotischen Tieren. Andere Kunden sahen in dem Geschäft eine fachlich spezialisierte Anlaufstelle, die in dieser Form kaum zu ersetzen war. Der Fall zeigt damit auch einen Wandel im Heimtiermarkt: Die Frage ist nicht nur, ob ein Geschäft wirtschaftlich überlebt, sondern ob bestimmte Formen des Tierhandels gesellschaftlich, regulatorisch und finanziell noch zukunftsfähig sind.
Für Duisburg bleibt am Ende ein doppeltes Signal. Einerseits verschwindet ein Ort, der bundesweit bekannt war. Andererseits zeigt der Fall, wie riskant stark personalisierte Unternehmen werden können, wenn Gründerfigur, Marke, Geschäftsmodell und Standort eng miteinander verbunden sind. Norbert Zajac, der 2022 starb, war das Gesicht des Unternehmens. Nach seinem Tod musste der Betrieb ohne diese prägende Figur durch eine ohnehin schwierige Marktlage navigieren.
Was jetzt auf dem Spiel steht, ist nicht die Wiedereröffnung des alten Geschäfts. Das Gebäude ist Geschichte, die Fläche wird neu genutzt. Auf dem Spiel stehen vielmehr Haftungsfragen, mögliche Ansprüche der Insolvenzmasse und die Aufarbeitung, ob in der Krise rechtzeitig gehandelt wurde. Für Gläubiger kann das wirtschaftlich bedeutsam sein. Für andere Unternehmen ist der Fall ein Warnsignal: Größe schützt nicht vor Insolvenz und in der Krise wird aus unternehmerischem Risiko schnell eine rechtliche Pflicht.
Was das konkret bedeutet
- Für frühere Beschäftigte: Die Schließung bedeutete Arbeitsplatzverlust; offene Ansprüche laufen über Insolvenzverfahren und arbeitsrechtliche Klärungen.
- Für Gläubiger und Lieferanten: Entscheidend ist, ob aus dem Verfahren noch verwertbare Ansprüche oder Rückforderungen entstehen.
- Für Verbraucher: Eine außergewöhnlich große Spezial-Anlaufstelle für Heimtierbedarf ist dauerhaft verschwunden.
- Für Duisburg: Ein überregional bekannter Standort ist weg; die Fläche wird wirtschaftlich neu genutzt.
- Für Unternehmen: Der Fall zeigt, wie wichtig klare Liquiditätskontrolle und rechtzeitige Insolvenzanträge sind.
Fazit & Ausblick
Der Fall Zoo Zajac ist mehr als das Ende eines außergewöhnlich großen Zoofachgeschäfts. Er wird nun zur juristischen Prüfung eines wirtschaftlichen Krisenverlaufs. Entscheidend wird sein, ob das Gericht Zahlungen und Entscheidungen aus dem Jahr 2024 als zulässige Sanierungsmaßnahmen oder als problematische Handlungen in einer bereits insolvenzreifen Lage bewertet. Für Gläubiger, frühere Beschäftigte und die Branche bleibt der Ausgang relevant.
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FAQ-Bereich
Warum ist Zoo Zajac vor Gericht ein Thema?
Weil im Umfeld der Insolvenz geprüft wird, ob Zahlungen und Entscheidungen in der Krise rechtlich zulässig waren.
Wann wurde Zoo Zajac geschlossen?
Der Geschäftsbetrieb endete im März 2025 endgültig.
War Zoo Zajac wirklich die größte Zoohandlung der Welt?
Ja, Guinness World Records führte Zoo Zajac in Duisburg als größte Zoohandlung der Welt.
Worum geht es im Insolvenzrecht konkret?
Um die Pflicht, bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung rechtzeitig Insolvenzantrag zu stellen.
Kann Zoo Zajac zurückkehren?
Das frühere Geschäft ist geschlossen und die Halle abgerissen. Eine Rückkehr an diesem Standort ist damit nicht realistisch.
Quellenliste
- Guinness World Records: Largest pet store, Eintrag zu Zoo Zajac
- Insolvenz-Kontor: Zoo Zajac GmbH, Insolvenzverfahren, Amtsgericht Duisburg
- Die Zeit / dpa: Ende eines Weltrekords: Zoo Zajac schließt nach Insolvenz
- Süddeutsche Zeitung / dpa: Ende eines Weltrekords: Zoo Zajac schließt nach Insolvenz
- t-online: Zoo Zajac: Insolvenz des größten Zoogeschäfts der Welt landet vor Gericht
- Gesetze im Internet / Bundesministerium der Justiz: Insolvenzordnung, § 15a InsO
- WAZ: Berichte zum Millionenstreit um Zoo Zajac