Zeuge schildert Block-Sorgerechtsstreit
Block-Prozess: Kinderpsychologe wollte Eltern an einen Tisch bringen
Im Hamburger Block-Prozess hat ein Kinderpsychologe erklärt, wie er zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann vermitteln wollte. Seine Aussage berührt zentrale Fragen des Sorgerechtsstreits, ersetzt aber keine Bewertung der Schuldfrage.
Ein Kinderpsychologe hat am 54. Prozesstag im Hamburger Block-Prozess beschrieben, wie er vor der mutmaßlichen Entführung der beiden jüngsten Block-Kinder zwischen den zerstrittenen Eltern vermitteln wollte. Der 54-Jährige sagte vor Gericht, sein Ziel sei gewesen, Christina Block und ihren Ex-Mann Stephan Hensel wieder an einen Tisch zu bringen.
Der Zeuge hatte Christina Block in den Jahren nach dem Kontaktabbruch zu den beiden jüngsten Kindern beraten. Der Hintergrund: Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 in Dänemark nach Angaben im Verfahren nicht nach Hamburg zurückgebracht. Später eskalierte der Sorgerechtsstreit in der Silvesternacht 2023/2024, als die Kinder gewaltsam aus Dänemark nach Deutschland gebracht worden sein sollen.
Christina Block ist angeklagt, die Aktion beauftragt zu haben. Sie bestreitet den Vorwurf. Nach ihrer Darstellung habe eine israelische Sicherheitsfirma eigenmächtig gehandelt. Neben ihr stehen weitere Angeklagte vor Gericht, darunter ihr Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling. Auch er weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
Das Wichtigste in Kürze
- Entwicklung: Am 54. Prozesstag sagte ein Kinderpsychologe weiter als Zeuge im Block-Prozess aus. Er schilderte, wie er im Sorgerechtskonflikt vermitteln wollte.
- Zeitpunkt: Die Aussage erfolgte am 11. Juni 2026 vor dem Landgericht Hamburg. Der Zeuge hatte seine Aussage bereits im Januar begonnen und setzte sie nun fort.
- Betroffene: Im Mittelpunkt stehen Christina Block, ihr Ex-Mann Stephan Hensel, die beiden jüngsten Kinder sowie mehrere weitere Angeklagte.
- Folge: Die Aussage gibt Einblick in die Zeit vor der mutmaßlichen Entführung und in die Bemühungen, eine außergerichtliche Lösung im Elternkonflikt zu finden.
- Status: Das Strafverfahren läuft. Die Vorwürfe gegen Christina Block und die Mitangeklagten sind nicht rechtskräftig entschieden. Es gilt die Unschuldsvermutung.
- Quelle: Grundlage sind Berichte über die Zeugenaussage im Hamburger Block-Prozess sowie die bisherigen Angaben der Beteiligten im Verfahren.
Psychologe wollte im Elternkonflikt „Brücken bauen“
Der Zeuge ist nach eigenen Angaben auf die Beratung von sogenannten Trennungseltern spezialisiert. Im Verfahren berichtete er, dass er Christina Block mehrfach fachlich beraten habe. Dabei sei es unter anderem um mögliche gesundheitliche Folgen gegangen, die ein plötzlicher Kontaktabbruch zur Mutter für Kinder haben könne.
Nach seiner Aussage wollte der Psychologe nicht nur Christina Block beraten, sondern auch Bewegung in den festgefahrenen Konflikt bringen. Er habe deshalb mehrmals mit Gerd Uecker gesprochen, dem Familienanwalt von Stephan Hensel. Den Juristen habe er bereits lange gekannt. Eine gemeinsame Lösung sei jedoch nicht zustande gekommen.
Damit berührt die Aussage einen zentralen Punkt des Verfahrens: Die Frage, wie der langjährige Sorgerechtsstreit vor der Tat eskalieren konnte. Die strafrechtliche Bewertung der mutmaßlichen Entführung bleibt davon getrennt. Entscheidend ist für die Kammer, welche Rolle die einzelnen Angeklagten konkret gespielt haben sollen.
Christina Block bestreitet den Entführungsauftrag
Die Staatsanwaltschaft wirft Christina Block vor, nach dem jahrelangen Konflikt um die beiden jüngsten Kinder die Entführung aus Dänemark veranlasst zu haben. Die Kinder waren damals zehn und 13 Jahre alt. In der Silvesternacht 2023/2024 sollen sie gewaltsam aus der Obhut ihres Vaters nach Deutschland gebracht worden sein.
Block bestreitet, einen solchen Auftrag erteilt zu haben. Sie hat erklärt, die beteiligte Sicherheitsfirma habe auf eigene Faust gehandelt. Ihr Ex-Mann Stephan Hensel erhebt dagegen schwere Vorwürfe gegen die Mutter. Er sagt, die Kinder hätten keinen Kontakt mehr zu ihr gewollt. Block weist Gewaltvorwürfe zurück und wirft Hensel wiederum vor, die Kinder gegen sie beeinflusst zu haben.
Gerhard Delling ist ebenfalls angeklagt. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen. Der frühere Sportmoderator betont, nichts Unrechtes getan zu haben. Auch für ihn gilt wie für alle Angeklagten die Unschuldsvermutung.
Aussage der Tochter in einem Punkt bestritten
Im Gerichtssaal ging es auch um die Situation der Kinder nach ihrer Rückkehr nach Hamburg. Die Staatsanwaltschaft fragte den Zeugen, ob sich die damals 13-jährige Tochter Anfang Januar im Wohnhaus von Christina Block sein Telefon habe leihen wollen, um ihren Vater anzurufen.
Der Kinderpsychologe widersprach dieser Darstellung. Das habe so nicht stattgefunden, sagte er nach den vorliegenden Berichten. Der Junge und das Mädchen hätten bei seinen zwei Besuchen nicht mit ihm sprechen wollen. Auf seine Frage, ob er etwas für sie tun könne, habe die Tochter sinngemäß geantwortet, nach Dänemark könne er sie wohl nicht zurückfahren.
Diese Passage ist sensibel, weil sie die Wahrnehmung der Kinder betrifft. Zugleich bleibt offen, wie das Gericht die Aussage des Zeugen im Verhältnis zu anderen Beweismitteln bewertet.
Streit zwischen Verteidigung und Vorsitzender Richterin
Während der Befragung kam es zudem zu einem Schlagabtausch zwischen Blocks Verteidiger Ingo Bott und der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt. Bott fragte den Zeugen ausführlich nach fachlichen Stellungnahmen, die dieser früher im Auftrag von Christina Block verfasst hatte.
Der Verteidiger äußerte dabei die Sorge, die Kammer folge seinen Ausführungen nicht aufmerksam genug. Die Richterin reagierte verärgert und fragte sinngemäß, ob er Stimmung gegen die Kammer machen wolle. Solche Auseinandersetzungen zeigen, wie angespannt die Atmosphäre in dem Verfahren inzwischen ist.
Der Zeuge berichtete außerdem, wie ihm Stephan Hensel von der Familie beschrieben worden sei. Nach seinen Worten sei Hensel als aggressiver „Ich-Durchsetzer“ dargestellt worden. Es handelt sich dabei um eine Wiedergabe dessen, was dem Psychologen nach seiner Aussage berichtet wurde, nicht um eine gerichtlich festgestellte Tatsache.
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FAQ
Warum ist die Aussage des Kinderpsychologen im Block-Prozess wichtig?
Die Aussage ist wichtig, weil der Zeuge Christina Block vor der mutmaßlichen Entführung beraten hatte und Einblicke in den eskalierten Elternkonflikt geben kann. Für das Gericht kann relevant sein, welche Einschätzungen, Kontakte und Vermittlungsversuche es vor der Tat gab.
Hat der Kinderpsychologe die mutmaßliche Entführung beobachtet?
Nach den vorliegenden Berichten war der Zeuge nicht an der mutmaßlichen Entführung beteiligt. Seine Aussage betrifft vor allem die Zeit vor der Tat, seine Beratung von Christina Block und seine Kontakte im Umfeld des Sorgerechtsstreits.
Welche Rolle spielt Gerhard Delling in dem Verfahren?
Gerhard Delling ist als Lebensgefährte von Christina Block mitangeklagt. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen. Er weist die Vorwürfe zurück und betont, nichts Unrechtes getan zu haben.
Ist Christina Block bereits verurteilt?
Nein. Christina Block ist angeklagt, aber nicht rechtskräftig verurteilt. Sie bestreitet den Vorwurf, die Entführung ihrer Kinder beauftragt zu haben. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.
Was bleibt nach dem 54. Prozesstag offen?
Offen bleibt, wie die Kammer die Aussage des Kinderpsychologen im Gesamtbild bewertet. Entscheidend wird sein, wie seine Angaben mit weiteren Zeugenaussagen, Beweismitteln und den Einlassungen der Angeklagten zusammenpassen.
Quellen
- dpa-Bericht zum 54. Prozesstag im Block-Prozess, veröffentlicht am 11. Juni 2026 belegt die Aussage des Kinderpsychologen und den aktuellen Verhandlungstag. Sekundärquelle über Medienveröffentlichungen.
- DIE ZEIT: Bericht „Zeuge im Block-Prozess: Wollte zwischen Eltern vermitteln“, 11. Juni 2026 belegt Prozessstand und Kernaussagen der Zeugenaussage.
- Tagesspiegel: Bericht zum 54. Prozesstag, 11. Juni 2026 belegt die Darstellung der Zeugenaussage und den Streit im Gerichtssaal.
- WELT/dpa: Bericht zum 54. Prozesstag belegt Hintergrund, Angeklagte und Aussagekontext.
- Sat.1 Regional und MOPO: Prozessberichte vom 54. Verhandlungstag ergänzen Angaben zur Person des Zeugen und zum Verlauf der Befragung.