Fernzug-Aus könnte 16 Städte treffen
EVG warnt: 16 Städten könnte Fernzug-Aus drohen
Der geplante Einstieg von Italo in den deutschen Fernverkehr verschärft den Streit um knappe Trassen. Laut BILD sieht eine EVG-Auswertung 16 Städte gefährdet. Öffentlich belegt sind bisher vor allem die Warnungen vor einem Rückzug aus der Fläche.
Der mögliche Markteintritt des italienischen Bahnunternehmens Italo sorgt in Deutschland für neuen Druck im Fernverkehr. Italo will nach eigenen Angaben ab April 2028 eigene Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Deutschland anbieten, unter anderem zwischen Hamburg, Berlin und München sowie zwischen München, Köln und Dortmund. Dafür sind 30 neue Siemens-Züge und ein Investitionsvolumen von rund 3,6 Milliarden Euro geplant.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnt nun vor einer gefährlichen Nebenwirkung: Wenn neue Anbieter vor allem lukrative Hauptstrecken bedienen, könne die Deutsche Bahn weniger Geld für schwächer ausgelastete Fernverkehrsverbindungen in der Fläche erwirtschaften. BILD berichtet unter Berufung auf eine EVG-Studie, 16 Städten drohe dadurch ein mögliches ICE- oder IC-Aus. Die konkrete vollständige Städteliste ist öffentlich derzeit nicht belastbar einsehbar.
Für Fahrgäste ändert sich zunächst nichts unmittelbar. Der Italo-Start ist nicht abgeschlossen, zentrale Fragen zu Trassen, Netzkapazitäten und Regulierung sind weiter offen. Politisch geht es nun um die Frage, ob Wettbewerb auf der Schiene mehr Angebot bringt oder ob knappe Gleise und wirtschaftliche Anreize am Ende Verbindungen außerhalb der Metropolen schwächen.
Das Wichtigste in Kürze
- Entwicklung: Italo will in den deutschen Fernverkehr einsteigen und ab 2028 eigene Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen. Geplant sind unter anderem Verbindungen über Berlin, Hamburg, München, Köln und Dortmund.
- Zeitpunkt: Der Start wird von Italo für April 2028 angestrebt. Aktuell laufen weiter Verfahren und Auseinandersetzungen um Netzkapazitäten.
- Betroffene: Relevant ist der Streit für Bahnkunden in Fernverkehrsstädten außerhalb der profitabelsten Hauptachsen sowie für Beschäftigte im Fernverkehr.
- Folge: Die EVG warnt, dass zusätzliche Anbieter auf überlasteten Hauptstrecken nicht automatisch mehr Züge bedeuten, sondern vorhandene Kapazitäten verdrängen könnten.
- Status: Ein Fernzug-Aus für einzelne Städte ist derzeit eine Warnung und Modellannahme der EVG, keine beschlossene Fahrplanänderung der Deutschen Bahn.
- Quelle: Grundlage sind das EVG-Faktenpapier vom 21. Mai 2026, eine EVG-Mitteilung vom 26. Mai 2026 sowie der BILD-Bericht vom 14. Juni 2026.
- Offener Punkt: Welche 16 Städte konkret betroffen sein sollen, ist nach dem derzeit öffentlich verfügbaren Stand nicht vollständig unabhängig überprüfbar.
Warum die EVG vor „Rosinenpickerei“ warnt
Der Kern des Konflikts liegt in der Finanzierung des Fernverkehrs. Die EVG argumentiert, dass die Deutsche Bahn heute auch Orte an den Fernverkehr anbinde, die wirtschaftlich weniger attraktiv seien. Im EVG-Faktenpapier werden beispielhaft Cottbus, Magdeburg, Rostock und Trier genannt. Diese Verbindungen würden nach Darstellung der Gewerkschaft durch Einnahmen auf stark nachgefragten Hauptstrecken mitgetragen.
Kommen neue Anbieter auf genau diese profitablen Strecken, könnte sich die wirtschaftliche Grundlage verändern. Die EVG spricht deshalb von der Gefahr einer „Rosinenpickerei“: Private oder neue Betreiber würden dort fahren, wo hohe Auslastung und Gewinnmargen möglich seien, während weniger rentable Fernverkehrshalte in der Fläche unter Druck geraten könnten.
Italo will mit 30 Zügen nach Deutschland
Italo verfolgt nach bisherigen Angaben ein ambitioniertes Deutschland-Projekt. Das Unternehmen plant 30 Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens und 56 tägliche Verbindungen. Nach rbb-Angaben hat Italo bereits eine deutsche Gesellschaft gegründet, eine Verkehrslizenz erhalten und den Grundnetzvertrag unterzeichnet; die Sicherheitszertifizierung laufe.
Gleichzeitig gibt es Streit um den Zugang zum Netz. ZDFheute berichtete, Italo werfe der Deutschen Bahn eine Abschottungsstrategie vor. Die DB weist den Vorwurf zurück und verweist auf knappe Kapazitäten im deutschen Schienennetz. Zuständig für die Aufsicht über die Trassenvergabe ist die Bundesnetzagentur.
Knappe Gleise machen Wettbewerb kompliziert
Deutschland hat im Fernverkehr kein unbegrenzt verfügbares Schienennetz. Nach Darstellung der EVG sind Hauptstrecken zwischen Metropolen und viele große Bahnhöfe bereits stark ausgelastet. Zusätzliche Anbieter würden deshalb nicht automatisch mehr Züge bedeuten. Wenn neue Fernzüge auf denselben Achsen fahren wollen, müssten andere Verbindungen womöglich weichen.
Die Gegenseite sieht das anders. Wettbewerbsvertreter argumentieren, es gehe nicht zwingend um immer mehr Verkehr, sondern auch um eine andere Verteilung vorhandener Kapazitäten. Italo und andere Wettbewerber fordern verlässlichere Zugänge zu Trassen, damit ein Markteintritt überhaupt wirtschaftlich planbar wird.
Für Fahrgäste gibt es noch keinen akuten Handlungsbedarf
Für Reisende ist wichtig: Bislang gibt es keine bestätigte Streichliste der Deutschen Bahn und keinen beschlossenen Wegfall bestimmter ICE- oder IC-Halte. Die EVG warnt vor möglichen Folgen eines ungesteuerten Wettbewerbs, während Italo seinen Markteintritt noch vorbereitet.
Kurzfristig müssen Bahnkunden deshalb keine Tickets umbuchen oder Reisepläne ändern. Entscheidend wird, wie Politik, Bundesnetzagentur, DB InfraGo und neue Anbieter den Zugang zu knappen Trassen regeln und ob Fernverkehr in der Fläche politisch abgesichert wird.
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FAQ
Bedeutet der Italo-Einstieg automatisch weniger ICE- und IC-Verbindungen?
Nein, automatisch bedeutet er das nicht. Die EVG warnt aber, dass auf überlasteten Strecken neue Anbieter vorhandene Kapazitäten verdrängen könnten. Ob dadurch konkrete Fernverkehrshalte wegfallen, ist derzeit nicht beschlossen.
Welche Städte könnten betroffen sein?
BILD berichtet von 16 Städten, die laut EVG-Auswertung gefährdet sein könnten. Öffentlich belastbar genannt werden im EVG-Faktenpapier beispielhaft Cottbus, Magdeburg, Rostock und Trier als Orte, deren Fernverkehrsanbindung nach EVG-Darstellung über profitable Hauptstrecken mitfinanziert werde.
Wann könnte Italo in Deutschland starten?
Italo plant nach bisherigen Angaben einen Start ab April 2028. Vorher müssen aber Fragen zu Trassen, Kapazitäten, Sicherheitszertifizierung und Regulierung geklärt werden.
Warum ist die Bundesnetzagentur wichtig?
Die Bundesnetzagentur überwacht den Zugang zur Schieneninfrastruktur. Im Streit um Italo geht es vor allem darum, wer welche Trassen bekommt und ob neue Anbieter besondere Sicherheiten für den Markteintritt erhalten sollen.
Könnten Tickets durch mehr Wettbewerb günstiger werden?
Möglich ist das, aber nicht garantiert. Die EVG warnt, dass Einstiegspreise neuer Anbieter nicht dauerhaft niedrige Fahrpreise bedeuten müssen. In Italien wird der Wettbewerb hingegen häufig als Beispiel für niedrigere Preise und mehr Service genannt.
Quellen
- Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG: „Faktencheck: Führen mehr Anbieter zu einem besseren Fernverkehr?“, Stand 21. Mai 2026 belegt EVG-Argumentation zu Netzkapazitäten, Querfinanzierung, Fläche und Beschäftigung. Primärquelle.
- EVG: „Keine Rosinenpickerei: Fernverkehr darf nicht zum Spielball von Profitinteressen werden“, 26. Mai 2026 belegt politische Forderungen und Warnungen der Gewerkschaft. Primärquelle.
- rbb24: Bericht zu Italo-Plänen in Deutschland, 11. Mai 2026 belegt geplante Strecken, 30 Siemens-Züge, Investitionsvolumen und angestrebten Start. Sekundärquelle mit Unternehmensangaben.
- ZDFheute: „DB-Konkurrent Italo wirft Deutsche Bahn Abschottung vor“, 22. Mai 2026 belegt Streit um Trassen, Rolle der Bundesnetzagentur und Positionen von Italo/DB. Sekundärquelle.
- BILD: „Brisante Bahn-Studie! 16 Städten droht Fernzug-Aus“, 14. Juni 2026 belegt aktuellen Anlass und die öffentlich berichtete Zahl von 16 Städten. Sekundärquelle, Details teilweise hinter Paywall.