Gina H. will im August vor Gericht aussagen

Gina H. will im August vor Gericht aussagen
Systembild: Vor dem Landgericht Rostock läuft der Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian.© Presse.Online

Gina H. will im Fabian-Prozess ihr Schweigen brechen

Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow rücken die Beziehungen der Angeklagten Gina H. zu mehreren Bekannten immer stärker in den Mittelpunkt. Zwei Männer sagten vor dem Landgericht Rostock aus, bereits am Abend vor dem offiziellen Leichenfund mit der 30-Jährigen am späteren Fundort gewesen zu sein.

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand aus der Wohnung seiner Mutter gelockt und zu einem Tümpel bei Klein Upahl gebracht zu haben. Dort soll sie den Jungen mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend angezündet haben. Angeklagt ist sie wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Für Gina H. gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.

Anklage sieht Eifersucht als mögliches Tatmotiv

Nach Auffassung der Ermittler könnte Gina H. geglaubt haben, Fabian stehe einer erneuten Beziehung mit seinem Vater im Weg. Dieser hatte sich nach bisherigen Prozessangaben im August 2025 von ihr getrennt. Die vermutete Eifersucht ist Teil der Anklagethese, bislang jedoch keine gerichtlich festgestellte Tatsache.

Berichte, wonach Gina H. mehrere Männer durch Nähe, sexuelle Beziehungen oder Versprechen gezielt manipuliert haben soll, gehen über die bislang belastbar dokumentierten Prozessfeststellungen hinaus. Belegt ist allerdings, dass verschiedene männliche Bekannte eine wichtige Rolle in ihrem persönlichen Umfeld spielten und inzwischen als Zeugen vor Gericht auftreten.

Zwei Männer waren mit Gina H. am späteren Fundort

Ein 58-jähriger Nachbar erklärte vor Gericht, er sei am Abend des 13. Oktober mit Gina H. zu dem Tümpel gefahren. Dort hätten beide neben dem Leichnam gestanden. Nach seiner Aussage habe die Angeklagte Fabian erkannt. Der offizielle Notruf erfolgte jedoch erst am folgenden Tag.

Der Mann berichtete zudem, mit Gina H. über ein mögliches Alibi für den mutmaßlichen Tattag gesprochen zu haben. Eine im Prozess abgespielte Sprachnachricht soll diese Absprache stützen.

Auch ein weiterer Bekannter sagte aus, Gina H. habe ihn gezielt zum Fundort geführt. Er vermutete vor Gericht, dort möglicherweise als unwissender Spurenleger benutzt worden zu sein. Ob diese Einschätzung zutrifft, muss die Schwurgerichtskammer im Rahmen der gesamten Beweisaufnahme beurteilen.

Ehemalige Freundin widersetzte sich einer Absprache

Am 13. Verhandlungstag schilderte zudem eine 52-jährige frühere Freundin der Angeklagten, Gina H. habe sie bereits am 13. Oktober über Fabians Tod informiert. Am nächsten Tag sei sie mit der Angeklagten erneut in die Nähe des Tümpels gefahren.

Nach Darstellung der Zeugin sollte auch sie offenbar frische Spuren am Fundort hinterlassen. Sie habe sich jedoch geweigert, den Weg bis zum Leichnam mitzugehen. Erst danach habe Gina H. die Polizei verständigt und angegeben, den Jungen zufällig bei einem Spaziergang entdeckt zu haben.

Angeklagte kündigt eigene Aussage an

Gina H. hat zu den Mordvorwürfen bislang geschwiegen. Ihr Verteidiger kündigte nun an, sie wolle sich voraussichtlich Anfang August vor Gericht äußern und nach seinen Worten einige Dinge richtigstellen.

In welchem Umfang die Angeklagte aussagen und ob sie unmittelbar Fragen des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft beantworten wird, ist noch offen. Erst ihre Einlassung könnte zeigen, welche Erklärung die Verteidigung für die Zeugenaussagen, den angeblichen Alibiversuch und die mehrfachen Fahrten zum Fundort vorlegt.

6. Das Wichtigste in Kürze

  • Vorwurf: Gina H. ist wegen Mordes an dem achtjährigen Fabian angeklagt.
  • Tatzeit: Laut Anklage wurde Fabian am 10. Oktober 2025 getötet.
  • Motivthese: Die Staatsanwaltschaft geht von niedrigen Beweggründen und einem Zusammenhang mit der Beziehung zu Fabians Vater aus.
  • Zeugen: Zwei Männer wollen bereits vor dem offiziellen Leichenfund mit Gina H. am Fundort gewesen sein.
  • Alibi: Ein Nachbar berichtete von einer Absprache über ein mögliches Alibi.
  • Neue Entwicklung: Gina H. will voraussichtlich Anfang August erstmals vor Gericht aussagen.
  • Status: Die Vorwürfe sind nicht rechtskräftig bewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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FAQ

Wurde Gina H. bereits wegen Mordes verurteilt?

Nein. Gegen Gina H. läuft die Beweisaufnahme vor dem Landgericht Rostock. Über Schuld oder Unschuld hat das Gericht noch nicht entschieden.

Ist Eifersucht als Tatmotiv bewiesen?

Nein. Eifersucht beziehungsweise der Wunsch nach einer erneuten Beziehung mit Fabians Vater ist eine These der Anklage. Ob dieses Motiv tatsächlich bestand, muss das Gericht klären.

Was haben die männlichen Zeugen ausgesagt?

Zwei Männer berichteten, vor dem offiziellen Leichenfund gemeinsam mit Gina H. am Tümpel bei Klein Upahl gewesen zu sein. Einer von ihnen sagte außerdem aus, mit ihr über ein Alibi gesprochen zu haben.

Wann will Gina H. aussagen?

Nach Angaben ihres Verteidigers soll sie sich voraussichtlich Anfang August äußern. Umfang und Inhalt der geplanten Aussage sind noch nicht bekannt.

Quellen

  • Landgericht Rostock, Eröffnung des Hauptverfahrens, 15. April 2026: zugelassene Mordanklage und Unschuldsvermutung, Primärquelle.
  • NDR, 18. Juni 2026: angekündigte Aussage der Angeklagten und Vernehmung einer früheren Freundin, Sekundärquelle.
  • NDR, 16. Juni 2026: Zeugenaussage über den Fundort und eine mögliche Alibiabsprache, Sekundärquelle.
  • dpa, 18. Juni 2026: Angaben einer Zeugin zum Zeitpunkt des Leichenfundes, Sekundärquelle.

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